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Update zur Sammelklage gegen Facebook

137096_Richterhammer_und_TastaturWie im blog-Beitrag vom 22.9. versprochen, folgend eine kurze Zusammenfassung des weiteren Verlaufs der Klage. Vorweg zur Erinnerung: Im August diesen Jahres hat der Initiator von „Europe versus Facebook“, Max Schrems, beim Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen eine Klage gegen die irische Tochter des us-amerikanischen Unternehmens eingebracht. Diese Klage entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur größten Datenschutzsammelklage in Europa, da über 25.000 UserInnen aus über 100 Ländern ihre Ansprüche an den Kläger abtraten. Weitere 50.000 Facebook-NutzerInnen haben sich seither für einen etwaigen Folgeprozess registriert.
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Maulkorb oder Meinungsfreiheit?

wenn der Chef dich surfen lässt

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

 In manchen Firmen werden MitarbeiterInnen entlassen, weil sie während der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken unterwegs sind. In anderen Firmen werden MitarbeiterInnen dazu aufgefordert in der Arbeitszeit – und nach Möglichkeit doch bitte auch darüber hinaus – in Social Media aktiv zu sein.

die Beschwerden

Ein Betriebsrat lässt seinem Ärger freien Lauf: „Stell dir vor, dieser Junior-Chef will, dass wir jetzt alle ins Facebook gehen. Da schreibt der einfach so Guidelines, schickt die an alle aus und wir sollen jetzt für unsere Firma Werbung machen im Netz. Schau dir diese Guidelines bitte durch. Ich möchte wissen: geht das so einfach?“

Bei der konkreteren Durchsicht des Papiers finden sich interessante Wünsche:

  • Die MitarbeiterInnen sollen die vorliegenden Richtlinien in ihren privaten Social-Media-Netzwerken beachten. Also bei den Postings auf der Fußballvereins-Page bitte schön auf die unternehmensinternen Richtlinien achten?
  • Die Beiträge sollen aktuell, freundlich und in einem persönlichen Schreibstil abgefasst sein, der sich eindeutig von dem der Presseabteilung unterscheidet. Über Politik oder Religion soll nicht gepostet werden. Also bitte keine Postings auf Seiten von politischen Parteien oder gar der Gewerkschaft, weil das hat ja mit der Arbeit nichts zu tun?

das Symptomatische

Viele Betriebe sind mit eigenen Auftritten in Social Media Netzwerken präsent. So wie die Homepage mittlerweile Standard für die meisten Betriebe ist, so versucht jeder Betrieb, der „am Puls der Zeit“ sein möchte, einen eigenen Social-Media-Auftritt. Eine eigene Beratungs-Nische hat sich gebildet, die zum Social-Media-Auftritt berät und diesen für andere Firmen konzipiert. Man verspricht sich von Social Media näher an den KundInnen und GeschäftspartnerInnen zu sein, neue Vertriebskanäle zu erschließen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, eine stärkere KundInnenbindung, u.s.w.. Werden genug Anreize gesetzt (z.B. Gewinnspiele, Gratis-Bons,…) funktioniert das auch ganz gut und es können jede Menge Zugriffe auf diese Plattformen verzeichnet werden.

die Medikation

Die Verwendung von Social Media berührt mehrere mitbestimmungspflichtige Punkte:

  • ERSTENS: Kontrollmaßnahme, die die Menschenwürde berührt nach § 96 ArbVG
  •  AUßERDEM: System zur automationsunterstützten Erfassung personenbezogener Daten nach §96a ArbVG
  • UND EVENTUELL: Benutzung von Betriebsmitteln nach §97 ArbVG

und ist daher mit einer Betriebsvereinbarung zu regeln – sinnvoller Weise in Verbindung mit der BV zu Email- und Internetnutzung. Da bei Social-Media-Anwendungen die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem sehr unscharf gezogen sind, müssen hier eigene Regelungen geschaffen werden. 

Oberster Grundsatz: die Beteiligung am Web 2.0 für MitarbeiterInnen, deren Arbeitsvertrag keine Medienarbeit umfasst, ist freiwillig. Falls sich jemand dazu bereit erklärt,

empfiehlt Dr. Datenschutz folgende Punkte mittels BV zu klären:

  • welche Web 2.0-Kanäle sollen bespielt werden? vom Unternehmen eigerichtete oder private Plattformen?
  • wieviel soll gepostet werden? wieviel Arbeitszeit soll/darf ins Web 2.0 gesteckt werden?
  • was geschieht, wenn diese Arbeitsaufgabe nicht mehr erfüllt werden sollen? wem „gehören“ die ganzen AbonenntInnen / Follower / FreundInnen / etc. wenn z.B. der Arbeitsplatz gewechselt wird?
  • welche Gegenleistung gibt es dafür? (und da ist nicht nur ein feuchter Händedruck gemeint)

Das sind nur einige Fragen, die geklärt gehören, bevor sich MitarbeiterInnen im Interesse des/der Arbeitgebers/-in in Social Media betätigen. Dr. Datenschutz sagt:

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Social Media lesen sie die Betriebsvereinbarung und fragen sie ihreN BetriebsrätIn und/oder ihre Gewerkschaft.

 

Firmen-Laptop oder doch privates tablet?

Diese Frage stellt sich immer häufiger bei der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Arbeit – oder auch außerhalb. Der eigene tablet ist halt doch leichter zu transportieren als der Schlepptop aus der Firma und schneller ist er auch. Das eigene Smartphone hat brauchbarere Apps als das Firmen-Handy, auf das man meist gar nichts raufspielen darf. Der private twitter-account eignet sich hervorragend für die rasche und unbürokratische Kunden-Kommunikation.

Wie der Standard berichtet, hat eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Accenture ergeben, dass 58% der deutschen Angestellten lieber ihre privaten Mittel als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten nutzt, um Arbeitsaufgaben zu erledigen. Weltweit sind es sogar noch mehr ArbeitnehmerInnen, die private Arbeitsmittel bevorzugen, was auf der Plattform von golem.de eine interesante Diskussion ausgelöst hat. Österreich wird sich in Bezug auf Privatnutzung von Arbeitsmitteln vermutlich nicht stark von den deutschen Nachbarn unterscheiden. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Beratungsunternehmen natürlich gerne Gefahren aufzeigt, um KundInnen zu gewinnen, so ist dieser Trend offenbar existent.

die Grenze beruflich-privat verschiebt sich

Stand bislang vor allem die Privatnutzung von Betriebsmitteln im Fokus der Aufmerksamkeit, so sollte sich das rasch ändern, wenn man die Arbeitsrealität nicht aus den Augen verlieren möchte. Es geht also nicht mehr darum, ob das Arbeitshandy privat verwendet werden darf, sondern darum, ob das Privat-Smartphone für Arbeitsaufgaben genutzt werden „darf“.

Aus Sicht der Untenehmen ergibt sich daraus das Problem mit der Datensicherheit, weil die privaten Geräte leichteren Zugriff von außen erlauben – so die Argumentation. Das Sicherheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen beschränkt das Freiheitsbedürfnis bezüglich der Wahl der Arbeitsmittel seitens der ArbeitnehmerInnen. Bei dieser Debatte stehen immer die Technologie und ihre „Sicherheit“ bzw. deren Kosten im Vordergrund. Die Arbeit geht schneller voran, die MitarbeiterInnen sind zufriedener, die Virenattacken sind häufiger und die IT-Abteilung verzweifelt zusehends. Es geht also um das Abwägen zwischen Interessen der Firma und der der ArbeitnehmerInnen.

so what?

Der Einsatz von Technologie kann zu einer win-win-Situation werden, wenn die ArbeitnehmerInnen mit den von ihnen gewünschten Mitteln die vom Arbeitgeber gewünschten Ziele erreichen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Was bei dieser Diskussion außer Acht gelassen wird, ist, dass bei dieser Nutzung von privater IKT für Arbeitszwecke auch „Lose-Situationen“ für ArbeitnehmerInnen entstehen. Rechtlich ist für die Privatmittel keine Haftung vorgesehen. Wer repariert die privat gekauften Arbeitsmittel? Wer zahlt die Zeit, die für ihre Anschaffung und Wartung eingesetzt wird? Welche technischen Kenntnisse muss sich der/die ArbeitnehmerIn privat aneignen und welche werden in vom Arbeitgeber bezahlten Schulungen vermittelt? Ist das Verwenden der privaten Ressourcen und des privaten Wissens ein Darf, ein Kann oder ein Muss? Wo hört Arbeit auf und wo beginnt privat?

Liebe BetriebsinhaberInnen, gebt doch euren MitarbeiterInnen die IKT, die sie verdienen – das ist die wahre win-win-Situation. Dann haben sie Freude an der Arbeit, weil das Verwenden technisch ansprechender Infrastruktur kann durchaus Freude bereiten. Dann arbeiten sie auf dem neuesten technischen Stand. Und dann seid ihr von Viren-Attacken verschont. Und ihr seid verschont von MitarbeiterInnen, die kein Privatleben mehr kennen.

Und last but not least ein überlegenswerter Tipp: Vielleicht doch eine BV statt zur „Privatnutzung von Betriebsmitteln“ zur „Arbeitsnutzung von Privatmitteln“?

 

how to manage Social Media am Arbeitsplatz

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was am sbsm-Camp geschah

Ein Workshop des Camps „Soziale Bewegungen Soziale Medien“ setzte sich mit der Nutzung von Social Media im Arbeitsverhältnis auseinander. Gemeinsam haben Betriebsrätinnen, Betriebsräte und Interessierte erarbeitet, welche Regelungen hier sinnvoll wären. Wertvolle Tipps aus der Praxis von IT-Verantwortlichen, Angestellten in Rechts-oder in PR-Abteilungen haben zu einem bereichernden Austausch beigetragen.

Nachdem geteiltes Wissen über die wesentlichen Rechtsgrundlagen und die dazu gesprochenen Gerichtsurteile hergestellt  war, wendeten wir uns dem spannenden Thema zu, wie Regelungen zur Social Media-Verwendung in Unternehmen nun tatsächlich aussehen könnten.

Viele BetriebsrätInnen berichteten, dass bestimmte Social Media Anwendungen häufig gesperrt werden. Die Privatnutzung ist zwar bei fast allen Anwesenden erlaubt, der Zugang zu beispielsweise Facebook ist in einigen Betrieben allerdings nicht uneingeschränkt möglich, sondern nur in bestimmten Abteilungen (z.B. Personalabteilung) vorhanden.

Eine Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass (unter anderem) folgende Themen in einer Social-Media-Vereinbarung geregelt werden müssten:sbsm3

  • Umfang und Ziel der Nutzung
  • Freiwilligkeit, wenn Social Media von der Geschäftsführung forciert wird
  • Umfang der Auswertungen, keine Leistungs- und Verhaltenskontrollen
  • Zugriffsmöglichkeiten, wer darf was sehen und auswerten?
  • Vertretungsregelungen, es kann immer mal sein, dass jemand unvorhergesehen ausfällt und wer darf dann Einsicht nehmen?
  • Schulungen für die MitarbeiterInnen und Sensibilisierung im Umgang mit privaten und beruflichen Informationen

Damit das auch tatsächlich passiert, muss sich der Betriebsrat/die Betriebsrätin mit seinen/ihren Mitbestimmungsrechten einbringen. Nur allzuoft werden die Regelungen einseitig von der Unternehmensleitung (die weit weit weg in den USA sitzen kann) gestaltet und die betriebliche Mitbestimmung wird außer Acht gelassen.

Abschließend möchte ich das Zitat einer Teilnehmerin aus dem Gedächtnis wiedergeben, da es meines Erachtens die Situation sehr treffend zusammenfasst:

Social-Media-Regelungen sollen den Beschäftigten Sicherheit im Umgang mit Social Media geben. Diese Sicherheit kann nur dann entstehen, wenn Konsistenz und Konsequenz im Handeln vorliegt.

 In diesem Sinne wäre es angesagt, sich in Konsistenz und Konsequenz zu üben, Regelungen nicht permanent umzuwerfen, neu zu definieren und auszulegen, einmal dies und einmal das damit zu meinen und so zu einer allgemeinen Verunsicherung beizutragen und stattdessen Social Media als das zu nehmen, was es ist:

eine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, so wie viele andere auch.

wenn die ka facebook ham…

…dann geh i wieda ham

 

Social Media ist bei vielen Menschen fixer Bestandteil der alltäglichen Kommunikation; sei es der Tratsch mit FreundInnen auf Facebook und google+, das gemeinsame Sehen von Fotos und Hören von Musik, das (Ver-)Kaufen von gebrauchten Dingen auf e-bay oder willhaben, etc. etc. Social Media bietet die gesamte Palette an Kommunikationsmöglichkeiten und -inhalten.

Und weil der Mensch auch in der Arbeit nicht gern in eine völlig andere Rolle schlüpft, hat er auch am Arbeitsplatz gerne seine gewohnten Kommunikationskanäle zur Verfügung – wie unlängst im Cisco Connected World Technology Report 2011 festgestellt wurde. Für diesen Report wurden ca. 2.800 StudentInnen und BerufsanfängerInnen zwischen 18 und 29 Jahren in 14 Ländern befragt, welche Bedeutung Soziale Netzwerke für sie haben.

Nun mag es nicht verwundern, dass bei der Befragung eines Technologie-Konzerns herauskommt, dass neue Technologien für junge Menschen wichtig sind, einige Ergebnisse sind dennoch richtig erstaunlich:

  • 33% der Befragten sind mit ihren KollegInnen über Social Media vernetzt
  • 32% möchten ihr Privatleben nicht mit dem Arbeitsleben via Social Media verbinden
  • 68% der Beschäftigten folgen entweder ihren Chefitäten oder KollegInnen per twitter
  • 29% möchten nicht in einem Unternehmen arbeiten, dass Social Media verbietet

ArbeitgeberInnen bitte einsteigen – der Zug in Richtung Social Media (SM) fährt ab.

Wenn junge qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen arbeiten sollen, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen und motiviert sind, wäre es vielleicht doch eine Überlegung wert, SM in der Arbeit nicht völlig zu verbieten.

Es sei jedoch nicht verschwiegen, dass die ungehemmte Nutzung auch Gefahren birgt, wie der Report ebenso feststellt:

  • 84% werden von Social Media bei ihrer Arbeit mindestens einmal pro Stunde unterbrochen – und 12 % werden dadurch laut ihren eigenen Angaben von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt

Nicht nur nutzen lassen, sondern die Nutzung auch gemeinsam entsprechend den betrieblichen Anforderungen so regeln, dass eine positive betriebliche Kultur mit aktiv gelebtem Datenschutz bei gleichzeitiger Techniknutzung entsteht (wie es beispielsweise im diesem Blog in einem Beitrag bezüglich Betriebsratsblog oder in einem weiteren Beitrag zur unternehmensseitigen Nutzung vorgeschlagen wird) – das wäre die ideale Lösung für die Verwendung von Social Media am Arbeitsplatz.

VÖGB-Verlag and GPA-djp proudly present:

#sbsm

Soziale Bewegungen Soziale Medien – das Camp

wird es ein Buch? wird es eine Website? wird es ein Wiki? wird es ein Blog? Sehen und sprechen wir uns dort so richtig real und in echt? Es wird….

alles zusammen.

am 19. und 20. Oktober 2011 ist es im „Catamaran“ der ÖGB-Heimat in 1020 Wien so weit. Workshop-OrganisatorInnen, Referate-HalterInnen, sich selbst gegründet haben werdende Diskussionszirkel-TeilnehmerInnen und WandererInnen zwischen den Angeboten werden sich aus mehreren Teilen Europas zusammenfinden, um sich zu Fragestellungen rund um SocialMedia (aka Web 2.0) auszutauschen.

Willst du genaueres wissen dann lies auf der Website von „Soziale Bewegungen Soziale Medien

und willst du noch genaueres wissen, dann komm selber hin!

Das Ende der Sagen und Mythen

teilnehmerinneneine Nachlese

In Kooperation zwischen Arbeiterkammer Wien und der GPA-djp fand am 6. Juni 2011 die Veranstaltung „Sagen und Mythen rund um das Intenet am Arbeitsplatz – ArbeitnehmerInnen im Spannungsfeld zwischen Privatsphäre und Kontrolle“ im Hörsaal der Technisch-Gewerblichen Abendschule der Arbeiterkammer statt. Die warmen Außentemperaturen und die etwas spätere Stunde hielten Interessierte nicht davon ab, sich die Vorträge und Podiumsdiskussion anzuhören.

dworaDwora Stein hat die Veranstaltung mit den Worten eröffnet:

Zuerst dachte ich, dass ich nicht die Richtige bin, diese Veranstaltung zu eröffnen, weil ich mich mit dieser Technologie überhaupt nicht auskenne.

Dwora Stein outete sich als „leidenschaftliche Blackberry-Userin“, die aber keine Ahnung habe, wie genau die Technologie für dieses Gerät funktioniert. Und schließlich kam sie zu der Überzeugung, dass sie gerade deshalb eine passende Gastrednerin wäre, weil sie mit ihrer mangelnden Fachkenntnis sicher nicht alleine steht und es genau darum gehe in dieser Veranstatlung, die Sagen und Mythen zu hinterfragen.

podiumMit einem Redebeitrag von Manfred Kleinert über die technische Funktionsweise des Internets und die Auswertungsmöglichkeiten des Internet-Verhaltens ging es weiter.

Der Administrator ist immer in der Zwickmühle zwischen Arbeitsanweisung und rechtlichen Vorgaben

erzählt Manfred Kleinert aus seiner Berufspraxis als IT-Verantwortlicher.

gerdaÜber eben diese rechtlichen Vorgaben gab Gerda Heilegger von der Arbeiterkammer daraufhin einen Überblick. Insbesondere ihre Ausführungen zur derzeitigen Rechtsprechung wurden vom Publikum mit großer Teilnahme verfolgt.

Aus der Beratungspraxis zieht Gerda Heilegger folgende Schlüsse:

 Gibt es einen Betriebsrat im Betrieb, ist das explizite Verbot der Privatnutzung von Email und Internet seltener anzutreffen. In Betrieben mit Betriebsrat bzw. Personalvertretungen trifft man häufiger auf geduldete oder dezidiert vereinbarte Privatnutzung.

 clara

Der dritte und letzte Redebeitrag wurde von Clara Fritsch beigesteuert, die aus der Beratungspraxis der GPA-djp erzählte. Ihr Resümee:

Betriebsvereinbarungen zur Email- und Internet-Nutzung sind leider nach wie vor Mangelware und die, die es gibt, haben leider oftmals Mängel.

 So werde oftmals darauf „vergessen“, die ArbeitnehmerInnen-Interessen bei den Zielsetzungen dezidiert anzugeben oder passende Zugriffsregelungen auf Mailboxen zu vereinbaren.

Die beiden BetriebsrätInnen Elisabeth Gesierich (Pfizer) und Gerhard Prohaska (Vaillant) geben daraufhin Einblicke in ihre firmeninterne Unternehmenskultur bei der Internetnutzung. Pfizer steht als Beispiel dafür, wie durch Social Media die Grenzen zwischen Privatshpäre und Arbeit immer mehr verschwimmen. Das Unternehmen fordert seit einiger Zeit die MitarbeiterInnen auf, sich auf einem eigenen Forum (natürlich nur positiv) über Pfizer zu äußern. Bei Vaillant ist die Datenschutzkultur besonders geregelt, als die so genannte „interne Datenschutzkommission“ der Firma bei jedem technischen System ihre Zustimmung geben muss. Dadurch ist auch die Internetnutzung vor einem Verbot der Privatnutzung geschützt – die Datenschutzkommission würde das nicht zulassen.

publikumIm Anschluss folgte eine rege Fragen-und-Antwort-Session, die von der Moderatorin Eva Angerler geleitet wurde. Die TeilnehmerInnen wollten besonders zum Thema Datentransfer und Auslagerung von Daten Antworten hören.

 

Die Präsentationen der ReferentInnen sind die Chance für all jene, die nicht dabei waren, sich zu informieren:

  • Manfred Kleinert (Raiffeisen Informatik): Technisches
  • Gerda Heilegger (AK Wien, Abteilung Sozialpolitik): Rechtliches
  • Clara Fritsch (GPA-djp, Abteilung Arbeit & Technik): Betriebliches

Für alle, die dann noch immer Interesse am Thema haben: Im Herbst soll es weitergehen mit unserer AK-GPA-djp-Veranstaltungskooperation zum Thema Datenschutz.

Web 2.0? Social Media? Kamma das essen?

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Nein, natürlich nicht,

aber man kann es sinnvoll in der Arbeitswelt einsetzen.

 

Allerdings ist dieses junge Medium noch nicht so ganz rechtlich einordenbar. Wir versuchen es trotzdem.

 

Zu diesem Zweck bietet die Bildungasabteilung der GPA-djp ihren BetriebsrätInnen (genauer gesagt jenen, die schon den Grundkurs genossen haben) einen Workshop zum Thema Web 2.0 an. Gestalten werden den Tag die Juristin Dr.in Gerda Hörhahn-Weiguni aus der GPA-djp Bundesrechtsabteilung und der Soziologe Mag. Thomas Kreiml, der zum Themenkreis Social Media jede Menge Expertise und praktische Erfahrungen einbringen wird.

Termin: Dienstag, den 26. April 2011 (Beginn: 09:00 Uhr – Ende: 16:30 Uhr)

Ort: AK  Bildungszentrum, 1040 Wien Theresianumgasse 16-18 (Schulungsraum 28)

Anmeldung: kamma online allerdings leider nur mehr auf einer Warteliste (sorry)

Ver[www]irrt im Social-Media-Wald?

wald

 

die österreichischen Betriebe und das Web 2.0

Die WKO hat kürzlich die Ergebnisse einer von ihr im Jänner 2011 durchgeführten Studie zur Nutzung von Social Media durch österreichische Betriebe präsentiert:

 

  • 48 % sind insgesamt in Sozialen Medien unterwegs. (2010 waren es 39%.)
  • Die Hitliste unter den Web 2.0-Anwendugnen wird angeführt von Facebook (77 %). 
  • Den zweiten Platz nimmt  Xing ein, das von 56 % genutzt wird.
  • 24 % twittern.

Es ist also ein rasch wachsender Anteil von ArbeitnehmerInnen mit Social-Media konfrontiert. Sei es, weil sie für die Firma Beiträge in Sozialen Netzwerken veröffentlichen, weil sie als Personalverantwortliche dort nach Informationen über – zukünftige oder derzeitige – MitarbeiterInnen suchen oder weil sie als BewerberInnen durchleuchtet werden.

Was genau die Unternehmen im Social-Media-Wald suchen, wissen sie allerdings selbst nicht so genau. Dazu meint Dr. Gerhard Laga, Leiter des E-Centers der WKO, in einer Aussendung der WKO:

Bei allem Eifer, den Österreichs Unternehmen in sozialen Medien an den Tag legen – bei der Frage nach dem Nutzen dieser Bemühungen herrscht teilweise noch Orientierungslosigkeit. So sehen 41 Prozent der befragten Unternehmer den Nutzen ihres Engagements für ihr Geschäft nicht konkret.

WKÖ-Generalsekretär Herwig Höllinger schlägt bei der Pressekonferenz zu den Studienergebnissen den Unternehmen im Umgang mit Web 2.0 vor:

Unternehmer, die in Social Media einsteigen wollen, sollten sich zunächst überlegen, welche Ziele sie mit der Nutzung sozialer Netzwerke verfolgen und erst danach ihre Mitarbeiter schrittweise in diese Aktivitäten einbeziehen.

Immerhin 22% der Unternehmen, die Social Media nutzen, regeln die Verwendung in eigenen Guidelines. Wir als ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretung würden uns wünschen, dass solche Guidelines in Kooperation mit der Belegschaft und dem Betriebsrat / der Betriebsrätin erstellt werden. Damit sind viele Vorteile verbunden:

  • Es können so deren Erfahrungen mit Social Media – die bisweilen reicher sind als die der Geschäftsführung – mit einfließen. Das bestehende Wissen der Beschäftigten wird so sinnvoll genutzt.
  • Die Akzeptanz und damit Einhaltung der Richtlinien ist vermutlich größer, weil sich Beschäftigte mit den von ihnen erarbeiteten Inhalten identifizieren.
  • Die Dos und Don’ts in Sozialen Netzwerken werden abgestimmt auf die betriebliche Notwendigkeit von denen, die direkt davon betroffen sind.

Anregungen, wie solche Guidelines / Richtlinien / Corporate Binding Rules / Social Media Policies aussehen können, finden sich in diesem Blog unter: „Guidelines statt Gesetze„, „Regelungserfordernisse“ oder auch in der Broschüre „ver[www]irrt, vernetzt verraten„.

Viel Erfolg beim Aushandeln von entsprechenden Guidelines und Betriebsvereinbarungen (denn Social Media ist ein „System zur Ermittlung, Verarbeitung und Übermittlung von  personenbezogenen Daten“ und ist somit nach §96a Arbeitsverfassungsgesetz mitbestimmungspflichtig).

Guidelines statt Gesetze?

wie sich die Unternehmen das mit dem Web 2.0 vorstellen

Quelle: Bilderbox

Quelle: Bilderbox

Immer mehr Unternehmen haben Web 2.0-Anwendungen (z.B.: Blog, Facebook, Flikr, Twitter, Wiki, Xing, Youtube)  als Marketing-Strategie entdeckt. Laut einer Umfrage in Deutschland sollen es bereits drei Viertel der Betriebe sein, wo das Web 2.0 als bedeutendes Instrument betrachtet wird. 

Die Produkte und Dienstleistungen wirken durch Auftritte in diversen Web 2.0-Foren authentischer, unverfälschter, weil die Inhalte von den NutzerInnen kreiert wurden und nicht von der Marketingabteilung. Da nur ein lebendiges, transparentes, aktuelles Web 2.0 seine Wirkung tut, kann es keine aufwendige one-(wo)man-show mehr sein, die langfristig konzipiert, von mehreren Hierarchieebenen abgesegnet und dann mit aufwendigem Layout der Öffentlichkeit präsentiert wird. Web 2.0 funktioniert anders, braucht viele AutorInnen, schnelle und persönlich gefärbte Beiträge.

Mittels Web 2.0 kann ein direkter, quasi privater Zugang zu den (potentiellen) KundInnen geschaffen werden.

Dass diejenigen, die das Web 2.0 im Unternehmen mit Inhalt füllen, mitunter auch die sind, die im Unternehmen arbeiten, also vom Unternehmen abhängig sind, sieht man ja nicht. Die Web 2.0-Charakterisitka tragen dazu bei, dass es mittels Gesetzgebung nicht leicht zu fassen ist (namen- und zahllose AutorInnen, schnelle Änderungen). Dazu kommt, dass auch die technischen Features mancher Web 2.o-Anbieter permanent erneuert werden.

(Kürzlich wurde beispielsweise eine Facebook-Gruppe gegründet, bei der die Mitglieder per klick nicht lediglich eingeladen wurden, sondern per klick gleich als Gruppenmitglieder von Dritten hinzugefügt wurden – eine eher bedenkliche Form der Gruppengründung).

Firmen sind also dazu übergegangen, Richtlinien für die  Nutzung solcher sozialen Netzwerke zu schaffen; das Unternehmen darf nicht negativ beurteilt werden, bestimmte Begriffe dürfen nicht verwendet werden, man solle sich doch bitte freiwillig an der Kommunikation im Web 2.0 beteiligen, etc.

Sind die MitarbeiterInnen im firmeneigenen sozialen Netzwerk (gefangen), gilt es auf folgende Themen besonders zu achten:

  • Habe ich Nachteile, wenn ich mich an dem Sozialen Netzwerk nicht beteiligen möchte? (z.B. weil ich schon einmal Mobbing-Erfahrungen gemacht habe und daher mit halb-Privaten Mitteilungen vorsichtig bin)
  • Werden die Daten in irgendeiner Form ausgewertet? (z.B. wie oft beteiligt sich jemand? sind die Beiträge der Einzelnen enthusiastisch lobend oder eher kritisch hinterfragend?)
  • Kann ich einmal befüllten Content auch wieder löschen? Wenn ich beispielsweise meine Meinung geändert habe, ich bestimmte Dinge doch nicht veröffentlicht haben will?

Wenn nun aber die Firmenleitung von ihrer Seite einschlägige Verhaltenskodizes, Richtlinien, Guidelines oder wie auch immer das Schriftwerk genannt wird, erlässt, dann kommt es vor, dass die oben gestellten Fragen nur ungenügent beantwortet sind. Die ArbeitnehmerInnen-Seite hat dann das Nachsehen und muss einseitig diktierte Vorgehensweisen akzeptieren. Nein – muss sie nicht.

Es ist ratsam, sich in den Prozess der Verhaltensregelung einzuklinken und ArbeitnehmerInnen-freundliche Nutzungsbedingungen fürs Web 2.0 zu vereinbaren. Das Arbeitsverfassungsgesetz enthält Paragraphen, aufgrund derer die Mitbestimmung der Betriebsräte durchgesetzt werden kann (§§ 96 Abs 1 Z 1 und 3, 96a Abs 1 sowie 97 Abs 1 Z 1 ArbVG).