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Sozialversicherungsauszug als Bewerbungsschein ?

WGKK

Quelle: wikipedia

Warnung vor zu viel Offenheit

Es wird immer häufiger von BewerberInnen verlangt, einen Versicherungsdatenauszug der Österreichischen Sozialversicherung beizulegen. Dieses Dokument ist einfach zu besorgen und enthält alle bisherigen Versicherungszeiten exakt aufgelistet – folglich wesentlich mehr Information als ein Lebenslauf. Gut für die ArbeitgeberInnen. Gut für die BewerberInnen?

In einem Versicherungsdatenauszug der Sozialversicherung finden sich LÜCKENLOS sämtliche Vordienstzeiten, sämtliche Dienstgeber (auch wenn die für die derzeitige Bewerbung wenig relevant sind), die jeweiligen Jahresbeitragsgrundlagen sowie Zeiten längerer Krankenstände, oder Zeiten der Arbeitslosigkeit. Bekommt der/die ArbeitgeberIn ein solches Dokument, lässt sich damit eine BewerberIn gut durchleuchten.

Sie waren also ein Jahr nicht beschäftigt und im Lebenslauf steht „Sprachaufenthalt in den USA“? Sie waren beim letzten Dienstgeber in Verwendungsgruppe vier eingestuft und hier verlangen sie ein Gehalt, das der Stufe sechs entspricht? Solche und ähnliche Fragen könnten da leicht entstehen.

Auf die Frage, warum das verlangt werde, erhält die interessierte Betriebsrätin mitunter die Antwort: „Wenn die Prüfung von der Gebietskrankenkassa kommt, dann müssen wir das vorlegen können.“

Richard Nowatschek, stellvertretender Leiter der Abteilung Beitragsprüfung in der Wiener Gebietskrankenkasse meint dazu:

Wir von der Gebietskrankenkasse benötigen bei Prüfungen die Vorlage des Datenauszuges durch die Dienstgeberin nicht. Wir haben die Daten ja selber. Natürlich schauen wir bei der Beitragsprüfung, ob richtig eingestuft wurde. Der Nachweis durch die BewerberIn ist an keine besondere Form gebunden, infrage kommen dabei insbesondere Schul-, Hochschul- und Dienstzeugnisse.

Er vermutet als Motiv für dieses Begehren der ArbeitgeberInnen, die Angst vor Nachzahlungen. Als vorauseilender Gehorsam werden da offenbar Argumente gebracht, die so nicht halten.

Richard Nowatschek meint zu den Auswirkungen dieser Praxis:

Ich sehe da die Gefahr, dass die Leute vor-analysiert werden und anhand des Überschusswissens durch die Vorlage des Datenauszuges oft nicht genommen werden. Ich kann nur ausdrücklich davor warnen, einen Auszug vorzulegen.

gibt Richard Nowatschek einen Tipp und die Autorin schließt sich ihm an.

Noch schöner wäre es, wenn die Firmen gar nicht erst die Sozialversicherungsauszüge verlangen würden.

 

wenn die ka facebook ham…

…dann geh i wieda ham

 

Social Media ist bei vielen Menschen fixer Bestandteil der alltäglichen Kommunikation; sei es der Tratsch mit FreundInnen auf Facebook und google+, das gemeinsame Sehen von Fotos und Hören von Musik, das (Ver-)Kaufen von gebrauchten Dingen auf e-bay oder willhaben, etc. etc. Social Media bietet die gesamte Palette an Kommunikationsmöglichkeiten und -inhalten.

Und weil der Mensch auch in der Arbeit nicht gern in eine völlig andere Rolle schlüpft, hat er auch am Arbeitsplatz gerne seine gewohnten Kommunikationskanäle zur Verfügung – wie unlängst im Cisco Connected World Technology Report 2011 festgestellt wurde. Für diesen Report wurden ca. 2.800 StudentInnen und BerufsanfängerInnen zwischen 18 und 29 Jahren in 14 Ländern befragt, welche Bedeutung Soziale Netzwerke für sie haben.

Nun mag es nicht verwundern, dass bei der Befragung eines Technologie-Konzerns herauskommt, dass neue Technologien für junge Menschen wichtig sind, einige Ergebnisse sind dennoch richtig erstaunlich:

  • 33% der Befragten sind mit ihren KollegInnen über Social Media vernetzt
  • 32% möchten ihr Privatleben nicht mit dem Arbeitsleben via Social Media verbinden
  • 68% der Beschäftigten folgen entweder ihren Chefitäten oder KollegInnen per twitter
  • 29% möchten nicht in einem Unternehmen arbeiten, dass Social Media verbietet

ArbeitgeberInnen bitte einsteigen – der Zug in Richtung Social Media (SM) fährt ab.

Wenn junge qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen arbeiten sollen, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen und motiviert sind, wäre es vielleicht doch eine Überlegung wert, SM in der Arbeit nicht völlig zu verbieten.

Es sei jedoch nicht verschwiegen, dass die ungehemmte Nutzung auch Gefahren birgt, wie der Report ebenso feststellt:

  • 84% werden von Social Media bei ihrer Arbeit mindestens einmal pro Stunde unterbrochen – und 12 % werden dadurch laut ihren eigenen Angaben von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt

Nicht nur nutzen lassen, sondern die Nutzung auch gemeinsam entsprechend den betrieblichen Anforderungen so regeln, dass eine positive betriebliche Kultur mit aktiv gelebtem Datenschutz bei gleichzeitiger Techniknutzung entsteht (wie es beispielsweise im diesem Blog in einem Beitrag bezüglich Betriebsratsblog oder in einem weiteren Beitrag zur unternehmensseitigen Nutzung vorgeschlagen wird) – das wäre die ideale Lösung für die Verwendung von Social Media am Arbeitsplatz.

Test bestanden – Bewerber abgelehnt?

neue Datenanwendungen und Empfängerkreise in Standardanwendungen entdeckt

Es gibt in Österreich die Pflicht, jede Verwendung personenbezogener Daten zu melden, in besonderen Fällen auch vorab prüfen zu lassen. Die Datenverwendungen werden dann ins Datenverarbeitungsregister (DVR) eingetragen. Damit nicht jede Kleinigkeit gemeldet werden muss, gibt es bestimmte Verwendungen, die mit bestimmten Daten gemacht werden dürfen, ohne vorher zu melden. Welche das sind, sind in den „Standard- und Musteranwendungen“ festgehalten.

Eine dieser Standardanwendungen bestimmt beispielsweise, was Vereine mit ihren Mitgliederdaten machen dürfen, ohne dass das extra gemeldet werden muss. In einer anderen ist festgelegt, welche personenbezogenen Daten zur Personalverwaltung in der Privatwirtschaft verwendet werden dürfen – das ist die so genannte SA 002.

Die Standardanwendungen werden immer wieder „aktualisiert“, das heißt in der Praxis: ausgeweitet, sodass mehr Daten ohne Meldung verwendet werden dürfen (wie in diesem Blog bereits berichtet wurde), weil immer wieder neue Datenbegehrlichkeiten von verschiedenen Seiten – mitunter auch seitens der UnternehmerInnen – geäußert werden.

Und jetzt is scho wieder was passiert….

Diesmal betrifft es die BewerberInnendaten. Die darf der/die ArbeitgeberIn jetzt auch ohne weitere Meldeverfahren sammeln. Alles unter der Prämisse, dass die BewerberInnen diese Daten auch „freiwillig“ zur Verfügung stellen – wobei es angesichts des Machtgleichgewichtes bei einem Bewerbungsgespräch sicherlich gut vorstellbar ist, dass BewerberInnen Fotos, Testergebnisse und dergleichen ihrem/ihrer zukünftigen ArbeitgeberIn vorenthalten.

Diese Daten der potentiellen Mitarbeiterinnen dürfen nun ohne Meldung beim DVR festgehalten werden:

  • Ordnungszahl(en)
  • Name
  • Geburtsdatum
  • Staatsbürgerschaft
  • Geschlecht
  • Anschrift
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse
  • Lichtbild
  • Ausbildungsdaten
  • Berufserfahrung und Lebenslauf
  • Angestrebte Beschäftigung
  • Beginn der angestrebten Beschäftigung
  • Sprachkenntnisse
  • Spezielle Berufserfordernisse
  • Testergebnisse

Einen Pluspunkt hat die Sache: Diese BewerberInnen-Daten dürfen nicht weitergegeben werden – das müsste dann wiederum extra gemeldet werden und bräuchte somit einen guten Grund.

Dass einige dieser Daten erforderlich sind für Bewerbungen, steht außer Streit, es geht darum, dass insbesondere die beiden letzten Punkte wenig konkret sind und somit Tür und Tor für unsinnige Abfragen öffnen.

Die Angabe „spezielle Berufserfordernisse“ könnte sehr weitreichend interpretiert werden, da es auch ja offenbar nicht um die allgemeinen Voraussetzungen für die offene Stelle handelt, sondern eben um „spezielle“. Eine nähere Erläuterung, was darunter zu verstehen ist, täte der Standardanwendung sicherlich gut. 

Und die Angabe „Testergebnisse“ ist höchst problematisch, weil nicht festgelegt ist, ob es sich um Wissenstests, psychologische Eignungstest oder gar medizinische Tests handelt. Reine Wissensabfragen, die Bezug nehmen auf die voraussichtlichen Arbeitsaufgaben, mögen noch sinnvoll erscheinen. Psychologische Tests stellen sich schon problematischer dar, weil sie entweder „no-na-ned-Ergebnisse“ produzieren („geraten sie rasch in Wut?“ „Ja, und dann brülle ich meine Vorgesetzten an“) oder unklare Fragen stellen, die die Befragten in die Irre führen („Könnten sie sich vorstellen, in fünf Jahren das Unternehmen zu verlassen“ „jein“). Gesundheitstest wiederum fallen in die Kategorie „sensible Daten“, sind folglich genehmigungspflichtig (außerdem bezüglich Gen-Tests sowieso völlig verboten, § 67 Gentechnikgesetz) und ihre Ergebnisse unterliegen einer ärztlichen Schweigepflicht. Sie sind nur in den wenigsten Fällen tatsächlich zur Berufsausübung notwendig.

Und ganz nebenbei wurde noch ein neuer Empfängerkreis eingefügt: die „Kunden und Interessenten des Auftraggebers“. Denen dürfen nun alle betrieblichen Kontaktdaten (Fon, Fax, Mobile, Mail, etc.) sowie die organisatorische Zuordnung der MitarbeiterInnen bekannt gegeben werden. Brauchen die das? (eine Anfrage an Radio Jerewan…)