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Crowdworking – Ein Phänomen der Digitalisierung der Arbeitswelt

Tastatur eines Computers vor BildschirmWir leben in einer Zeit, in der sich durch die rasant fortschreitende digitale Vernetzung von immer mehr Lebens- und Arbeitsbereichen, die Wirtschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft grundlegend transformiert. Rechen-, Speicher- und Übertragungskakapazitäten verfielfachen, beschleunigen und verbilligen sich. Neben Begriffen wie „Industrie 4.0“, dem „Internet der Dinge“ und „Big Data“, taucht in Bezug auf die Arbeitsorganisation (und damit verbunden natürlich auch deren Bedingungen) ein weiteres Schlagwort auf, dass mit der zunehmenden Digitalisierung in Zusammenhang steht, nämlich Crowdworking.

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Firmen-Laptop oder doch privates tablet?

Diese Frage stellt sich immer häufiger bei der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Arbeit – oder auch außerhalb. Der eigene tablet ist halt doch leichter zu transportieren als der Schlepptop aus der Firma und schneller ist er auch. Das eigene Smartphone hat brauchbarere Apps als das Firmen-Handy, auf das man meist gar nichts raufspielen darf. Der private twitter-account eignet sich hervorragend für die rasche und unbürokratische Kunden-Kommunikation.

Wie der Standard berichtet, hat eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Accenture ergeben, dass 58% der deutschen Angestellten lieber ihre privaten Mittel als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten nutzt, um Arbeitsaufgaben zu erledigen. Weltweit sind es sogar noch mehr ArbeitnehmerInnen, die private Arbeitsmittel bevorzugen, was auf der Plattform von golem.de eine interesante Diskussion ausgelöst hat. Österreich wird sich in Bezug auf Privatnutzung von Arbeitsmitteln vermutlich nicht stark von den deutschen Nachbarn unterscheiden. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Beratungsunternehmen natürlich gerne Gefahren aufzeigt, um KundInnen zu gewinnen, so ist dieser Trend offenbar existent.

die Grenze beruflich-privat verschiebt sich

Stand bislang vor allem die Privatnutzung von Betriebsmitteln im Fokus der Aufmerksamkeit, so sollte sich das rasch ändern, wenn man die Arbeitsrealität nicht aus den Augen verlieren möchte. Es geht also nicht mehr darum, ob das Arbeitshandy privat verwendet werden darf, sondern darum, ob das Privat-Smartphone für Arbeitsaufgaben genutzt werden „darf“.

Aus Sicht der Untenehmen ergibt sich daraus das Problem mit der Datensicherheit, weil die privaten Geräte leichteren Zugriff von außen erlauben – so die Argumentation. Das Sicherheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen beschränkt das Freiheitsbedürfnis bezüglich der Wahl der Arbeitsmittel seitens der ArbeitnehmerInnen. Bei dieser Debatte stehen immer die Technologie und ihre „Sicherheit“ bzw. deren Kosten im Vordergrund. Die Arbeit geht schneller voran, die MitarbeiterInnen sind zufriedener, die Virenattacken sind häufiger und die IT-Abteilung verzweifelt zusehends. Es geht also um das Abwägen zwischen Interessen der Firma und der der ArbeitnehmerInnen.

so what?

Der Einsatz von Technologie kann zu einer win-win-Situation werden, wenn die ArbeitnehmerInnen mit den von ihnen gewünschten Mitteln die vom Arbeitgeber gewünschten Ziele erreichen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Was bei dieser Diskussion außer Acht gelassen wird, ist, dass bei dieser Nutzung von privater IKT für Arbeitszwecke auch „Lose-Situationen“ für ArbeitnehmerInnen entstehen. Rechtlich ist für die Privatmittel keine Haftung vorgesehen. Wer repariert die privat gekauften Arbeitsmittel? Wer zahlt die Zeit, die für ihre Anschaffung und Wartung eingesetzt wird? Welche technischen Kenntnisse muss sich der/die ArbeitnehmerIn privat aneignen und welche werden in vom Arbeitgeber bezahlten Schulungen vermittelt? Ist das Verwenden der privaten Ressourcen und des privaten Wissens ein Darf, ein Kann oder ein Muss? Wo hört Arbeit auf und wo beginnt privat?

Liebe BetriebsinhaberInnen, gebt doch euren MitarbeiterInnen die IKT, die sie verdienen – das ist die wahre win-win-Situation. Dann haben sie Freude an der Arbeit, weil das Verwenden technisch ansprechender Infrastruktur kann durchaus Freude bereiten. Dann arbeiten sie auf dem neuesten technischen Stand. Und dann seid ihr von Viren-Attacken verschont. Und ihr seid verschont von MitarbeiterInnen, die kein Privatleben mehr kennen.

Und last but not least ein überlegenswerter Tipp: Vielleicht doch eine BV statt zur „Privatnutzung von Betriebsmitteln“ zur „Arbeitsnutzung von Privatmitteln“?

 

beim Surfen am Arbeitsplatz baden gegangen?

welle

Gerichtsurteile zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien am Arbeitsplatz

 

Die Internet-Nutzung am Arbeitsplatz wird von einer gefährlichen Brandung umspült . Wann darf einE ArbeitnehmerIn welche Seiten ansurfen und wer sieht die dabei entstehenden Log-Files? Ist Surfen ein Entlassungsgrund? In Österreich gibt es kaum Rechtsprechung zum Thema ArbeitnehmerInnen-Datenschutz im WorldWideWeb. Ein paar wenige Menschen haben sich in den letzten Jahren dazu vor ein Gericht gewagt. Wie das Urteile dann ergeht, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Dass es kaum ausjudizierte Fälle zum ArbeitnehmerInnen-Datenschutz gibt, hat mehrere Ursachen. Erst einmal ist die Hemmschwelle relativ hoch, während eines aufrechten Arbeitsverhältnis vor Gericht zu gehen. Zusätzlich ist das Arbeits- und Sozialgericht nicht für Datenschutz-Verstöße zuständig und die Betroffenen müssten also vor ein Strafgericht, was die Sache etwas komplizierter macht. Außerdem hat der Betriebsrat keine Vertretungsmöglichkeit und die Betroffenen müssen sich selbst um alles – inklusive Kosten – kümmern. 

Daher berufen sich die Urteile in der Regel nicht direkt auf das Datenschutzgesetz (DSG), sondern behandeln die Frage, ob eine wegen – angeblich unrechtmäßiger – IKT-Nutzung ausgesprochene Entlassung rechtmäßig war oder auch nicht. Die Fälle beinhalten auch ohne expliziten Verweis auf das DSG durchaus Szenarien, die das Thema Datenschutz berühren.

  • 1997: Ein Angestellter installiert – entgegen einer Weisung des Arbeitgebers – auf seinem Arbeitsplatz-Rechner private Software. Trotz einem ausdrücklichen Verbot des Arbeitgebers nutzt er dann diese Software für private Zwecke. Er wird entlassen, was er anficht. Die Entlassung ist aber gerechtfertigt. (9 Ob A 315/97g)
  • 1999: Ein Mitarbeiter erstellt am Rechner des Arbeitgebers eine Seminararbiet. Das wird vom Arbeitgeber als Verrat eines Betriebs- oder Geschäftsgeheimnises gesehen. Vom Richter nicht. Eine geringfügige Privatnutzung des PCs ist kein Verrat von Betriebsgeheimnissen und auch keine grobe Pflichtverletzung. (7 Ra 45/88k)
  • 1999: Private Korrespondenz wird am Arbeitsrechner erledigt. Der Arbeitgeber nimmt dem Angestellten daraufhin das private Speichermedium weg und suspendiert ihn. Der Arbeitnehmer ist darüber empört, was er auch deutlich zum Ausdruck bringt und den Vorgesetzten persönlich beleidigt. Die Entlassung wird aber vom Oberlandesgericht Wien bestätigt. (9 Ra 280/99h)
  • 2000: Der Arbeitgeber stellt das Foto eines Mitarbeiters ins Internet. Weder hat er vorher gefragt, noch entfernt er nachher das Photo, als der Betroffene dazu auffordert. Das wird als Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz gewertet, worin der „Bildnisschutz“ festgelegt ist. Auch mit  dem Argument der Treuepflicht kommt der Arbeitgeber hier nicht weiter. (8 Ob A 136/00h)
  • 2000: Gelegentliches Surfen am Arbeitsplatz ist kein Entlassungsgrund, insbesondere dann nicht, wenn es keine Vorwarnung gegeben hat – findet das Arbeits- und Sozialgericht. Der Betroffene hat nicht nur gesurft, sondern dabei auch gemeint, die Firma solle doch in Konkurs gehen, was allerdings nicht als persönliche Beleidigung ausgelegt wurde. (7 Ra 251/00h)
  • 2001: In einem Betrieb sind private Dateien verboten. Der Arbeitnehmer spielt trotzdem eine Privatdatei auf den Arbeitsrechner. Der Arbeitgeber löscht diese Datei und entlässt seinen Mitarbeiter. Das ist am Oberlandesgericht als rechtmäßig bestätigt worden, weil der Arbeitnehmer eine ausdrückliche Weisung missachtet hat und somit vertrauensunwürdig ist. (8 Ob A 218/01v)
  • 2001: Veröffentlichungen im Internet gelten als öffentliche Äußerungen – sagt der Oberste Gerichtshof. Also ist eine Beleidigung im Internet ist so zu werten, als ob sie in einer Zeitung stehen würde. (6 Ob 307/00s) 
    [ABER: auf geschlossene soziale Netzwerke trifft das nicht automatisch auch zu]

Es ist also wenig empfehlenswert, ausdrückliche Anweisungen zur Computernutzung zu missachten oder den/die ArbeitgeberIn – auf welchem Wege auch immer – persönlich zu beleidigen.

Jedenfalls empfehlenswert ist es aber, wenn sich der Betriebsrat bei der Gestaltung der Nutzung von Informationstechnologien einmischt! Und dabei eine Privatnutzung in vernünftigem Ausmaß ermöglicht.

 

Formel: GUTE ARBEIT

Arbeitssituation + Beschäftigungssituation = GUTE ARBEIT

Was verstehen wir unter GUTER ARBEIT? Welche Komponenten umfasst sie und wie sollen diese gestaltet sein?

GUTE ARBEIT

  • verbindet Flexibilität und Sicherheit,
  • gewährleistet ein Einkommen, das einen angemessenen, planbaren Lebensstandard ermöglicht,
  • fördert die Entwicklung und den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit der ArbeitnehmerInnen
  • durch regelmäßige Weiterbildung und sinnvolle, fördernde Arbeitsaufgaben,
  • bietet eine menschengerechte und beteiligungsorientierte Arbeitsorganisation,
  • respektiert die Privatsphäre der Beschäftigten,
  • fördert Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz,
  • ermöglicht eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatleben und
  • bemüht sich um die Entwicklung einer wertschätzenden und respektvollen Unternehmenskultur,
  • in der Vielfalt und Chancengleichheit als Wert und Ressource betrachtet werden.