Tag Archives: Datenmissbrauch

Arbeitgeber, wieso hast du so große Ohren?

Immer mehr ArbeitgeberInnen sammeln immer mehr Daten von MitarbeiterInnen in immer mehr und technisch ausgefeilten Systemen (z.B. Personalinformationssysteme, Systeme zur Erfassung von Betriebsdaten, Ortungssysteme in Fahrzeugen, Videokontrollen, Chips mit kombinierter Zutritts-, Zeiterfassungs-, Ausweis- und Zahlungsfunktion, etc.). In den Systemen ist auch Höchstpersönliches der Beschäftigten festgehalten.

Der/die Vorgesetzte kann durch eine Verknüpfung der vorhandenen Daten einiges über seine MitarbeiterInnen herausfinden – und daraus (falsche) Schlüsse ziehen. Wer suchet, der findet – auch das, wonach ursprünglich gar nicht gesucht wurde.

In Österreich ist nur eines von drei technischen Systemen in einer Betriebsvereinbarung geregelt, wie eine Studie von AK und FORBA ergeben hat. Nur ein Bruchteil der vorhandenen Betriebsvereinbarungen wird auch kontrolliert. Damit sind dem Datenmissbrauch Tür und Tor geöffnet. 

Daten schützen – aber wie!? 

  • zweckmäßig –Das Datenschutzgesetz bestimmt, dass für jede Datenverwendung Sinn und Zweck gegeben sein müssen.
  • verhältnismäßig – Das Datenschutzgesetz bestimmt, dass bei jeder Datenverwendung das „gelindeste zum Ziel führende Mittel“ eingesetzt werden muss. Folglich dürfen nur unbedingt notwendige Daten in möglichst wenig Systemen verwendet werden.
  • transparent – Diejenigen, deren Daten verarbeitet werden, haben ein Recht darauf zu wissen, welche Daten von ihnen vorhanden sind und was mit ihnen passiert.

 Was darf der/die ArbeitgeberIn?

  • anonymisierte Daten verwenden
  • bereits anderswo veröffentlichte Daten verwenden
  • statistische Auswertungen machen, ohne Rückschluss auf Einzelne
  • Standardanwendungen (z.B. Personalverwaltung)
  • gesetzlich vorgeschriebene Datenverwendungen durchführen

Was darf der/die ArbeitgeberIn sicher nicht?

  • Blankounterschriften der MitarbeiterInnen fordern, in denen sie pauschal jeder Datenverwendung zustimmen
  • Sanitär- und Sozialräume mit Video überwachen
  • alle Mails lesen
  • Daten ohne ausreichenden Schutz ins Nicht-EU-Ausland übermitteln

Was muss der/die ArbeitgeberIn?

  • die ArbeitnehmerInnen über die Datenverwendungen informieren
  • technische Systeme beim Datenverarbeitungsregister melden
  • technische Systeme mit sensiblen Daten genehmigen lassen
  • Betriebsvereinbarungen zu den technischen Systemen abschließen

Die Privatsphäre wird nicht an der Bürotüre abgegeben!

Was kann der/die Einzelne tun:

  • das Recht auf Auskunft über die eigenen gespeicherten Daten und deren Verwendung einfordern
  • den Zweck von Datenverwendungen hinterfragen
  • sich die gesetzlichen / vertraglichen Grundlagen für Datenverwendungen zeigen lassen
  • bei Verdacht auf Missbrauch, den/die Betriebsrat/-rätin kontaktieren
  • bei der Datenschutzkommission nachfragen, ob die Systeme überhaupt gemeldet wurden – und somit legal in Verwendung sind
  • persönliche Daten so weit als möglich vom Arbeits-PC fernhalten

 Daten kennen keine Grenzen – setzen wir ihnen welche!

 was dieGPA-djp dazu anbietet:

  • Infobroschüren
  • Muster-Betriebsvereinbarungen
  • auf den Betrieb maßgeschneiderte Beratung
  • Unterstützung bei der Verhandlung von Datenschutz-Betriebsvereinbarungen
  • Vorträge, Seminare, Workshops

 Datenschutz fordert heraus – daher fordert die GPA-djp:

  • eineN betrieblicheN DatenschutzbeauftragteN
  • die gerichtliche Vertretungsmöglichkeit des Betriebsrates für Beschäftigte bei Datenschutzproblemen am Arbeitsplatz
  • die Zuständigkeit des Arbeits- und Sozialgerichtes bei Datenschutzproblemen
  • ein Gesetz zum Schutz von personenbezogenen Daten im Arbeitsverhältnis

 Je eingeschränkter die Datenauswertungen sind, desto freier sind die MitarbeiterInnen.

Fundstück zum ganz normalen Überwachungswahnsinn

Der Designer Johannes Widmer hat 2007 einen anschaulichen und anschauungswürdigen Film gemacht. Der Protagonist „Paul“ kann bei Panopti.com durch seinen IKT-gesteuerten Alltag in Arbeit und Freizeit begleitet werden. Die BesucherInnen entscheiden, was sie wie lange anschauen wollen und ob sie Hintergrundinformationen (sehr empfehlenswert) dazu möchten.

Ein kurzer Einblick mit lang anhaltender Wirkung.

Sound aufdrehen nicht vergessen!

Zeit im Bild: Zunahme missbräuchlicher Datenverwendung in Betrieben

Eine von der AK Wien und den Fachgewerkschaften (u.a. GPA-djp) in Auftrag gegebene Studie belegt, dass es in österreichischen Unternehmen immer häufiger zu Datenschutzverletzungen kommt.

„Wir haben Hinweise darauf, dass es vermehrt missbräuchliche Datenverwendung im Betrieb gibt.“ (Dr.in Eva Angerler in einem Zeit im Bild-Beitrag am 05.12.2009)

Betrieblicher Datenschutz

Das Thema des Datenschutzes in Unternehmen, hauptsächlich im Zusammenhang mit neuen und erweiterten technischen Möglichkeiten der MitarbeiterInnenüberwachung, gewinnt in den letzten Jahren aus gewerkschaftlicher Sicht bedenklich an Bedeutung. Die Abt. Arbeit und Technik der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck – Journalismus – Papier (GPA-djp) befasst sich nicht nur grundlegend mit den aktuellen Entwicklungen zu diesem Thema, sondern bietet auch Beratung zu den verschiedenen Problemstellungen im Betrieb, um dem Missbrauch von MitarbeiterInnendaten auf ArbeitgeberInnenseite soweit wie möglich vorzubeugen.

Zunehmender Technikeinsatz bringt mehr Möglichkeiten der MitarbeiterInnenkontrolle
Der Themenbereich des betrieblichen Datenschutzes betrifft sowohl Fragen der persönlichen Freiheit von ArbeitnehmerInnen als auch Aspekte der menschenwürdigen Gestaltung von Arbeitsplätzen und hat sich in den letzten Jahren zu einem Kernthema bzw. auch zu einem der wichtigsten Beratungsthemen von Arbeit&Technik entwickelt.
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Gesetzliche Verschärfung des betrieblichen Datenschutzes erforderlich!

Die GPA-djp tritt seit Jahren für einen Ausbau des betrieblichen Datenschutzes ein. Eine der Hauptforderungen: die gesetzliche Verankerung von betrieblichen Datenschutzbeauftragten.

Im heutigen Ö1 Mittagsjournal fordern nunmehr auch Wilhelm Haberzettel, Konzernbetriebsrat der ÖBB, und SPÖ-Nationalratsabgeordneter Johann Maier eine Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz im Betrieb.

In diesem Zusammenhang sei vor allem daran erinnert, dass die Novelle zum Datenschutzgesetz 2000 (DSG-Novelle 2010) derzeit die parlamentarischen Ausschüsse durchläuft, wobei der derzeitige Stand der Verhandlungen weitgehend unklar ist. Fest steht nur, dass der im ursprünglichen Entwurf vorgesehene betriebliche Datenschutzbeauftragte in der im Frühjahr 2009 zur Begutachtung vorgelegten Fassung nicht mehr enthalten war. Die ArbeitnehmerInnenvertretungen haben zum Ministerialentwurf eindeutig Stellung bezogen (ÖGB-Stellungnahme, AK-Stellungnahme). Die aktuelle Diskussion führt die Problemfelder nicht nur einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen, sondern zeigt auch, dass wir mit unseren Anliegen und Forderungen richtig liegen.

Weitere Links:

TV-Tipp: "Überwachung am Arbeitsplatz" im CLUB 2

Der heutige Club 2 (23.09.2009, 23.00, ORF 2) steht unter dem Titel

„DER CHEF ALS SPITZEL – ÜBERWACHUNG AM ARBEITSPLATZ“

und beschäftigt sich nicht nur mit den aktuellen Vorfällen rund um die Speicherung von Krankenstandsdaten bei den ÖBB, sondern auch darüber hinaus mit dem Themenbereich betrieblicher Datenschutz und insbesondere der MitarbeiterInnenkontrolle bzw. -überwachung. Der „Dauerbrenner“ in unserer Beratung wird damit nun auch in der medialen Öffentlichkeit breiter und intensiver diskutiert – höchste Zeit, wie wir meinen!

club 2

Vertreter der ÖBB sowie Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und andere zu Gast im CLUB 2 – Studio.

Das Sammeln und Speichern von Krankenstandsdaten in großem Umfang wurde bei den ÖBB aufgedeckt. Eisenbahner wurden angeblich während des Krankenstandes zu Hause kontrolliert und nach Ende ihrer Krankenstände zu den genauen Ursachen befragt.
Doch die ÖBB ist in Sachen Mitarbeiterkontrolle kein Einzelfall. So sehen Privatdetektive steigende Auftragszahlen bei der Überwachungen von Krankenständen und der Überprüfungen zukünftiger Mitarbeiter. Spionage-Software wird zu Kontrollen des Mailverkehrs verwendet und Kameras zur Überwachung der Mitarbeiter wurden in Betrieben in Deutschland und Österreich aufgedeckt.
Wie sehr werden Arbeitnehmer überwacht, wie gläsern ist der Mitarbeiter von heute geworden, wie viel geben wir freiwillig preis von uns in Internet und Social Networks? Und erhöht diese Durchleuchtung und Kontrolle den Druck auf die Arbeitnehmer?
Dazu diskutieren bei Corinna Milbornu.a.:

  • Günter Wallraff
    Enthüllungsjournalist
  • Wilhelm Haberzettl
    Konzernbetriebsrat ÖBB
  • Erich Möchel
    Technikjournalist, Datenschützer
  • Bernhard Maier
    Berufsdetektiv, Schwerpunkt Mitarbeiterkontrolle

Betrieblicher Datenschutz

Das Thema des Datenschutzes in Unternehmen, hauptsächlich im Zusammenhang mit neuen und erweiterten technischen Möglichkeiten der MitarbeiterInnenüberwachung, gewinnt in den letzten Jahren aus gewerkschaftlicher Sicht bedenklich an Bedeutung. Die Abt. Arbeit und Technik der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck – Journalismus – Papier (GPA-djp) befasst sich nicht nur grundlegend mit den aktuellen Entwicklungen zu diesem Thema, sondern bietet auch Beratung zu den verschiedenen Problemstellungen im Betrieb, um dem Missbrauch von MitarbeiterInnendaten auf ArbeitgeberInnenseite soweit wie möglich vorzubeugen.

Nähere Informationen zum Thema finden Sie hier!