Tag Archives: Datenmissbrauch

Schutzschild gegen Datenmissbrauch?

Brandungtransatlantischer Datentransfer erneuert

Die nächste Welle transatlantischer Verhandlungskünste brandet heran. Statt dem Abkommen über den „Sicheren Hafen“ soll nun das Abkommen „Pricacy Shield“ die personenbezogenen Daten von EU-BürgerInnen in den USA vor Missbrauch bewahren.

Schon lange bevor das Safe-Harbor-Abkommen zum Datenverkehr zwischen USA und EU vom EuGh gekippt worden war (die GPA-djp hat berichtet), war klar, dass bessere Regelungen her mussten – sonst hätte man sich wohl nicht bereits 2013 an den Verhandlungstisch gesetzt, um den gegenseitigen Datentransfer besser in den Griff zu bekommen.

Von europäischer Seite ging es vor allem darum, anlasslose Massenüberwachungen zu verhindern und EU-BürgerInnen einen besseren Rechtsschutz in den USA zu verschaffen – so wie er auch umgekehrt USA-BürgerInnen in Europa zusteht. Am 12. Juli 2016 haben die Europäischen Kommission und die us-amerikanische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde (Federal Trade Commission, FTC) das sogenannte „Privacy Shield Framework“ unterschrieben. Ab 1. August können sich us-amerikanische Firmen nach den neuen Regelungen zertifizieren lassen.

VERBESSERUNGEN

Die freiwillige Zertifizierung nach dem neuen Abkommen wird von der FTC stärker kontrolliert werden.

Die Weitergabe von personenbezogenen Daten an Dritte ist nicht mehr möglich.

Eine ausführliche Beschreibung der neuen Regelungen und ihres Zustandekommens hat die deutschen Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit zusammengefasst.

weiterhin Massen-DatensammEln möglich

Doch Einiges ist auch beim Alten geblieben. Die Gruppe der europäischen Datenschutzbehörden kritisiert in ihrer Stellungnahme zum Privacy Shield insbesondere, dass es keinen genügenden Schutz vor massenhaften und willkürlichen Datensammlungen gewährt (man muss nur den Zweck der Datenanwendung ändern und schon sei das Ganze nicht mehr ganz so verboten) und dass die Zuständigkeiten der sogenannten „Ombudsperson“, an die sich europäische BürgerInnen mit ihren (rechtlichen) Datenschutz-Anliegen wenden können, nicht ausreichend geklärt sind (der direkte Zugang zu ordentlichen Gerichten ist nach wie vor nicht möglich).

Weiter Kritikpunkte sind:

  • der Geltungsbereich bezieht sich nur auf einige Branchen
  • Datenlöschung wenn diese nicht mehr gebraucht werden, ist nicht explizit festgehalten
  •  Schutz vor automatisierten Einzelentscheidungen (Stichwort: profiling) ist nicht ausreichend

… Fortsetzung folgt…

Böse Zungen behaupten, dass sich auch bei diesem „Datenschutz“-Abkommen früher oder später jemand finden wird, der oder die es genau wissen will und die ganze Materie zum Europäischen Gerichtshof trägt…

Diskussion zu Datenschutz und Überwachung

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Diskussionsgruppe für Kurz-Entschlossene im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes

Die Universität Wien, genauer gesagt die Arbeitsgruppe Rechtsinformatik am Juridicum, arbeitet derzeit an einem Projekt zur persönlicher Wahrnehmung von Datenschutz und Überwachung – vorrangig im öffentlichen Raum aber nicht nur.

Wer Zeit und Lust hat, ist eingeladen, seine / ihre Meinung in einer bunt zusammengestellten Gruppe zu diskutieren. Um alle möglichen Perspektiven dabei anzudecken, wäre es schön, wenn dabei auch eure Sicht als ArbeitnehmerInnen vorkommen würde – und eine kleine Aufwandsentschädigung wird auch gezahlt.

Termine: Montag, 02.06.2014 – Altersgruppe: 45+ Jahre, 18:15,

Mittwoch, 04.06.2014 – Altersgruppe: 18-24 Jahre, 18:15

Ort: Sitzungszimmer des Dekanats am Juridicum (Schottenbastei 10-16, 2. Stock; A-1010 Wien).

Bei Interesse meldet euch beim Projekt-Koordinator Janos Böszörmenyi (janos.boeszoermenyi@univie.ac.at).

Viel Spaß beim Diskutieren

 

# sbsm camp, die Zweite

sbsmcamp-Logowie bereits in diesem Blog angekündigt, findet

von 19. – 20. Oktober

DAS sbsm CAMP

im Catamaran, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

 statt.

Hier noch ein paar Tipps, welche Veranstaltungen rund um das Thema

wie vertragen sich Social Media und mein Arbeitsplatz?

auf Interesse der p.t. Blog-LeserInnen stoßen könnten: 

 

  • Clara Fritsch (Abteilung Arbeit und Technik) bietet einen Workshop zum Thema „beim Surfen am Arbeitsplatz baden gegangen?“ In der Arbeitszeit per Social Media kommunizieren – das kann gut gehen, muss aber nicht. Je nachdem, wie offen innerhalb des Unternehmen mit Social Media umgegangen wird. Im schlimmsten Fall kann es zu Kündigungen kommen. Daher wird es in diesem Workshop unter anderem um die rechtlichen Rahmenbedingungen gehen, was ArbeitnehmerInnen und deren VertreterInnen tun und lassen sollten in den unendlichen Weiten der Social Media. Ich möchte weiters mit euch über die strategischen Möglichkeiten und Grenzen von Social Media in der Arbeitswelt diskutieren und Wege finden, wie die Verwendung von Social Media in der betrieblichen Praxis gewinnbringend eingesetzt werden kann.
    max. TeilnehmerInnen-Zahl: 12 Personen, Anmeldung unter
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 13:00 – 16:00

 

  • Eva Angerler (Abteilung Arbeit & Technik, GPA-djp) und Karl Schönswetter (Trainer und Blogger) bieten einen Workshop zum Thema: „Betriebsrat als Demokratiewerkstätte„. Man beschäftigt sich hier mit der Frage, inwieweit ein demokratisches Element wie der Betriebsrat/die Betriebsrätin in einem undemokratischen hierarchisch strukturierten Ganzen Einfluss nehmen kann. Demokratische Potentiale nutzen, Zivilcourage lernen und alle möglichen Informationskanäle nutzen sind Möglichkeiten in diese Richtung.
    Anmeldung erforderlich.
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 10:00 – 13:00

 

  •  Die Wiener Interessengemeinschaft der Beschäftigten in der IT in der GPA-djp lädt zur Podiumsdiskussion „Arbeitsplatz 2.0 – quo vadis? Potentielle Veränderungen in der Arbeitswelt von morgen“. Als DiskutantInnen zugesagt haben bereits Verena Spitz (BAWAG P.S.K. und Beirat „Arbeit und Technik“ der GPA-djp), Sandra Steiner (Siemens und work@IT), Luca Hammer (Blogger, Publizist), Martin Rennhofer (IBM) und Christian Voigt (Autor, Aktivist). Ingo Heeb (Beko und work@IT) wird moderieren.

Sagen und Mythen

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rund um das Internet am Arbeitsplatz

 

Der Arbeitgeber liest alle Emails. Die Beschäftigten hängen stundenlang im Internet. Das private Surfen gefährdet die IT-Sicherheit. Das Briefgeheimnis gilt auch für Emails.

Die Möglichkeiten, die das WorldWideWeb bietet, sind vielfältig und ebenso vielfältig sind die Legenden, die sich darum ranken. Haben manche der Legenden einen wahren Kern? Darf die Arbeitgeberin kontrollieren? Haben ArbeitnehmerInnen das Recht auf eine Privatsphäre am Arbeitsplatz?

Die Veranstaltung möchte der Legendenbildung entgegen wirken und das Thema Internetnutzung am Arbeitsplatz in seiner gesamten Vielfalt beleuchten.

Wir, das sind die GPA-djp und die Arbeiterkammer Wien, laden daher herzlich ein, sich zu informieren und mit uns zu diskutieren über die Rechtslage und die Rechtsprechung zum Thema, die Einsatzmöglichkeiten von Internet in der Arbeitswelt und über verschiedene betriebliche Erfahrungen, wie die Regelung von Internet am Arbeitsplatz aussehen kann.

WER? 

Eröffnung: Dwora Stein (AK-Vizepräsidentin, GPA-djp-Bundesgeschäftsführerin)

Technische Einsatzgebiete: Manfred Kleinert (Betriebsrat Raiffeisen Informatik),

Rechtsgrundlagen und Rechtsprechung: Gerda Heilegger (AK Wien)

betriebliche Erfahrungen: Elisabeth Gesierlich (Betriebsrätin, Pfizer),  Gerhard Prohaska (Betriebsrat, Vaillant), Clara Fritsch (GPA-djp)

Podiumsdiskussion mit den ReferentInnen unter der Leitung von Eva Angerler (GPA-djp)

WANN? 7. Juni 2011 16:30 – 18:30

WO? Technisch-Gewerbliche Abendschule Hörsaal B 402;  4., Plößlgasse 13 

 

 

 

Anmeldung bitte bis 31. Mai 2011 unter: andreas.stoeger@akwien.at

 

Und das Ganze ist gratis.

 

 

beim Surfen am Arbeitsplatz baden gegangen?

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Gerichtsurteile zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien am Arbeitsplatz

 

Die Internet-Nutzung am Arbeitsplatz wird von einer gefährlichen Brandung umspült . Wann darf einE ArbeitnehmerIn welche Seiten ansurfen und wer sieht die dabei entstehenden Log-Files? Ist Surfen ein Entlassungsgrund? In Österreich gibt es kaum Rechtsprechung zum Thema ArbeitnehmerInnen-Datenschutz im WorldWideWeb. Ein paar wenige Menschen haben sich in den letzten Jahren dazu vor ein Gericht gewagt. Wie das Urteile dann ergeht, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Dass es kaum ausjudizierte Fälle zum ArbeitnehmerInnen-Datenschutz gibt, hat mehrere Ursachen. Erst einmal ist die Hemmschwelle relativ hoch, während eines aufrechten Arbeitsverhältnis vor Gericht zu gehen. Zusätzlich ist das Arbeits- und Sozialgericht nicht für Datenschutz-Verstöße zuständig und die Betroffenen müssten also vor ein Strafgericht, was die Sache etwas komplizierter macht. Außerdem hat der Betriebsrat keine Vertretungsmöglichkeit und die Betroffenen müssen sich selbst um alles – inklusive Kosten – kümmern. 

Daher berufen sich die Urteile in der Regel nicht direkt auf das Datenschutzgesetz (DSG), sondern behandeln die Frage, ob eine wegen – angeblich unrechtmäßiger – IKT-Nutzung ausgesprochene Entlassung rechtmäßig war oder auch nicht. Die Fälle beinhalten auch ohne expliziten Verweis auf das DSG durchaus Szenarien, die das Thema Datenschutz berühren.

  • 1997: Ein Angestellter installiert – entgegen einer Weisung des Arbeitgebers – auf seinem Arbeitsplatz-Rechner private Software. Trotz einem ausdrücklichen Verbot des Arbeitgebers nutzt er dann diese Software für private Zwecke. Er wird entlassen, was er anficht. Die Entlassung ist aber gerechtfertigt. (9 Ob A 315/97g)
  • 1999: Ein Mitarbeiter erstellt am Rechner des Arbeitgebers eine Seminararbiet. Das wird vom Arbeitgeber als Verrat eines Betriebs- oder Geschäftsgeheimnises gesehen. Vom Richter nicht. Eine geringfügige Privatnutzung des PCs ist kein Verrat von Betriebsgeheimnissen und auch keine grobe Pflichtverletzung. (7 Ra 45/88k)
  • 1999: Private Korrespondenz wird am Arbeitsrechner erledigt. Der Arbeitgeber nimmt dem Angestellten daraufhin das private Speichermedium weg und suspendiert ihn. Der Arbeitnehmer ist darüber empört, was er auch deutlich zum Ausdruck bringt und den Vorgesetzten persönlich beleidigt. Die Entlassung wird aber vom Oberlandesgericht Wien bestätigt. (9 Ra 280/99h)
  • 2000: Der Arbeitgeber stellt das Foto eines Mitarbeiters ins Internet. Weder hat er vorher gefragt, noch entfernt er nachher das Photo, als der Betroffene dazu auffordert. Das wird als Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz gewertet, worin der „Bildnisschutz“ festgelegt ist. Auch mit  dem Argument der Treuepflicht kommt der Arbeitgeber hier nicht weiter. (8 Ob A 136/00h)
  • 2000: Gelegentliches Surfen am Arbeitsplatz ist kein Entlassungsgrund, insbesondere dann nicht, wenn es keine Vorwarnung gegeben hat – findet das Arbeits- und Sozialgericht. Der Betroffene hat nicht nur gesurft, sondern dabei auch gemeint, die Firma solle doch in Konkurs gehen, was allerdings nicht als persönliche Beleidigung ausgelegt wurde. (7 Ra 251/00h)
  • 2001: In einem Betrieb sind private Dateien verboten. Der Arbeitnehmer spielt trotzdem eine Privatdatei auf den Arbeitsrechner. Der Arbeitgeber löscht diese Datei und entlässt seinen Mitarbeiter. Das ist am Oberlandesgericht als rechtmäßig bestätigt worden, weil der Arbeitnehmer eine ausdrückliche Weisung missachtet hat und somit vertrauensunwürdig ist. (8 Ob A 218/01v)
  • 2001: Veröffentlichungen im Internet gelten als öffentliche Äußerungen – sagt der Oberste Gerichtshof. Also ist eine Beleidigung im Internet ist so zu werten, als ob sie in einer Zeitung stehen würde. (6 Ob 307/00s) 
    [ABER: auf geschlossene soziale Netzwerke trifft das nicht automatisch auch zu]

Es ist also wenig empfehlenswert, ausdrückliche Anweisungen zur Computernutzung zu missachten oder den/die ArbeitgeberIn – auf welchem Wege auch immer – persönlich zu beleidigen.

Jedenfalls empfehlenswert ist es aber, wenn sich der Betriebsrat bei der Gestaltung der Nutzung von Informationstechnologien einmischt! Und dabei eine Privatnutzung in vernünftigem Ausmaß ermöglicht.

 

Informationen zum betrieblichen Datenschutz

Tipps aus der Praxis für die Praxis –
eine Einführung in den betrieblichen Datenschutz
frisch aus der DruckpresseBroschüre "Datenschutz ohne Kontrolle ist wie Suppe essen mit der Gabel"

 

Entstanden ist die Broschüre aus zahlreichen qualitativen Interviews mit BetriebsrätInnen der GPA-djp, die sich in ihrem Betrieb mit dem ArbeitnehmerInnen-Datenschutz auseinandergesetzt haben.

Personenbezogene Daten gibt es in jedem Betrieb. Sie werden gesammelt über ArbeitnehmerInnen, KundInnen, LieferantInnen, gewonnen über
Telefonanlagen, Internet, Videoüberwachung, betriebsinterne Datenbanken
, etc. Die Daten können mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie gespeichert, jederzeit und überall nachgeschlagen, nach unterschiedlichsten Kriterien ausgewertet, optisch aufbereitet, verknüpft, weitergegeben, oder auch gänzlich sinnfrei verwendet werden.

Damit die vorhandenen Daten ausschließlich für sinnvolle und legale Zwecke zum Nutzen der Beschäftigten eingesetzt werden, ist es wichtig, ihre Verwendung einzugrenzen und zu kontrollieren. Wie Daten in Betrieben verwendet werden sollten und welche Mittel zur Regulierung der überbordenden Datenflut eingesetzt werden können, ist Thema dieser Broschüre.

Sie ist für GPA-djp-Mitglieder als Download unter www.gpa-djp.at/gutearbeit erhältlich oder unter service@gpa-djp.at zu bestellen.

ungestörte Urlaubsfreuden?

  

Quelle:BIlderbox

Weiß ihrE ArbeitgeberIn immer, wo sie sind, auch wenn sie es ihm/ihr gar nicht mitgeteilt haben? Dann könnte das an ihrem Handy liegen.

Erhalten Sie im Urlaub oder im Krankenstand Anrufe auf dem Diensthandy von ihrer/ihrem Vorgesetzten? Haben Sie ihr Diensthandy immer dabei und heben auch jederzeit ab? Dann sind sie reif für eine Betriebsvereinbarung!

Ein Diensthandy kann ein Segen für die Abwicklung der täglichen Arbeit sein. Wenn man nicht auf die Anwesenheit der gewünschten Person im Arbeitszimmer angewiesen ist, sondern eine kurze Auskunft, einen Ratschlag, eine Terminvereinbarung per Handy erledigen kann, erleichtert das die Arbeit jedenfalls – insbesondere für Menschen, die in ihrem Berufsalltag viel unterwegs sind.

Der Einsatz von Diensthandys ist durchaus sinnvoll – aber nur wenn es dazu auch eine Betriebsvereinbarung gibt!

Festgelegt werden muss auf jeden Fall:

Leistungs- und Verhaltenskontrolle darf nicht stattfinden!

 Sinn und Zweck des Handys darf nicht die Kontrolle der MitarbeiterInnen sein, sondern eine effiziente Kommunikation. Die Ortung eines Diensthandys ist wirklich nicht erforderlich, wenn es darum geht, eine sinnvolle Kommunikation mit KollegInnen, KundInnen etc. zu sichern.  Die technischen Möglichkeiten zur Ortung der ArbeitnehmerInnen sind vorhanden und einfach zugänglich. Dazu schreibt das „Hamburger Abendblatt“ in einem Artikel:

Wer also sein Kind, die Ehefrau oder einen Außendienstmitarbeiter lokalisieren will, schafft das über die Service-Angebote im Internet, und zwar innerhalb von Minuten.

Und wenn man dann schon dabei ist, eine Regelung zum Thema Mobiltelefonie abzuschließen, können die folgenden Punkte gleich mitberücksichtigt werden:

  • Wie sieht es mit der privaten Nutzung des Handys aus?

Die GPA-djp empfiehlt die private Nutzung zu vereinbaren – entweder in geringem Ausmaß auf Firmenkosten oder mit einer eigenen Vorwahl auf Kosten der ArbeitnehmerInnen.

  • Wann bzw. wie oft am Tag muss der/die ArbeitnehmerIn erreichbar sein?

Die GPA-djp empfiehlt, dass bei tageweiser schlechter Erreichbarkeit (z.B. während einer Weiterbildung) 1x am Tag das Handy abgehört werden muss und die wichtigsten Telefonate zu führen sind.

  • Welche Verantwortung trifft die/den ArbeitnehmerIn bei Schaden am Handy, technischen Gebrechen oder Verlust/Diebstahl des Geräts?

Die GPA-djp empfiehlt dringend, die Haftung der ArbeitnehmerInnen nur bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht zu vereinbaren.

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis IV

Täterbild mit Dame

Quelle: Bilderbox

In einer Handelsfiliale mit deutschem Mutterunternehmen werden neue Videokameras aufgehängt – um Warendiebstahl zu verhindern. Die Betriebsrätin wurde darüber nicht informiert und fordert daher auf schriftlichem Weg sowohl Information als auch den Abschluss einer neuen Betriebsvereinbarung. Die gültige Betriebsvereinbarung bezieht sich noch auf die zwei alten Kameras, die mit der guten alten VHS-Kassette laufen.

Lange Zeit passiert nichts, außer dass der Betriebsrätin mitgeteilt wird, die neuen Kameras seien noch nicht in Betrieb.

Kurz darauf wird im Pausenraum das Photo eines Diebes aufgehängt, das aus der deutschen Zentrale geschickt wurde. Angeblich stammt das Photo aus einer deutschen Filiale. Im Bildhintergrund sieht man eine Mitarbeiterin, die Waren in ein Regal einschlichtet.

Als eine der Mitarbeiterinnen der österreichischen Filiale in den Pausenraum kommt und das Photo sieht, meint sie überrascht: „Aber das bin ja ich!

Das Positive daran?

Die Geschäftsführung war sehr rasch zum Abschluss einer Betriebsvereinbarung über die neuen Kameras bereit, nachdem der Betriebsrat die Sachlage der Datenschutzkommission mitgeteilt hat. Kameras müssen nämlich – um legal in Betrieb gehen zu können – zuerst beim Datenverarbeitungsregister gemeldet werden (Ausnahmen siehe früherer Artikel zur Standardverordnung in diesem Blog). Bei der Datenschutzkommission, die das Datenverarbeitungsregister führt, verlangt man bei zustimmungspflichtigen Maßnahmen, dass die Betriebsvereinbarung mitgeschickt wird.

Das Symptomatische daran?

Der Handel ist mit dem Thema Videokontrollen nicht zufällig in die Schlagzeilen geraten. Es wird dort mit Hinweis auf Diebstahl-Vermeidung Material aufgezeichnet, das gegen die Grundsätze des Datenschutzes (Zweckmäßigkeit, Datensparsamkeit, gelindestes Mittel, Transparenz) verstößt. Leider ist der Gewöhnungseffekt bei Videokameras groß und die anfängliche Abwehr der MitarbeiterInnen verläuft oft schnell im Sand.

Wie kann vorgebeugt werden?

Mittlerweile gehören Videokameras schon fast zur Normalität. Davon sollte sich der Betriebsrat/ die Betriebsrätin nicht beeindrucken lassen. Er oder sie kann immer genauere Informationen und gegebenenfalls eine Betriebsvereinbarung zur Videoüberwachung verlangen. Sobald MitarbeiterInnen bzw. deren Arbeitsplätze im Blickfeld der Kamera sind, ist die Überwachung eine zustimmungspflichtige Maßnahme – es muss eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden. In dieser sollten dann bestimmte Eckpunkte geregelt werden (z.B. Welcher Abschnitt ist im Bild? Wer darf die Aufzeichnungen unter welchen Umständen sehen?).

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

Kleine Dienste unter Freunden

 

Quelle: Bilderbox

Ein Mann hätte gerne gewusst, wem seine Freundin in letzter Zeit so viele SMS schreibt. Wer könnte ihm da wohl helfen? Er hat einen Freund, der bei dem Telekommunikations-Anbieter arbeitet, bei dem er und seine Freundin einen Vertrag haben. Kurz entschlossen bittet er diesen Freund herauszufinden, wer denn der Empfänger der vielen Nachrichten sei. Der „Freundschaftsdienst“ wird erledigt.

Das Positive daran?

Der freundliche Mitarbeiter gibt sicher keine personenbezogenen Daten mehr an Freunde weiter. Er wurde von seinem Betriebsrat höflich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass das keine gute Idee war. Sobald dem Betriebsrat dieser Missbrauch zu Ohren gekommen ist, erklärt er dem Mitarbeiter, dass er mit einer solchen Datenweitergabe – egal ob mündlich, per SMS oder in Gebärdensprache – illegal handelt. Er verstößt damit nicht nur gegen das Dienstrecht, indem er Betriebsinterna verrät, sondern auch gegen das Strafrecht.

Das Symptomatische daran?

In der Telekommunikationsbranche werden jede Menge personenbezogene Daten verarbeitet – wer wann wen angerufen hat, wer welche Guthaben und Punkte gesammelt hat etc. Problematisch wird es, wenn die MitarbeiterInnen durch diesen täglichen Umgang mit Unmengen von persönlichsten Informationen abstumpfen.

Wie kann vorgebeugt werden?

Sensibilität im Umgang mit anderer Menschen Daten ist immer ein guter Rat. Auch an allerbeste FreundInnen dürfen keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden, wenn diejenigen, um deren Daten es geht, nicht zugestimmt haben – und davon ist im geschilderten Fall auszugehen.

(Wenn sie etwas über ihreN FreundIn wissen wollen – fragen sie am besten bei ihm/ihr selbst nach.)

Ich seh, ich seh, was du nicht siehst

Sollte deinE ArbeitgeberIn dieses Spielchen gerne betreiben, gibt es eine gute technische Möglichkeit, das falsche Spiel aufzudecken. Vieles, was ChefInnen gerne im Geheimen überprüfen, hinterlässt auch Spuren.

Finde heraus, ob deinE ChefIn deine Mails öfter checkt als du, welche Seiten im Internet bei dir auf dem Computer kleine Präsente hinterlassen oder ob auf deiner Tastatur jeder Fingerspitzendruck bespitzelt wird.

Die deutsche Dienstleiter-Gewerkschaft ver.di-innotec stellt auf  ihrer Seite Onlinerechte-für-Beschäftigte einen Spionage-Check zur Verfügung.

Zu wissen, was der/die Vorgesetzte über die eigene Person weiß, ist zumindest ein erster Ansatzpunkt nachzufragen, ob das auch alles rechtlich unbedenklich ist…