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Sommerliches Sammelsurium

tauchenFalls sich in den Büros der werten LeserInnenschaft gerade ein kleines Sommerloch auftun sollte, ist jetzt die ideale Zeit, in all den Dingen „die man sich immer schon einmal anschauen wollte“ zu schmökern. Eine kleine Auswahl an Tipps zum Schmökern rund um die Themen Privatsphäre am Arbeitsplatz und Digitalisierung der Arbeitswelt ist hier zusammengestellt.

eine Literatur-und-Link-Mixtur

Wer bislang immer nur das diffuse Gefühl hatte, dass der private fahrbare Untersatz aus mehr Bestandteilen zusammengesetzt sind, als aus Motor, Karosserie und Lenkrad, bekommt hier eine Bestätigung. Der kurze Infofilm des deutschen Automobilclubs zeigt Autohersteller als Datensammler. Passend zur Reisezeit.

Wer sich für die ganz normale Überwachung in unser aller Alltag interessiert und wissen möchte welche Firmen welche Praktiken betreiben, erhält detailreiche Schilderungen in einer Studie der Arbeiterkammer Wien, die

Wer wissen möchte, wie die Bewertung von Kreditwürdigkeit in Zeiten von Big Data und algorithmenbasiertem Scoring funktioniert, kann sich diese Studie der Arbeiterkammer Wien mit an den Strand nehmen.

Wer gerne den Überblick auf europäischer Ebene hat und wissen möchte, welche Meinung zu Datenschutzthemen in welchen EU-Ländern verbreitet sind, kann sich durch den Eurobarometer 2015 blättern – eignet sich auch gut zur Vorbereitung von Referaten.

Wer sich immer schon gefragt hat, was diese ganzen seltsamen Begriffe im österreichischen Datenschutzgesetz bedeuten, kann im Lexikon des Bundeskanzleramtes nachschlagen.

Für jene, die sich für die ganz reale Arbeitswelt bei Google interessieren, hat der Filmemacher Andrew Norman Wilson eine aufschlussreichen Kurzfilm gedreht – länger ging nicht; er wurde aufgrund seines (verdeckten) Filmprojekts entlassen. Ist bei Google wirklich die schöne neue Arbeitswelt ausgebrochen? Wohl eher nicht – zumindest nicht für die gering qualifizierten ArbeitnehmerInnen.

Viel Spaß mit dem sommerlichen Potpourri!

EuGH erkennt „Recht auf Vergessenwerden“ an

151254_Papierschnitzel_NahaufnahmeWer kennt nicht den Satz: „Das Internet vergisst nichts“. Diese Aussage wurde durch das sog. „Google-Urteil“ des EuGH relativiert, in dessen Rahmen der Gerichtshof unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch des/r Betroffenen auf Löschung seiner/ihrer personenbezogenen Daten gegenüber dem Betreiber einer Suchmaschine festgeschrieben hat. Damit wird erstmals das – von DatenschützerInnen seit langem geforderte – „Recht auf Vergessenwerden“ (gerichtlich) anerkannt. Diese Entscheidung hat jedoch auch Kritik – vor allem in Bezug auf seine Praktikabilität und Durchsetzungsfähigkeit – erfahren.

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saftige Strafen für google

118366David gegen googliath

Die Datenschutzbehörden in Spanien und Frankreich haben den Konzern „Google“ verurteilt, weil er die nationalen Datenschutzgesetze nicht einhält. Einer der Hauptanklagepunkte ist die gegenseitige Datenweitergabe und Datenauswertung zwischen den verschiedenen google-Dienste (GoogleSearch, YouTube, Gmail, Picasa, GoogleDrive, GoogleDocs, GoogleMaps etc.). Außerdem hält google die Rechte der Betroffenen nicht ein, weil der Konzern ihnen Auskunft und auch Löschung verweigert.

2012 stellte die Artikel-29-Datenschutzgruppe bereits fest, dass die neuen Privacy-Bestimmungen von google gegen die europäische Datenschutz-Richtlinie verstoßen. Trotz Änderungsvorgaben an google seitens der Datenschutzgruppe, blieb der Konzern untätig. In sechs Ländern wurden daraufhin die Datenschutzbehörden aktiv und leiteten Mahnverfahren gegen google in die Wege. Am 19. 12. 2013 verhängte eine der sechs tätig gewordenen Behörden, die spanische Datenschutzbehörde (AEDP), eine Geldbuße von 900.000€. Am 3.1.2014 folgte die französische Behörde (CNIL) mit 150.000€, ihrem Höchstsatz.

Google wird Beschwerde einlegen.

den Speicherplatz nicht wert, auf dem sie abgelegt sind?

Die Angelegenheit zeigt deutlich, dass unternehmensinterne Vorgaben, Richtlinien, Privacy Statements, Codes of Conduct, Selbstverpflichtungen und Ähnliches wenig dazu beitragen, die Rechte Betroffenen tatsächlich zu garantieren. Meist sind sie mehr schöne Worte als nützliche Hilfsmittel um Persönlichkeitsrechte durchzusetzen.

Die Angelegenheit zeigt auch, dass sich zumindest einige EU-Länder in Sachen Datenschutz nicht mehr auf der Nase herumtanzen lassen – auch nicht von Internet-Riesen mit einer de-facto Monopolstellung am europäischen Markt.

Warum geht das in Österreich nicht?

Weil die staatliche Datenschutzbehörde (DSB) nicht für Strafverfahren zuständig ist. Sie kann Sachverhalte allenfalls an Gerichte erster Instanz weiterleiten, urteilt aber nicht selbst. Mit 2014 wurde im Zuge der Verwaltungsreform die österreichische Datenschutzbehörde umstrukturiert. Mit der bevorstehenden europäischen Grundverordnung für den Datenschutz wird es ebenfalls Änderungen geben. Mal sehen, wie die Befugnisse der Behörde dann aussehen.

„prism“ und der neue Trend zur alternativen Suchmaschine

sucheund welcher Suchmaschine vertraust du?

Nicht erst seit dem Aufdecken großzügiger Datenweitergabe von Internet-Konzernen an die US-Behörden und Enthüllungen rund um das Spionagewerkzeug „prism“ stellen sich der und die kritische Internet-UserIn die Frage:

wenn ich ihn nicht auf googel googel,

wo find ich dann den Kern des Pudel?

Immer häufiger fragen sich Menschen, die sich im Internet bewegen, ob hier ihre Privatspäre tatsächlich geschützt ist. Immer mehr Menschen würden gerne bessere Informationen darüber erhalten, welche ihrer Aktivitäten aufgezeichnet, weiterverwendet, verkauft werden.

Zuerst die gute Nachricht: Es gibt sie wirklich – die Suchmaschinen, die weniger Markt beherrschend sind, die weniger Werbung mitschicken, die keine coockies setzen und somit die suchenden NutzerInnen nicht verfolgen.

Nun die mittelgute Nachricht:  Selbst wenn eine dieser alternativen Suchmaschinen zum Einsatz kommen sollte, so ist diese dennoch von Menschen mit wirtschaftlichen Interessen zur Verfügung gestellt. Der Grundsatz

wenn du für das Produkt nicht zahlst, dann bist du das Produkt

könnte also auch beim Einsatz alternativer Suchmaschinen seinen berechtigten Aufenthaltsort im Hinterkopf behalten.

Alternative Suchmaschinen mögen weniger schnell sein, weniger nach den persönlichen Interessen vorfiltern oder andere „Nachteile“ haben, aber ihnen eine Chance zu geben, ist allemal einen Versuch wert.

Hier eine kleine Sammlung, welche Alternativen möglich sind (bing, Yahoo! & Co. wurden ausgeschlossen, weil sie ebenfalls zu Internet-Konzernen zählen):

die Suchmaschine duckduck.go ist eine der bekanntesten auf dem „ich-will-nicht-googeln-Sektor“. Gegründet 2006 vom US-Amerikaner Gabriel Weinberg, arbeitet die Suchmaschine indem sie  Ergebnisse aus viel besuchten Quellen (u.a. wikipedia, große Suchmaschinen) abgleicht und diese dann vorschlägt. Es wird keine Abfrage nachverfolgt und kein coockie hinterlassen, wenn man das nicht möchte.

Optisch stark an den Marktbeherrscher google angelehnt, im Gegensatz zu ihm aber mit dem EuroPriSe Datenschutzsiegel ausgezeichnet, ist die Suchmaschine ixquick. Die Suchmaschine gibt es seit 1998. Sie wurde von David Brodnick in Holland entwickelt  und ist Mittlerweile an eine us-amerikanisch/holländische Firma verkauft (Surfboard Holding B.V.). Ixquick kann 18 Sprachen, zeichnet keine NutzerInnen-Daten auf und finanziert sich über Werbung.

Mit dem Nachhaltigkeitsgedanken wirbt die Suchmaschine Ecosia. Wer hier sucht und Werbung anklickt, spendet gleichezitig für den Regenwald. „Powered by“ bing und Yahoo!, den zusammengeschlossenen Suchmaschinen im Microsoft-Konzern.

Viel Spaß beim googlen – äh suchen!

google und der Datenschutz

 – geht das zusammen?

Der Internet-Riese Google – mitunter auch als DAS wichtigste Unternehmen der Welt betitelt – hat sich mit Anfang März neue Richtlinien verpasst. Mit dieser neuen privacy policy sollen Daten aus allen google-Anwendungen (z.B. gogglemaps, google+, googlenews, …) miteinander vernetzt werden.

Kostprobe gefällig?

Am 1. März 2012 haben wir unsere Datenschutzerklärung und unsere Nutzungsbedingungen geändert. Die mehr als 60 verschiedenen Datenschutzbestimmungen für die unterschiedlichen Google-Produkte wurden durch eine zentrale, kompaktere und verständlichere Version ersetzt. Wir möchten Ihnen eine unkomplizierte und intuitive Nutzung der Google-Produkte bieten.

Ganz intuitiv werden dann auch die persönlichen Angaben aus allen google-Anwendungen miteinander verknüpft – „maßgeschneidert“ sozusagen. Diese neuen „Datenschutzbestimmungen“ widersprechen laut einem Gutachten der französischen Datenschutzbehörde, das von der Artikel-29-Datenschutzgruppe angeregt wurde, der (noch) geltenden europäischen Datenschutzrichtlinie.

Auch das österreichische Datenschutzgesetz versteht unter „eindeutiger Zustimmungserklärung für den konkreten Einzelfall“ oder „Datensparsamkeit“ und „Daten dürfen nur für eindeutige Zwecke verwendet werden“ etwas anderes, als in den neuen google-Bestimmungen enthalten ist.

Die NGO „Qintessenz“ empfiehlt daher beim Googeln:

Fünf einfache Schritte zu mehr Privatsphäre :

1. Im Google Konto einloggen

2. Auf https://www.google.com/history gehen

3. „Webprotokoll ist aktiviert.“ auf „pausieren“ klicken

4. Auf „Gesamtes Webprotokoll entfernen“ klicken

5. Bestätigen „Webprotokoll wurde angehalten.“

Auch bei abgeschalteter Webhistory werden von Google weiter Daten über uns Nutzer gesammelt. Diese werden jedoch nicht mit anderen Diensten verknüpft und müssen nach 18 Monaten teilweise anonymisiert werden.

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, soll es an dieser Stelle nochmals ins Gedächtnis gerufen werden:

Auch andere Anbieter haben schöne Suchmaschinen. 

 

Internettelefonie – Voice over IP

Voice over IP (VoIP), also das Telefonieren über das Internet, ist auf dem Vormarsch und wird eine „Veränderung unserer Kommunikation bewirken, indem es Sprache, Daten und Video auf der Basis des Internet zusammenbringt.“ (VoIP – Telefonieren übers Internet. Handlungshilfe für die betriebliche Interessenvertretung, S. 5.) Als eines der ersten breitflächig angewandten Tools in diesem Zusammenhang, hat Skype massiv in den bisher bekannten Umgang mit Telefonie eingegriffen – insbesondere aufgrund des kostenlosen Angebots für Skype-to-Skype-Gespräche.
Abgesehen von der privaten Nutzung gewinnt auch der Einsatz dieser Telefonietechnik im betrieblichen Kontext immer mehr an Bedeutung bzw. ist in einer Reihe von Betrieben bereits technischer Standard.
Eigentlich ist es keine Überraschung, dass auch Google seine bisherigen Angebote in diesem Bereich ausbaut und soeben mit einem „Gmail Voice and Video Chat“ aufhorchen lässt, der kostenlos in das Google-Emailangebot (Gmail) integriert ist. Mit der „Google-VoIP“ soll verstärkt auch die Zielgruppe der Unternehmen angesprochen werden.
Aus der Sicht des Datenschutzes ergibt sich gerade beim Einsatz dieser neuen Telefonietechnik in Betrieben besonderer Regelungsbedarf, da bei der Nutzung von VoIP eine Reihe personenbezogener Daten gesammelt werden und die Beschaffenheit der Technologie damit neuartige Möglichkeiten der Kontrolle von MitarbeiterInnen beinhaltet.

„Kann heute kein Unternehmen mehr die ungeprüfte, unkontrollierte E-Mail Nutzung garantieren, so wird in Zukunft auch das private Telefongespräch am Arbeitsplatz kaum mehr möglich sein. Das reduziert den Bereich, in dem die Beschäftigten in ihrer Kommunikation unbeobachtet, unkontrolliert bleiben.“ (VoIP – Telefonieren übers Internet. Handlungshilfe für die betriebliche Interessenvertretung, S. 5.)

[Eintrag aus gegebenem Anlass – verstärkte Beratungsnachfrage – übernommen vom „Daten im Betrieb“-Blog.]