Tag Archives: Entgrenzung der Arbeit

ungestörte Urlaubsfreuden?

  

Quelle:BIlderbox

Weiß ihrE ArbeitgeberIn immer, wo sie sind, auch wenn sie es ihm/ihr gar nicht mitgeteilt haben? Dann könnte das an ihrem Handy liegen.

Erhalten Sie im Urlaub oder im Krankenstand Anrufe auf dem Diensthandy von ihrer/ihrem Vorgesetzten? Haben Sie ihr Diensthandy immer dabei und heben auch jederzeit ab? Dann sind sie reif für eine Betriebsvereinbarung!

Ein Diensthandy kann ein Segen für die Abwicklung der täglichen Arbeit sein. Wenn man nicht auf die Anwesenheit der gewünschten Person im Arbeitszimmer angewiesen ist, sondern eine kurze Auskunft, einen Ratschlag, eine Terminvereinbarung per Handy erledigen kann, erleichtert das die Arbeit jedenfalls – insbesondere für Menschen, die in ihrem Berufsalltag viel unterwegs sind.

Der Einsatz von Diensthandys ist durchaus sinnvoll – aber nur wenn es dazu auch eine Betriebsvereinbarung gibt!

Festgelegt werden muss auf jeden Fall:

Leistungs- und Verhaltenskontrolle darf nicht stattfinden!

 Sinn und Zweck des Handys darf nicht die Kontrolle der MitarbeiterInnen sein, sondern eine effiziente Kommunikation. Die Ortung eines Diensthandys ist wirklich nicht erforderlich, wenn es darum geht, eine sinnvolle Kommunikation mit KollegInnen, KundInnen etc. zu sichern.  Die technischen Möglichkeiten zur Ortung der ArbeitnehmerInnen sind vorhanden und einfach zugänglich. Dazu schreibt das „Hamburger Abendblatt“ in einem Artikel:

Wer also sein Kind, die Ehefrau oder einen Außendienstmitarbeiter lokalisieren will, schafft das über die Service-Angebote im Internet, und zwar innerhalb von Minuten.

Und wenn man dann schon dabei ist, eine Regelung zum Thema Mobiltelefonie abzuschließen, können die folgenden Punkte gleich mitberücksichtigt werden:

  • Wie sieht es mit der privaten Nutzung des Handys aus?

Die GPA-djp empfiehlt die private Nutzung zu vereinbaren – entweder in geringem Ausmaß auf Firmenkosten oder mit einer eigenen Vorwahl auf Kosten der ArbeitnehmerInnen.

  • Wann bzw. wie oft am Tag muss der/die ArbeitnehmerIn erreichbar sein?

Die GPA-djp empfiehlt, dass bei tageweiser schlechter Erreichbarkeit (z.B. während einer Weiterbildung) 1x am Tag das Handy abgehört werden muss und die wichtigsten Telefonate zu führen sind.

  • Welche Verantwortung trifft die/den ArbeitnehmerIn bei Schaden am Handy, technischen Gebrechen oder Verlust/Diebstahl des Geräts?

Die GPA-djp empfiehlt dringend, die Haftung der ArbeitnehmerInnen nur bei grober Fahrlässigkeit oder Absicht zu vereinbaren.

Den Teufel an die (Facebook-Pin-)Wand malen

internationale Fakten zu Facebook und seinen Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Facebook erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Der Umgang von ArbeitgeberInnen mit Facebook ist höchst unterschiedlich. Bei einigen ist Facebook dezidiert unbeliebt. Italiens Minister für öffentliche Verwaltung verbietet 2009 beispielsweise den Beamten Facebook während der Arbeitszeit.

Andere ArbeitgeberInnen ziehen immer mehr Informationen privater Art über ihre MitarbeiterInnen aus Facebook. Und die werden meist zum Nachteil der Angestellten ausgelegt. Die Versicherung Nationale Suisse entließ zum Beispiel 2009 eine Angestellte, weil sie im Krankenstand auf Facebook aktiv war, wobei sie ihrem Chef gegenüber angegeben hatte, aufgrund starker Migräne keine Bildschirmarbeit leisten zu können.
Kentucky Fried Chicken entlässt in Australien Angestellte, die Fotos von sich auf Facebook stellten, auf denen sie in den riesigen Geschirrwaschbecken gemütlich ein Bad nahmen.

Auch bevor es zu einem Arbeitsverhältnis kommt, sind die ArbeitgeberInnen schon im Netz unterwegs, um die zukünftigen potentiellen MitarbeiterInnen durchzuchecken. Agenturen wurden bereits gegründet, die im Auftrag von Firmen via Internet nach vorraussichtlich geeigneten BewerberInnen suchen.

Die dritte Variante ist, dass Firmen eigene Facebooks anlegen, auf denen sich die MitarbeiterInnen (gaaanz freiwillig) über ihre Firma äußern dürfen – wird zum Beispiel bei einem Pharmakonzern und einem internationalen Bankunternehmen in Österreich bereits praktiziert. Bei dieser Form der Facebook-Nutzung ist die Grenze zwischen Arbeit und Privat völlig in Auflösung begriffen und die Kontrolle  der ArbeitnehmerInnen ein Kinderspiel.

Mit dem Recht auf Privatsphäre hat das soviel zu tun wie ein Fisch mit einem Fahrrad.

Folgende Grundsätze machen daher beim privaten Facebooken Sinn:

  • besser in geschlossenen Gruppen kommunizieren, wo die Mitglieder einander bekannt sind
  • besser keine Aussagen über den Arbeitgeber/ die Arbeitgeberin tätigen
  • die Einstellungen zur Privatsphäre, die Facebook standardmäßig anbietet, auch nutzen, genau überdenken und bestimmte Informationen nur „FreundInnen“ zur Verfügung stellen
  • Informationen über andere (z.B. Photos) nur reinstellen, wenn der/die Betroffene auch einverstanden ist
  • nur Informationen reinstellen, die auch im realen Leben realen FreundInnen mitgeteilt werden würden
  • Arbeitgeberseitig gegründete Plattformen nach Möglichkeit meiden und die KollegInnen über die Gefahren aufklären

 Die Datenschutzkommission hat für die Zielgruppe Jugendiche eine eigene Broschüre zum Verhalten in  social media herausgebracht. Wenn man die Wörter „Schule“ und „Eltern/Lehrer“ gegen die Worte „Arbeitsplatz“ und „ArbeitgeberInnen“ austauscht, steckt in der Broschüre auch viel Wissenswertes für ArbeitnehmerInnen.

Flashlights aus der Web 2.0 Veranstaltung der GPA-djp

Eindrücke aus dem Workshop bloggender BetriebsrätInnen:

 

Die Furcht vor großem Zeitaufwand, der zum Betreiben eines Blogs erforderlichist, ist oft größer als der Zeitaufwand. (Ein bloggender Betriebsrat)

Die Beteiligungsfreude der Blog-lesenden MitarbeiterInnen ist geringer als erwartet. Es wird kaum kommentiert. (Ein bloggender Betriebsrat)

Die Lesefreude der MitarbeiterInnen ist größer als ich dachte, insbesondere, wenn es um politische Themen geht, die unseren Betrieb unmittelbar betreffen. (Eine bloggende Betriebsrätin)

Kurzinterview mit Linda Sepulveda (Betriebsrat der SIS & CT, SIS MitarbeiterInnen-Blog):

Unser Blog bewirkt bei der Geschäftsführung, dass sie sich zumindest bemühen, sich korrekt zu verhalten. (Ein bloggender Betriebsrat)

Um nicht einzelne BetriebsrätInnen der Geschäftsführung preiszugeben, haben alle unter einem Namen gebloggt. Die Geschäftsführung hat diesen einen allerdings kurz nach Gründung des Blogs mit einer Klage bedroht. (Ein bloggender Betriebsrat)

Bei uns hat die Firmenleitung Hacker bezahlt, um in den passwortgeschützten Bereich des Blogs vorzudringen. (Ein bloggender Betriebsrat)

Stellungnahmen von GewerkschafterInnen:

Wenn die Gewerkschaft heute gegründet werden würde, würden wir uns vermutlich nicht hauptsächlich dem Kommunikationsinstrument der Versammlung hingeben. Ich weiß aber, dass dieses Instrument nach wie vor ein wichtiges ist. Virtuelle Plattformen sind gute Kommunikationsmittel, die aber kein Ersatz sind für gewerkschaftliche Mobilisierung mit persönlichem Kontakt. (Vorsitzender der GPA-djp Wolfgang Katzian)

Die Kommunikation muss bottom-up laufen. Oben haben sie die Definitionsmacht so und so schon qua Amt. Twittern ist unmittelbar, persönlich und auf Augenhöhe. Die Transparenz schafft Glaubwürdigkeit. (Arbeitsrechtler und Online-Redakteur aus Deutschland, Andreas Skowronek)

Bei der Podiumsdiskussion:

Das Web 2.0 als solches zu negieren ist, als wolle man die Zentralalpen wegdiskutieren. (Berater Harald Katzmair)

Die Masse im www, der Schwarm, ist unfähig, eine kollektive Vertretung zu entwickeln. Die Cloud verhandelt nicht. (Berater Harald Katzmair)

Hinweis: Ein Artikel zur Veranstaltung mit dem Titel „Eine Orientierung“ findet sich auch in der Ausgabe Mai 2010 der „Arbeit und Wirtschaft“.

Broschüre ALLZEIT BEREIT

Hier ist sie, die 2009 erschienene und in diesem Blog-Eintrag hier ausführlich besprochene Broschüre zu jener Dimension des Wandels der Arbeitswelt, der mit dem Begriff der „Entgrenzung der Arbeit“ bezeichnet wird.

Passend zum Thema möchte ich auch auf unser Info- und ServiceBlog zu Arbeitsverträgen mit dem gerade laufenden Schwerpunkt zu All-In-Verträgen hinweisen.

► Die Broschüre kann unter arbeitundtechnik@gpa-djp.at bestellt werden.

► Mitglieder der GPA-djp können die Broschüre hier downloaden.

Hier gibt es die Broschüre zur Ansicht:
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Arbeit? Freizeit? Allzeit bereit!

 In der soeben erschienenen Broschüre „Allzeit bereit! Ein Blick hinter das Verschwimmen von Arbeit und Freizeit“ befassen wir uns mit der Flexibilsierung der Arbeit und der Auflösung bisher gewohnter Strukturen in der Arbeitswelt. Diese Entwicklungen, die auch unter dem Stichwort der Entgrenzung der Arbeit (Kurzübersicht Wikipedia) erfasst werden, haben Konsequenzen für nahezu alle Lebensbereiche von der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben (Arbeit und Freizeit bzw. Beruf und Familie) bis hin zur Gesundheit der einzelnen ArbeitnehmerInnen – bersonders in jenen Fällen, in denen Freizeit- und Entspannungsphasen zunehmend zurückgedrängt bzw. eingeengt werden.

Neue Formen der Arbeitsorganisation
Vor allem aber setzen sich aufbauend auf neuen Managementansätzen und technisch unterstützt durch erweiterte Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten neue Formen der Arbeitsorganisation durch. Davon sind Arbeitszeitregelungen genauso betroffen wie die vertraglichen Grundlagen der Arbeit (Dienst- und Beschäftigungsverhältnisse), die Möglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmung ebenso wie jene der Zusammenarbeit der Beschäftigten.

Flexibilität, das heißt, flexibel zu sein, stellt sowohl eine Anforderung als auch einen Bedarf dar.

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