MitarbeiterInnen der Modekette Primark Deutschland überwacht

Mode_Geschaeftunmenschliche Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie?

In den letzten Tagen fanden KundInnen Hilferufe in ihre neu gekauften Kleider eingenäht. ArbeiterInnen machten auf ihre Situation aufmerksam, indem sie „SOS“ auf die Etiketten schrieben. Daneben befanden sich asiatische Schriftzeichen auf dem Kleidermarkerl, die aussagten, das chinesische Gefangene in 15-Stunden-Tagen die Ware herstellten. Nun kommen Verdachtsmomente hinzu, dass die Geschäftsführung von Primark in Hannover Kaufhaus-MitarbeiterInnen mittels Videokameras überwacht.

Primark ist erstmals  in die Schlagzeilen geraten, weil der britisch-irische Konzern in jenem Werk in Bangladesh, Sabhar, produzieren lies, das im April 2013 mehr als 1.000 ArbeiterInnen unter sich begrub und über 2.400 zum Teil schwer verletzte. Primark hat mittlerweile (laut Selbstangeben) 12 Millionen Dollar Wiedergutmachung gezahlt.

Hubertus Thiermeyer von ver.di meint dazu:

Wer ein T-Shirt für zwei Euro kauft, muss wissen, dass jemand anderes den Preis dafür bezahlen muss.

Wer bunt und billig shoppen will, ist bei Primark auf dem richtigen Platz. Lange galt H&M als die Marke unter den „Billlig-und-trotzdem-modisch-Textilketten“, doch Primark mischt auf diesem Segment kräftig mit. Seit seiner Gründung 1969 eröffnete das Unternehmen im Besitz der Associated British Foods, vor allem seit der Jahrtausendwende seine Niederlassungen zunehmend auch auf dem europäischen Festland. In Deutschland gibt es derzeit zwölf Filialen.

Seit kurzem wurde bekannt, dass sich in Hannover Primark-MitarbeiterInnen einer überzogenen Video-Überwachung ausgesetzt fühlen (zum Beispiel vor den Toiletten und Sozialräumen). Die deutsche Dienstleistergewerkschaft ver.di ist bereits in Verhandlungen mit der Geschäftsführung getreten um den Missstand zu beheben.

Mag sein, dass diese Überwachung durchaus auch in Irland und Großbritannien stattfindet, wo der Konzern die meisten Filialen hat (derzeit 208). Jedoch sind die genannten Länder für ihre hohe Kameradichte berühmt berüchtigt, sodass die Überwachung im normalen Arbeitsleben vermutlich gar nicht mehr auffällt. Der Hauptsitz des Unternehmens dürfte nicht ganz zufällig gewählt sein; in Irland genießen Unternehmen geringe Steuerpflichten und mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen nimmt man es auch nicht allzu genau.

Man könnte meinen, die Modekette Hollister (der Blog berichtete über die dortigen Arbeitsbedingungen) bekommt Konkurrenz beim Titelkampf um den ersten Platz für MitarbeiterInnenüberwachung.

Primark in Österreich

– andere Arbeitsbedingungen?

Die erste Filiale in Österreich eröffnete 2012 im Sillpark in Innsbruck. Ein Sammelsurium an arbeitsrechtlichen Missständen veranlasste die Arbeiterkammer Tirol zu einem äußerst selten genutzten Mittel zu greifen; sie sprach eine öffentliche Arbeitgeberwarnung aus. Danach besserten sich die Zustände und derzeit ist eine Betriebsratswahl in Vorbereitung.

Am Stadtrand von Wien finden sich zwei weitere Primark-Filialen; in Gerasdorf (ebenfalls seit 2012) und in der Shopping City Süd (seit 2013). Die Geschäftsführung in der Gerasdorfer Niederlassung hatte offenbar aus den Fehlern der Innsbrucker Filiale gelernt.

Bei uns ist die Betriebsratswahl glatt über die Bühne gegangen. Es gibt eine sehr engagierte Betriebsrätin und ein gutes Team.

erzählt der betriebsbetreuende Sekretär der GPA-djp Niederösterreich und ergänzt, dass derzeit eine Betriebsvereinbarung zum Thema Datenschutz in Arbeit sei.

Die 5.000 Quadratmeter große Filiale in der SCS hat knapp 500 MitarbeiterInnen. Auch hier ist derzeit ein Betriebsrat im Entstehen. Derzeit sind der GPA-djp keine arbeitsrechtlichen Probleme bekannt.

Mitbestimmungsrechte, die von den BetriebsrätInnen in der Praxis umgesetzt werden, sind also offensichtlich ein guter Weg zu besseren Arbeitsbedingungen.

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