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Spyware in der Schaufensterpuppe

Überwachung kreativ

Eine innovative Form der Überwachung von Arbeitnehmerinnen und Kundinnen hat man sich bei der italienischen Firma Almax ausgedacht: Die Schaufensterpuppe mit Video-Augen; Produktbezeichnung „EyeSee-Manneqin“. Diese speichern nicht nur das Geschehen im Kaufhaus, sondern können auch aktiv Gesichtserkennung betreiben und so Alter, Geschlecht und Ethnie der Anwesenden bestimmen.

Auf diesem Weg soll der Firma ermöglicht werden, ihr Sortiment besser auf die Käuferinnen und Käufer abzustimmen. In der Praxis wurde so – laut Herstellerangaben – bereits Verbesserungen bei der Personalauswahl getroffen. Kommen z.B. vermehrt asiatisch aussehende Menschen ins Geschäft, stellt man ebenso aussehende Mitarbeiterinnen ein. Natürlich würde dies ausschließlich zur besseren Servicierung der Kundinnen und Kunden eingesetzt werden. Dass diese Puppen eine rassistisch motivierte Personalpolitik auslösen könnten, dass die Überwachung der MitarbeiterInnen damit auf der Tagesordnung steht, dass damit sensible Daten zur Auswertung für die Geschäftsführung zugänglich gemacht werden, das wird alles nicht thematisiert.

Um 4.000 EUR ist so ein „EyeSee-Mannequin“-Pupperl zu haben. Wie die Berliner Tageszeitung berichtete, sind es vor allem us-amerikanische Handelsunternehmen, die deren Dienste gerne in Anspruch nehmen und zunehmend interessieren sich deutsche Handelsketten für die Erfindung. Auf der „Insel der Seeligen“ ist eh noch nix exportiert worden – so der Geschäftsführer von Almax auf Anfrage der apa.

PS: Überwachungs-Software für Fortgeschrittene gibt es in Form von Barbies auch im Kinderzimmer:

Quelle: www.quoka.de

 

 

Maulkorb oder Meinungsfreiheit?

wenn der Chef dich surfen lässt

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

 In manchen Firmen werden MitarbeiterInnen entlassen, weil sie während der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken unterwegs sind. In anderen Firmen werden MitarbeiterInnen dazu aufgefordert in der Arbeitszeit – und nach Möglichkeit doch bitte auch darüber hinaus – in Social Media aktiv zu sein.

die Beschwerden

Ein Betriebsrat lässt seinem Ärger freien Lauf: „Stell dir vor, dieser Junior-Chef will, dass wir jetzt alle ins Facebook gehen. Da schreibt der einfach so Guidelines, schickt die an alle aus und wir sollen jetzt für unsere Firma Werbung machen im Netz. Schau dir diese Guidelines bitte durch. Ich möchte wissen: geht das so einfach?“

Bei der konkreteren Durchsicht des Papiers finden sich interessante Wünsche:

  • Die MitarbeiterInnen sollen die vorliegenden Richtlinien in ihren privaten Social-Media-Netzwerken beachten. Also bei den Postings auf der Fußballvereins-Page bitte schön auf die unternehmensinternen Richtlinien achten?
  • Die Beiträge sollen aktuell, freundlich und in einem persönlichen Schreibstil abgefasst sein, der sich eindeutig von dem der Presseabteilung unterscheidet. Über Politik oder Religion soll nicht gepostet werden. Also bitte keine Postings auf Seiten von politischen Parteien oder gar der Gewerkschaft, weil das hat ja mit der Arbeit nichts zu tun?

das Symptomatische

Viele Betriebe sind mit eigenen Auftritten in Social Media Netzwerken präsent. So wie die Homepage mittlerweile Standard für die meisten Betriebe ist, so versucht jeder Betrieb, der „am Puls der Zeit“ sein möchte, einen eigenen Social-Media-Auftritt. Eine eigene Beratungs-Nische hat sich gebildet, die zum Social-Media-Auftritt berät und diesen für andere Firmen konzipiert. Man verspricht sich von Social Media näher an den KundInnen und GeschäftspartnerInnen zu sein, neue Vertriebskanäle zu erschließen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, eine stärkere KundInnenbindung, u.s.w.. Werden genug Anreize gesetzt (z.B. Gewinnspiele, Gratis-Bons,…) funktioniert das auch ganz gut und es können jede Menge Zugriffe auf diese Plattformen verzeichnet werden.

die Medikation

Die Verwendung von Social Media berührt mehrere mitbestimmungspflichtige Punkte:

  • ERSTENS: Kontrollmaßnahme, die die Menschenwürde berührt nach § 96 ArbVG
  •  AUßERDEM: System zur automationsunterstützten Erfassung personenbezogener Daten nach §96a ArbVG
  • UND EVENTUELL: Benutzung von Betriebsmitteln nach §97 ArbVG

und ist daher mit einer Betriebsvereinbarung zu regeln – sinnvoller Weise in Verbindung mit der BV zu Email- und Internetnutzung. Da bei Social-Media-Anwendungen die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem sehr unscharf gezogen sind, müssen hier eigene Regelungen geschaffen werden. 

Oberster Grundsatz: die Beteiligung am Web 2.0 für MitarbeiterInnen, deren Arbeitsvertrag keine Medienarbeit umfasst, ist freiwillig. Falls sich jemand dazu bereit erklärt,

empfiehlt Dr. Datenschutz folgende Punkte mittels BV zu klären:

  • welche Web 2.0-Kanäle sollen bespielt werden? vom Unternehmen eigerichtete oder private Plattformen?
  • wieviel soll gepostet werden? wieviel Arbeitszeit soll/darf ins Web 2.0 gesteckt werden?
  • was geschieht, wenn diese Arbeitsaufgabe nicht mehr erfüllt werden sollen? wem „gehören“ die ganzen AbonenntInnen / Follower / FreundInnen / etc. wenn z.B. der Arbeitsplatz gewechselt wird?
  • welche Gegenleistung gibt es dafür? (und da ist nicht nur ein feuchter Händedruck gemeint)

Das sind nur einige Fragen, die geklärt gehören, bevor sich MitarbeiterInnen im Interesse des/der Arbeitgebers/-in in Social Media betätigen. Dr. Datenschutz sagt:

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Social Media lesen sie die Betriebsvereinbarung und fragen sie ihreN BetriebsrätIn und/oder ihre Gewerkschaft.

 

wenn die ka facebook ham…

…dann geh i wieda ham

 

Social Media ist bei vielen Menschen fixer Bestandteil der alltäglichen Kommunikation; sei es der Tratsch mit FreundInnen auf Facebook und google+, das gemeinsame Sehen von Fotos und Hören von Musik, das (Ver-)Kaufen von gebrauchten Dingen auf e-bay oder willhaben, etc. etc. Social Media bietet die gesamte Palette an Kommunikationsmöglichkeiten und -inhalten.

Und weil der Mensch auch in der Arbeit nicht gern in eine völlig andere Rolle schlüpft, hat er auch am Arbeitsplatz gerne seine gewohnten Kommunikationskanäle zur Verfügung – wie unlängst im Cisco Connected World Technology Report 2011 festgestellt wurde. Für diesen Report wurden ca. 2.800 StudentInnen und BerufsanfängerInnen zwischen 18 und 29 Jahren in 14 Ländern befragt, welche Bedeutung Soziale Netzwerke für sie haben.

Nun mag es nicht verwundern, dass bei der Befragung eines Technologie-Konzerns herauskommt, dass neue Technologien für junge Menschen wichtig sind, einige Ergebnisse sind dennoch richtig erstaunlich:

  • 33% der Befragten sind mit ihren KollegInnen über Social Media vernetzt
  • 32% möchten ihr Privatleben nicht mit dem Arbeitsleben via Social Media verbinden
  • 68% der Beschäftigten folgen entweder ihren Chefitäten oder KollegInnen per twitter
  • 29% möchten nicht in einem Unternehmen arbeiten, dass Social Media verbietet

ArbeitgeberInnen bitte einsteigen – der Zug in Richtung Social Media (SM) fährt ab.

Wenn junge qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen arbeiten sollen, die sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen und motiviert sind, wäre es vielleicht doch eine Überlegung wert, SM in der Arbeit nicht völlig zu verbieten.

Es sei jedoch nicht verschwiegen, dass die ungehemmte Nutzung auch Gefahren birgt, wie der Report ebenso feststellt:

  • 84% werden von Social Media bei ihrer Arbeit mindestens einmal pro Stunde unterbrochen – und 12 % werden dadurch laut ihren eigenen Angaben von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt

Nicht nur nutzen lassen, sondern die Nutzung auch gemeinsam entsprechend den betrieblichen Anforderungen so regeln, dass eine positive betriebliche Kultur mit aktiv gelebtem Datenschutz bei gleichzeitiger Techniknutzung entsteht (wie es beispielsweise im diesem Blog in einem Beitrag bezüglich Betriebsratsblog oder in einem weiteren Beitrag zur unternehmensseitigen Nutzung vorgeschlagen wird) – das wäre die ideale Lösung für die Verwendung von Social Media am Arbeitsplatz.

VÖGB-Verlag and GPA-djp proudly present:

#sbsm

Soziale Bewegungen Soziale Medien – das Camp

wird es ein Buch? wird es eine Website? wird es ein Wiki? wird es ein Blog? Sehen und sprechen wir uns dort so richtig real und in echt? Es wird….

alles zusammen.

am 19. und 20. Oktober 2011 ist es im „Catamaran“ der ÖGB-Heimat in 1020 Wien so weit. Workshop-OrganisatorInnen, Referate-HalterInnen, sich selbst gegründet haben werdende Diskussionszirkel-TeilnehmerInnen und WandererInnen zwischen den Angeboten werden sich aus mehreren Teilen Europas zusammenfinden, um sich zu Fragestellungen rund um SocialMedia (aka Web 2.0) auszutauschen.

Willst du genaueres wissen dann lies auf der Website von „Soziale Bewegungen Soziale Medien

und willst du noch genaueres wissen, dann komm selber hin!

Guidelines statt Gesetze?

wie sich die Unternehmen das mit dem Web 2.0 vorstellen

Quelle: Bilderbox

Quelle: Bilderbox

Immer mehr Unternehmen haben Web 2.0-Anwendungen (z.B.: Blog, Facebook, Flikr, Twitter, Wiki, Xing, Youtube)  als Marketing-Strategie entdeckt. Laut einer Umfrage in Deutschland sollen es bereits drei Viertel der Betriebe sein, wo das Web 2.0 als bedeutendes Instrument betrachtet wird. 

Die Produkte und Dienstleistungen wirken durch Auftritte in diversen Web 2.0-Foren authentischer, unverfälschter, weil die Inhalte von den NutzerInnen kreiert wurden und nicht von der Marketingabteilung. Da nur ein lebendiges, transparentes, aktuelles Web 2.0 seine Wirkung tut, kann es keine aufwendige one-(wo)man-show mehr sein, die langfristig konzipiert, von mehreren Hierarchieebenen abgesegnet und dann mit aufwendigem Layout der Öffentlichkeit präsentiert wird. Web 2.0 funktioniert anders, braucht viele AutorInnen, schnelle und persönlich gefärbte Beiträge.

Mittels Web 2.0 kann ein direkter, quasi privater Zugang zu den (potentiellen) KundInnen geschaffen werden.

Dass diejenigen, die das Web 2.0 im Unternehmen mit Inhalt füllen, mitunter auch die sind, die im Unternehmen arbeiten, also vom Unternehmen abhängig sind, sieht man ja nicht. Die Web 2.0-Charakterisitka tragen dazu bei, dass es mittels Gesetzgebung nicht leicht zu fassen ist (namen- und zahllose AutorInnen, schnelle Änderungen). Dazu kommt, dass auch die technischen Features mancher Web 2.o-Anbieter permanent erneuert werden.

(Kürzlich wurde beispielsweise eine Facebook-Gruppe gegründet, bei der die Mitglieder per klick nicht lediglich eingeladen wurden, sondern per klick gleich als Gruppenmitglieder von Dritten hinzugefügt wurden – eine eher bedenkliche Form der Gruppengründung).

Firmen sind also dazu übergegangen, Richtlinien für die  Nutzung solcher sozialen Netzwerke zu schaffen; das Unternehmen darf nicht negativ beurteilt werden, bestimmte Begriffe dürfen nicht verwendet werden, man solle sich doch bitte freiwillig an der Kommunikation im Web 2.0 beteiligen, etc.

Sind die MitarbeiterInnen im firmeneigenen sozialen Netzwerk (gefangen), gilt es auf folgende Themen besonders zu achten:

  • Habe ich Nachteile, wenn ich mich an dem Sozialen Netzwerk nicht beteiligen möchte? (z.B. weil ich schon einmal Mobbing-Erfahrungen gemacht habe und daher mit halb-Privaten Mitteilungen vorsichtig bin)
  • Werden die Daten in irgendeiner Form ausgewertet? (z.B. wie oft beteiligt sich jemand? sind die Beiträge der Einzelnen enthusiastisch lobend oder eher kritisch hinterfragend?)
  • Kann ich einmal befüllten Content auch wieder löschen? Wenn ich beispielsweise meine Meinung geändert habe, ich bestimmte Dinge doch nicht veröffentlicht haben will?

Wenn nun aber die Firmenleitung von ihrer Seite einschlägige Verhaltenskodizes, Richtlinien, Guidelines oder wie auch immer das Schriftwerk genannt wird, erlässt, dann kommt es vor, dass die oben gestellten Fragen nur ungenügent beantwortet sind. Die ArbeitnehmerInnen-Seite hat dann das Nachsehen und muss einseitig diktierte Vorgehensweisen akzeptieren. Nein – muss sie nicht.

Es ist ratsam, sich in den Prozess der Verhaltensregelung einzuklinken und ArbeitnehmerInnen-freundliche Nutzungsbedingungen fürs Web 2.0 zu vereinbaren. Das Arbeitsverfassungsgesetz enthält Paragraphen, aufgrund derer die Mitbestimmung der Betriebsräte durchgesetzt werden kann (§§ 96 Abs 1 Z 1 und 3, 96a Abs 1 sowie 97 Abs 1 Z 1 ArbVG).

vernetzt, ver[www]irrt, verraten? Web 2.0 in der Arbeitswelt – ein Überblick für BetriebsrätInnen

vernetzt verwirrt verraten In einer Neuerscheinung im Rahmen der Reihe GUTE ARBEIT widmen wir uns dem medialen Strukturwandel, der mit der Weiterentwicklung des Internets zum sogenannten Web 2.0 bzw. in Richtung Social Media stattfindet. Im Fokus der Broschüre stehen dabei die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation, die Gestaltung von Arbeitsprozessen, die Kommunikation im Unternehmen etc. sowie die daraus folgenden Konsequenzen für ArbeitnehmerInnen und die Möglichkeiten für den Betriebsrat, hier mitzugestalten.

Internet: Herausforderung für BetriebsrätInnen Read more »

Den Teufel an die (Facebook-Pin-)Wand malen

internationale Fakten zu Facebook und seinen Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Facebook erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Der Umgang von ArbeitgeberInnen mit Facebook ist höchst unterschiedlich. Bei einigen ist Facebook dezidiert unbeliebt. Italiens Minister für öffentliche Verwaltung verbietet 2009 beispielsweise den Beamten Facebook während der Arbeitszeit.

Andere ArbeitgeberInnen ziehen immer mehr Informationen privater Art über ihre MitarbeiterInnen aus Facebook. Und die werden meist zum Nachteil der Angestellten ausgelegt. Die Versicherung Nationale Suisse entließ zum Beispiel 2009 eine Angestellte, weil sie im Krankenstand auf Facebook aktiv war, wobei sie ihrem Chef gegenüber angegeben hatte, aufgrund starker Migräne keine Bildschirmarbeit leisten zu können.
Kentucky Fried Chicken entlässt in Australien Angestellte, die Fotos von sich auf Facebook stellten, auf denen sie in den riesigen Geschirrwaschbecken gemütlich ein Bad nahmen.

Auch bevor es zu einem Arbeitsverhältnis kommt, sind die ArbeitgeberInnen schon im Netz unterwegs, um die zukünftigen potentiellen MitarbeiterInnen durchzuchecken. Agenturen wurden bereits gegründet, die im Auftrag von Firmen via Internet nach vorraussichtlich geeigneten BewerberInnen suchen.

Die dritte Variante ist, dass Firmen eigene Facebooks anlegen, auf denen sich die MitarbeiterInnen (gaaanz freiwillig) über ihre Firma äußern dürfen – wird zum Beispiel bei einem Pharmakonzern und einem internationalen Bankunternehmen in Österreich bereits praktiziert. Bei dieser Form der Facebook-Nutzung ist die Grenze zwischen Arbeit und Privat völlig in Auflösung begriffen und die Kontrolle  der ArbeitnehmerInnen ein Kinderspiel.

Mit dem Recht auf Privatsphäre hat das soviel zu tun wie ein Fisch mit einem Fahrrad.

Folgende Grundsätze machen daher beim privaten Facebooken Sinn:

  • besser in geschlossenen Gruppen kommunizieren, wo die Mitglieder einander bekannt sind
  • besser keine Aussagen über den Arbeitgeber/ die Arbeitgeberin tätigen
  • die Einstellungen zur Privatsphäre, die Facebook standardmäßig anbietet, auch nutzen, genau überdenken und bestimmte Informationen nur „FreundInnen“ zur Verfügung stellen
  • Informationen über andere (z.B. Photos) nur reinstellen, wenn der/die Betroffene auch einverstanden ist
  • nur Informationen reinstellen, die auch im realen Leben realen FreundInnen mitgeteilt werden würden
  • Arbeitgeberseitig gegründete Plattformen nach Möglichkeit meiden und die KollegInnen über die Gefahren aufklären

 Die Datenschutzkommission hat für die Zielgruppe Jugendiche eine eigene Broschüre zum Verhalten in  social media herausgebracht. Wenn man die Wörter „Schule“ und „Eltern/Lehrer“ gegen die Worte „Arbeitsplatz“ und „ArbeitgeberInnen“ austauscht, steckt in der Broschüre auch viel Wissenswertes für ArbeitnehmerInnen.

und wie blogst du? – neulich im BAT

Web 2.0 im Viertel zwei

Unser Beirat für Arbeit & Technik hat sich kürzlich am neuen Standort von Novartis im „Viertel zwei“ getroffen. In dem zwischen Messegelände und dem Trabrennplatz neu errichteten Bürokomplex haben wir uns mit den Chancen und Risiken der Betriebsratsarbeit im Web 2.0 auseinandergesetzt.

Einige Ideen, Meinungen und Zitate zu unserer Veranstaltung:

Bei den Inhalten muss Vorsicht gelten.
Faustregel: Nichts in den Blog stellen, was nicht auch in der BR-Zeitung stehen kann.
Menschen auf Fotos fragen, ob sie im Web sein wollen, falls nicht, wieder löschen.
Betriebsvereinbarungen haben im Blog nichts verloren.

So ein Blog ist nichts für Betriebsrats-AnfängerInnen. Da muss man schon sehr genau wissen, wozu man das einsetzt. Es kann ja immer nur ein Teil der Kommunikation mit der Belegschaft sein. Das persönliche Gespräch kann man nie dadurch ersetzen. 

Man muss sich schon klar sein, äußert ein Betriebsrat, dass man damit auch die Diskussionsleitung aus der Hand gibt. Die Themen, die von der Belegschaft kommen, sind dann auf jeden Fall auf dem Tisch und können sich hochschaukeln. Erfahrungsgemäß ist die Beteiligung der Belegschaft eher gering. Vor allem bei offenen Blogs im Internet werden kaum Kommentare gepostet. Eine bloggende Betriebsrätin:

Wir haben deshalb bewusst auf die Kommentar-Möglichkeit verzichtet, weil sonst hätten wir nur leere Felder produziert und das ist frustrierend.

Eine Betriebsrätin mahnte, dass die Inhalte eines Blogs im BR-Gremium abgestimmt sein müssen, damit man nicht im Nachhinein von der Geschäftsführung auseinander dividiert werden kann. Das wäre organisatorisch schwierig, meinte eine andere Kollegin, weil damit die Aktualität des Blogs leide.

Der Betriebsrat hat ganz klar Informationspflichten gegenüber der Belegschaft. Wie ich kommuniziere, kann mir der Arbeitgeber nicht vorschreiben. Das muss so sein, wie es im Betrieb üblich ist. Wenn wir ein hochtechnischer IT-Betrieb sind und der Arbeitgeber kommt mir mit Zettel und Bleistift für eine Notiz am Schwarzen Brett, dann kann er sich das behalten.

Angeregt durch die Präsentation eines Blogs, der ausgehend vom Betriebsrat der medizinischen Universität Wien für alle Universitäten Österreichs ins Leben gerufen wurde und effektiv für politische Kampagnen (z.B. zum UOG) eingesetzt wurde, begannen BetriebsrätInnen aus dem Bankenbereich zu überlegen, wie es wohl wäre wenn… die Banken… mit einem überbetrieblichen Blog…

Vor allem für unseren Außendienst ist der Betriebsratsblog ein wichtiges Informationsmittel.

Bei uns stellt sich dann immer die Frage: gut, aber wer macht’s? Es fehlt an Zeit und manchmal an Rechtsexpertise.

Ein Kollege aus der GPA-djp berichtete von einem Pharmakonzern, bei dem sich die Geschäftsführung das Knowhow der MitarbeiterInnen im Umgang mit Social Networks zu nutze machen möchte. MitarbeiterInnen werden aufgefordert, sich in einem Blog über ihr Arbeitsleben zu äußern – natürlich ausschließlich positiv. Dazu gibt es eine eigene konzernweite Policy und die poppt auf, sobald das Wort „blog“ in einem Email verwendet wird – schöne neue Welt.

Spezialworkshop: Arbeitsrechtliche Fragen zur Nutzung von E-Medien und Web2.0-Instrumenten

Immer öfter treten Fälle im Zusammenhang mit der Nutzung von Internet am Arbeitsplatz, in zunehmendem Ausmaß insbesondere von Web 2.0-Instrumenten auf, für die eine Bewertung in Zukunft notwendig und immer drängender werden wird, die aber in gegenwärtiger Lage noch Graubereiche darstellen.

Im Rahmen eines „Spezialworkshops zu arbeitsrechtlichen Fragen der Nutzung von E-Medien und Web2.0-Instrumenten“ am 04. Mai 2010 stellen wir bisherige Erfahrungen in Form unseres „Arbeit&Technik-Blicks auf das Thema“ dar.

Ergänzt wird dieser um eine Betrachtung der rechtlichen Grundlagen des Einsatzes bzw. der Nutzung von Web 2.0-Tools im Betrieb.

Ein "Arbeit&Techik-Blick" auf das Thema Web 2.0

Zusammenfassung bisheriger Erfahrungen und darauf aufbauender Einschätzungen

Seit einiger Zeit begleitet uns das Themenfeld Web 2.0 bzw. haben wir es in unseren „Beratungskanon“ aufgenommen, und zwar nicht von ungefähr: Arbeit&Technik steht für die Befassung mit Fragen der Arbeitsorganisation, zum einen hinsichtlich verschiedener Managementmethoden und Arbeitsformen und zum anderen hinsichtlich des Einsatzes von technischen Systemen am Arbeitsplatz.
In diesem Zusammenhang spielt die Weiterentwicklung von Internetanwendungen im Bereich des Web 2.0 auch in betrieblichen Kontexten eine wesentliche Rolle. Die Technik und ihre Einsatzvarianten durch eine Vielzahl unterschiedlicher NutzerInnen geben dabei mitunter die Richtungen für eine Befassung mit dem Thema vor.
Bereits im Frühjahr habe ich einen Blogeintrag dazu begonnen, wie ein erster Überblick über die bisherigen Erfahrungen aus Arbeit&Technik-Perspektive und eine Einschätzung der weiteren Entwicklungen aus derselben aussehen könnte – und diesen dann als Entwurf abgelegt. Die aktuellen Bewegungen im eBetriebsrat-Blog, die sich der Arbeit von Hans Christian Voigt mit BetriebsrätInnen und dazugehörenden Diskussionen verdanken, bieten einen guten Anlass, das Thema wieder umfassender aufzugreifen.

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