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Klinik der Solidarität

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Auf diesem Blog werden in der Regel Beiträge zu Datenschutz und Kontrolle am Arbeitsplatz veröffentlicht…

…und nun zu etwas ganz anderem:

dieser Beitrag ist ein Spendenaufruf 

für die Klinik der Solidarität.

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Veranstaltungs-Doppelpack

Die Arbeiterkammer Wien widmet sich im Juni gleich in zwei Veranstaltungen dem Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Die Arbeitswelt und ihre Anforderungen an die Beschäftigten haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch gewandelt. Diese Entwicklung schlägt sich auch in den gesundheitlichen Belastungsfolgen nieder.

Um die psychischen Krankmacher in der Arbeit zu erfassen und erstmals die Kosten für die Gesamtwirtschaft festzumachen, hat die Arbeiterkammer Wien eine Studie beim Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und der Donau-Universität Krems (DUK) in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen jetzt vor:

Die psychischen Krankmacher in der Arbeit nehmen dramatisch zu. Psychische Erkrankungen liegen bereits an dritter Stelle bei der Anzahl der Krankenstandstage und sie machen ein Drittel jener Diagnosen aus, die zu einer Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension führen.

Die Studienergebnisse werden am Montag, 11. Juni 2012 um 13:00  im AK-Veranstaltungssaal in der Theresianumgasse 16 präsentiert. Die Einladung zur Veranstaltung

PSYCHISCHE BELASTUNGEN DER ARBEIT UND IHRE FOLGEN finden Sie hier. Anmeldung unter: andreas.stoeger@akwien.at

Kurz darauf, am Dienstag 25. Juni 2012 findet am selben Ort zur (beinahe) selben Zeit eine Veranstaltung zu einem weiteren Stressfaktor am Arbeitsplatz statt:

MOBBING AM ARBEITSPLATZ, RECHTLICHE MÖGLICHKEITEN UND PRAKTISCHE HANDLUNGSANLEITUNGEN, UM DAGEGEN VORZUGEHEN.

Ab 14 Uhr setzen sich ExpertInnen aus der Juristischen Praxis und der Beratungspraxis mit dem Thema auseinander und laden Sie herzlich zur Teilnahme ein. Die Einladung finden Sie hier. Anmeldung unter: andreas.stoeger@akwien.at

viel Vergnügen

Wie geheim ist meine Gesundheit?

arzt1Dr. Daten-schutz berichtet aus der Praxis

 

Die Sachlage:

Eine Arbeitnehmerin hat einen Arzttermin, der sich durch zwei Merkmale auszeichnet: a) liegt er in der Arbeitszeit und b) handelt es sich um einen Termin bei einer Fachärztin, deren Fachgebiet dem Arbeitgeber besser nicht bekannt werden sollte. Es gab bereits unangeheme Vorfälle, wo über eine Kollegin und deren seelische Verfassung eifrig spekuliert wurde, nachdem bekannt wurde, welchen Facharzt sie mehrmals im Monat konsultiert. Es ist in dem Unternehmen aber zugleich vorgegeben, bei jedem Arztbesuch eine Bestätigung desselben zu bringen.

Das Positive:

Es besteht prinzipiell das Recht, Arztbesuche, die sich nicht zu einem anderen Zeitpunkt ausmachen lassen, während der Arbeitszeit zu erledigen. In §8 Abs 3 Angestelltengesetz ist festgehalten:

Der Angestellte behält ferner den Anspruch auf das Entgelt, wenn er durch andere wichtige, seine Person betreffende Gründe ohne sein Verschulden während einer verhältnismäßig kurzen Zeit an der Leistung seiner Dienste verhindert wird.

Das Symptomatische:

ArbeitnehmerInnen befinden sich bezüglich ihrer Gesundheitsdaten oft in einer Zwickmühle. Einerseits liegen die Arztbesuche in der Arbeitszeit, andererseits ist aus der jeweiligen Fachäztin nur unschwer auf eine gewisse Erkrankung rückzuschließen (z.B. Neurologin, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Psychotherapeutin, und Ähnliche).

Insbesondere wenn im Betrtieb Beschäftigte „abgebaut“ werden sollen, werden tendenziell diejenigen um ihren Job gebracht, die als labil gelten, oft beim Arzt sind,…

Vorbeugende Maßnahmen:

Zu diesem häufigen Problem gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten.

  1. Der/die ArbeitnehmerIn verzichtet auf Termine, die in der Arbeitszeit liegen und somit auf die Anrechnung der beim Arzt verbrachten Zeit nach § 8 Abs 3 ANG. Arbeitsrechtler sehen hier durchaus eine Verhältnismäßigkeit gegeben; frei nach dem Motto: „wenns wirklich so wichtig ist, dass es der Arbeitgeber nicht erfährt, dann geh ich eben in meiner Freizeit.“
  2. Der/ die ArbeitnehmerIn gibt die durchaus sensiblen Daten bekannt, indem er/sie die Arztbesuchsbestätigung vorlegt, und hofft darauf, dass die Informationen nicht zu seinem / ihrem Nachteil ausgelegt werden.
  3. Zur Variante zwei gäbe es eine besonders charmante Lösung, die allerdings in den innerbetrieblichen Strukturen verankert werden muss; sprich etwas mehr Aufwand bedeutet: Die Arztbesuchsbestätigung wird in der Personalabteilung vorgelegt, wobei der/ die dort zuständige MitarbeiterIn ausschließlich aufzeichnet, dass die Bestätigung vorgelegt wurde, aber nicht, welcher Facharzt/ welche Fachärztin sie ausgestellt hat.

Wie uns schon die Chaos-Theorie hat wissen lassen:

Es gibt immer mindestens zwei Möglichkeiten.

Welche davon für die Arbeitnehmerin am besten ist, wird sie selbst entscheiden müssen…

 

 

für mehr Psychologie am Arbeitsplatz

tabletten

 

Die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz steigen kontinuierlich. Arbeitsverdichtung, Stress, Burn-Out, Mobbing oder Bossing setzen der Psyche der ArbeitnehmerInnen zu. Immer häufiger müssen Berufsunfähigkeitspensionen wegen psychischer Beschwerden eingereicht werden. Es muss besser vorgesorgt werden, dass es nicht so weit kommt. Prävention am Arbeitsplatz ist gefragt.

 Theoretisch gäbe es im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) die Möglichkeit, ArbeitspsychologInnen in Betriebe zu holen. Im Rahmen der sogenannten „Präventionszeiten“  können die Dienstleistungen von ausgebildeten Fachkräften in Anspruch genommen werden. Namentlich hat der Gesetzgeber dabei an ArbeitsmedizinerInnen und Sicherheitsfachkräfte gedacht – ArbeitspsychologInnen sind eine unverbindliche Empfehlung.

Nun steht eine Novellierung des ArbeitnehmerInnenschutzgeseTzes vor der Türe und das wäre doch DIE Gelegenheit, diesen Mangel zu beseitigen.

 

Die Gesellschaft der kritischen Psychologen und Psychloginnen möchte nun unterstützt von der GPA-djp dafür sorgen, dass die ArbeitspsychologInnen konkret im ASchG verankert werden und ArbeitspsychologInnen im Sinne der Förderung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz eine gesetzlich festgeschriebene Funktion erhalten. In ihrem letzten Rundbrief vom März 2011 schreibt die GkPP:

 

Daher schlagen wir vor, die Arbeitspsychologie als 3. Präventivfachkraft im ASchG fix zu verankern (§83/1). (…) Rechte, Aufgaben und Pflichten müssten analog zu den bestehenden Präventivfachkräften einbezogen werden. Dazu zählen die gemeinsamen Bestimmungen, Aufzeichnungs- und Berichtspflichten, Zusammenarbeitsgebot, Meldung von Missständen, Regelungen zur Abberufung, Mitgliedschaft im Arbeitsschutzausschuss (§§83-88) sowie im Zentralen Arbeitssschutzaussschuss (§88a).  

 Wenn das auch in deinem Interesse ist, kannst du das mit deiner Unterschrift unterstützen.

Bitte sagen sie jetzt nichts

Quelle: Bilderbox

Quelle: Bilderbox

Manche Anliegen der ArbeitgeberInnen zur Datenerfassung sind ja berechtigt, gesetzlich vorgesehen und durchaus  sinnvoll. Zur Lohnverrechnung gehört eine Arbeitszeitaufzeichnung samt Überstunden. Zu einer betrieblichen Gesundheitsvorsorge gehört eine Erfassung, wo genau die Probleme liegen – eine solche Erfassung ist allerdings anonym durchzuführen. Vorgesetzte wollen aber oft personenbezogene Daten, die sie nichts angehen. Soweit die Seite der ArbeitgeberInnen (Näheres dazu auch in den Artikeln „Arbeitgeber, warum hast du so große Ohren“ und „Ich seh ich seh was du nicht siehst„).

Leider werden aber auch von ArbeitnehmerInnen-Seite oft viel zu viele Informationen bereitwillig hergegeben, obwohl es rechtlich gesehen dazu keine Veranlassung gibt.

Och herrjeh, Sie sind krank, was haben Sie denn?

Aha, Sie wollen also demnächst in Pension gehen. An welchen Termin hätten Sie denn gedacht?

Würden Sie mir bitte immer sagen, wo Sie sind, damit ich Sie erreichen kann?

Auf diese und ähnliche Fragen müssen ArbeitnehmerInnen keine Antwort geben!

Leider fühlt man sich mitunter unhöflich oder ist es schlichtweg gewohnt, auf diese „harmlosen“ Fragen zu antworten. Es ist in der Arbeit so üblich, alle tun das eben.

Aus den Antworten kann sich der Chef/ die Chefin einiges über das Privatleben der MitarbeiterInnen zusammenreimen, das ihn/sie nichts angeht. Eine Krankheit ist eine persönliche Angelegenheit. Wann der Pensions- oder Karenzantritt stattfinden wird, muss erst zu einem bestimmten Stichtag bekannt gegeben werden. Es soll schon vorgekommen sein, dass MitarbeiterInnen – natürlich nicht offiziell – aufgrund ihrer Krankheits-Diagnose den Arbeitsplatz verloren haben oder dass eine bevorstehende Gehaltserhöhung aufgrund von Pensionsantritt doch nicht mehr stattgefunden hat. Es wäre daher angebracht, sich in der Kunst des Schweigens zu üben, oder die Antwort höflich aber bestimmt zu verweigern.

Gesundheitsschnüffelei? Nein danke!

Mit der Novelle des Versicherungsvertragsrechts-Änderungsgesetzes (VersRÄG) sollen mehr Gesundheitsdaten der Versicherten für private Versicherer zur Verfügung stehen als bisher. Nicht nur die Leistung, die tatsächlich erbracht wurde, sondern auch die bisherige Krankheitsgeschichte (also per definitionem im Datenschutzgesetz als sensibel deklarierte und somit unter besonderen Schutz gestellte Daten) sollen mit der Gesetzesnovelle legal an Privatversicherer weitergeleitet werden dürfen; natürlich nur mit Zustimmung der Versicherten.

Aber Hand aufs – vielleicht etwas im Rhythmus gestörte – Herz, wer verweigert die einmal gegebene Zustimmung, wenn die daraus folgenden Konsequenzen nicht absehbar sind? „Was? Sie hatten schon einmal einen Herzanfall? Ich glaube, da müssen wir eine leichte Anpassung ihrer Prämie vornehmen.

Damit solche Sätze nicht um sich greifen, hat der ÖGB in seiner Stellungnahme die Gesetzesnovelle heftig kritisiert.