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Maulkorb oder Meinungsfreiheit?

wenn der Chef dich surfen lässt

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

 In manchen Firmen werden MitarbeiterInnen entlassen, weil sie während der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken unterwegs sind. In anderen Firmen werden MitarbeiterInnen dazu aufgefordert in der Arbeitszeit – und nach Möglichkeit doch bitte auch darüber hinaus – in Social Media aktiv zu sein.

die Beschwerden

Ein Betriebsrat lässt seinem Ärger freien Lauf: „Stell dir vor, dieser Junior-Chef will, dass wir jetzt alle ins Facebook gehen. Da schreibt der einfach so Guidelines, schickt die an alle aus und wir sollen jetzt für unsere Firma Werbung machen im Netz. Schau dir diese Guidelines bitte durch. Ich möchte wissen: geht das so einfach?“

Bei der konkreteren Durchsicht des Papiers finden sich interessante Wünsche:

  • Die MitarbeiterInnen sollen die vorliegenden Richtlinien in ihren privaten Social-Media-Netzwerken beachten. Also bei den Postings auf der Fußballvereins-Page bitte schön auf die unternehmensinternen Richtlinien achten?
  • Die Beiträge sollen aktuell, freundlich und in einem persönlichen Schreibstil abgefasst sein, der sich eindeutig von dem der Presseabteilung unterscheidet. Über Politik oder Religion soll nicht gepostet werden. Also bitte keine Postings auf Seiten von politischen Parteien oder gar der Gewerkschaft, weil das hat ja mit der Arbeit nichts zu tun?

das Symptomatische

Viele Betriebe sind mit eigenen Auftritten in Social Media Netzwerken präsent. So wie die Homepage mittlerweile Standard für die meisten Betriebe ist, so versucht jeder Betrieb, der „am Puls der Zeit“ sein möchte, einen eigenen Social-Media-Auftritt. Eine eigene Beratungs-Nische hat sich gebildet, die zum Social-Media-Auftritt berät und diesen für andere Firmen konzipiert. Man verspricht sich von Social Media näher an den KundInnen und GeschäftspartnerInnen zu sein, neue Vertriebskanäle zu erschließen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, eine stärkere KundInnenbindung, u.s.w.. Werden genug Anreize gesetzt (z.B. Gewinnspiele, Gratis-Bons,…) funktioniert das auch ganz gut und es können jede Menge Zugriffe auf diese Plattformen verzeichnet werden.

die Medikation

Die Verwendung von Social Media berührt mehrere mitbestimmungspflichtige Punkte:

  • ERSTENS: Kontrollmaßnahme, die die Menschenwürde berührt nach § 96 ArbVG
  •  AUßERDEM: System zur automationsunterstützten Erfassung personenbezogener Daten nach §96a ArbVG
  • UND EVENTUELL: Benutzung von Betriebsmitteln nach §97 ArbVG

und ist daher mit einer Betriebsvereinbarung zu regeln – sinnvoller Weise in Verbindung mit der BV zu Email- und Internetnutzung. Da bei Social-Media-Anwendungen die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem sehr unscharf gezogen sind, müssen hier eigene Regelungen geschaffen werden. 

Oberster Grundsatz: die Beteiligung am Web 2.0 für MitarbeiterInnen, deren Arbeitsvertrag keine Medienarbeit umfasst, ist freiwillig. Falls sich jemand dazu bereit erklärt,

empfiehlt Dr. Datenschutz folgende Punkte mittels BV zu klären:

  • welche Web 2.0-Kanäle sollen bespielt werden? vom Unternehmen eigerichtete oder private Plattformen?
  • wieviel soll gepostet werden? wieviel Arbeitszeit soll/darf ins Web 2.0 gesteckt werden?
  • was geschieht, wenn diese Arbeitsaufgabe nicht mehr erfüllt werden sollen? wem „gehören“ die ganzen AbonenntInnen / Follower / FreundInnen / etc. wenn z.B. der Arbeitsplatz gewechselt wird?
  • welche Gegenleistung gibt es dafür? (und da ist nicht nur ein feuchter Händedruck gemeint)

Das sind nur einige Fragen, die geklärt gehören, bevor sich MitarbeiterInnen im Interesse des/der Arbeitgebers/-in in Social Media betätigen. Dr. Datenschutz sagt:

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Social Media lesen sie die Betriebsvereinbarung und fragen sie ihreN BetriebsrätIn und/oder ihre Gewerkschaft.

 

how to manage Social Media am Arbeitsplatz

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was am sbsm-Camp geschah

Ein Workshop des Camps „Soziale Bewegungen Soziale Medien“ setzte sich mit der Nutzung von Social Media im Arbeitsverhältnis auseinander. Gemeinsam haben Betriebsrätinnen, Betriebsräte und Interessierte erarbeitet, welche Regelungen hier sinnvoll wären. Wertvolle Tipps aus der Praxis von IT-Verantwortlichen, Angestellten in Rechts-oder in PR-Abteilungen haben zu einem bereichernden Austausch beigetragen.

Nachdem geteiltes Wissen über die wesentlichen Rechtsgrundlagen und die dazu gesprochenen Gerichtsurteile hergestellt  war, wendeten wir uns dem spannenden Thema zu, wie Regelungen zur Social Media-Verwendung in Unternehmen nun tatsächlich aussehen könnten.

Viele BetriebsrätInnen berichteten, dass bestimmte Social Media Anwendungen häufig gesperrt werden. Die Privatnutzung ist zwar bei fast allen Anwesenden erlaubt, der Zugang zu beispielsweise Facebook ist in einigen Betrieben allerdings nicht uneingeschränkt möglich, sondern nur in bestimmten Abteilungen (z.B. Personalabteilung) vorhanden.

Eine Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass (unter anderem) folgende Themen in einer Social-Media-Vereinbarung geregelt werden müssten:sbsm3

  • Umfang und Ziel der Nutzung
  • Freiwilligkeit, wenn Social Media von der Geschäftsführung forciert wird
  • Umfang der Auswertungen, keine Leistungs- und Verhaltenskontrollen
  • Zugriffsmöglichkeiten, wer darf was sehen und auswerten?
  • Vertretungsregelungen, es kann immer mal sein, dass jemand unvorhergesehen ausfällt und wer darf dann Einsicht nehmen?
  • Schulungen für die MitarbeiterInnen und Sensibilisierung im Umgang mit privaten und beruflichen Informationen

Damit das auch tatsächlich passiert, muss sich der Betriebsrat/die Betriebsrätin mit seinen/ihren Mitbestimmungsrechten einbringen. Nur allzuoft werden die Regelungen einseitig von der Unternehmensleitung (die weit weit weg in den USA sitzen kann) gestaltet und die betriebliche Mitbestimmung wird außer Acht gelassen.

Abschließend möchte ich das Zitat einer Teilnehmerin aus dem Gedächtnis wiedergeben, da es meines Erachtens die Situation sehr treffend zusammenfasst:

Social-Media-Regelungen sollen den Beschäftigten Sicherheit im Umgang mit Social Media geben. Diese Sicherheit kann nur dann entstehen, wenn Konsistenz und Konsequenz im Handeln vorliegt.

 In diesem Sinne wäre es angesagt, sich in Konsistenz und Konsequenz zu üben, Regelungen nicht permanent umzuwerfen, neu zu definieren und auszulegen, einmal dies und einmal das damit zu meinen und so zu einer allgemeinen Verunsicherung beizutragen und stattdessen Social Media als das zu nehmen, was es ist:

eine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, so wie viele andere auch.

# sbsm camp, die Zweite

sbsmcamp-Logowie bereits in diesem Blog angekündigt, findet

von 19. – 20. Oktober

DAS sbsm CAMP

im Catamaran, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

 statt.

Hier noch ein paar Tipps, welche Veranstaltungen rund um das Thema

wie vertragen sich Social Media und mein Arbeitsplatz?

auf Interesse der p.t. Blog-LeserInnen stoßen könnten: 

 

  • Clara Fritsch (Abteilung Arbeit und Technik) bietet einen Workshop zum Thema „beim Surfen am Arbeitsplatz baden gegangen?“ In der Arbeitszeit per Social Media kommunizieren – das kann gut gehen, muss aber nicht. Je nachdem, wie offen innerhalb des Unternehmen mit Social Media umgegangen wird. Im schlimmsten Fall kann es zu Kündigungen kommen. Daher wird es in diesem Workshop unter anderem um die rechtlichen Rahmenbedingungen gehen, was ArbeitnehmerInnen und deren VertreterInnen tun und lassen sollten in den unendlichen Weiten der Social Media. Ich möchte weiters mit euch über die strategischen Möglichkeiten und Grenzen von Social Media in der Arbeitswelt diskutieren und Wege finden, wie die Verwendung von Social Media in der betrieblichen Praxis gewinnbringend eingesetzt werden kann.
    max. TeilnehmerInnen-Zahl: 12 Personen, Anmeldung unter
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 13:00 – 16:00

 

  • Eva Angerler (Abteilung Arbeit & Technik, GPA-djp) und Karl Schönswetter (Trainer und Blogger) bieten einen Workshop zum Thema: „Betriebsrat als Demokratiewerkstätte„. Man beschäftigt sich hier mit der Frage, inwieweit ein demokratisches Element wie der Betriebsrat/die Betriebsrätin in einem undemokratischen hierarchisch strukturierten Ganzen Einfluss nehmen kann. Demokratische Potentiale nutzen, Zivilcourage lernen und alle möglichen Informationskanäle nutzen sind Möglichkeiten in diese Richtung.
    Anmeldung erforderlich.
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 10:00 – 13:00

 

  •  Die Wiener Interessengemeinschaft der Beschäftigten in der IT in der GPA-djp lädt zur Podiumsdiskussion „Arbeitsplatz 2.0 – quo vadis? Potentielle Veränderungen in der Arbeitswelt von morgen“. Als DiskutantInnen zugesagt haben bereits Verena Spitz (BAWAG P.S.K. und Beirat „Arbeit und Technik“ der GPA-djp), Sandra Steiner (Siemens und work@IT), Luca Hammer (Blogger, Publizist), Martin Rennhofer (IBM) und Christian Voigt (Autor, Aktivist). Ingo Heeb (Beko und work@IT) wird moderieren.

VÖGB-Verlag and GPA-djp proudly present:

#sbsm

Soziale Bewegungen Soziale Medien – das Camp

wird es ein Buch? wird es eine Website? wird es ein Wiki? wird es ein Blog? Sehen und sprechen wir uns dort so richtig real und in echt? Es wird….

alles zusammen.

am 19. und 20. Oktober 2011 ist es im „Catamaran“ der ÖGB-Heimat in 1020 Wien so weit. Workshop-OrganisatorInnen, Referate-HalterInnen, sich selbst gegründet haben werdende Diskussionszirkel-TeilnehmerInnen und WandererInnen zwischen den Angeboten werden sich aus mehreren Teilen Europas zusammenfinden, um sich zu Fragestellungen rund um SocialMedia (aka Web 2.0) auszutauschen.

Willst du genaueres wissen dann lies auf der Website von „Soziale Bewegungen Soziale Medien

und willst du noch genaueres wissen, dann komm selber hin!

Web 2.0? Social Media? Kamma das essen?

messerundgabel

 

Nein, natürlich nicht,

aber man kann es sinnvoll in der Arbeitswelt einsetzen.

 

Allerdings ist dieses junge Medium noch nicht so ganz rechtlich einordenbar. Wir versuchen es trotzdem.

 

Zu diesem Zweck bietet die Bildungasabteilung der GPA-djp ihren BetriebsrätInnen (genauer gesagt jenen, die schon den Grundkurs genossen haben) einen Workshop zum Thema Web 2.0 an. Gestalten werden den Tag die Juristin Dr.in Gerda Hörhahn-Weiguni aus der GPA-djp Bundesrechtsabteilung und der Soziologe Mag. Thomas Kreiml, der zum Themenkreis Social Media jede Menge Expertise und praktische Erfahrungen einbringen wird.

Termin: Dienstag, den 26. April 2011 (Beginn: 09:00 Uhr – Ende: 16:30 Uhr)

Ort: AK  Bildungszentrum, 1040 Wien Theresianumgasse 16-18 (Schulungsraum 28)

Anmeldung: kamma online allerdings leider nur mehr auf einer Warteliste (sorry)

Ver[www]irrt im Social-Media-Wald?

wald

 

die österreichischen Betriebe und das Web 2.0

Die WKO hat kürzlich die Ergebnisse einer von ihr im Jänner 2011 durchgeführten Studie zur Nutzung von Social Media durch österreichische Betriebe präsentiert:

 

  • 48 % sind insgesamt in Sozialen Medien unterwegs. (2010 waren es 39%.)
  • Die Hitliste unter den Web 2.0-Anwendugnen wird angeführt von Facebook (77 %). 
  • Den zweiten Platz nimmt  Xing ein, das von 56 % genutzt wird.
  • 24 % twittern.

Es ist also ein rasch wachsender Anteil von ArbeitnehmerInnen mit Social-Media konfrontiert. Sei es, weil sie für die Firma Beiträge in Sozialen Netzwerken veröffentlichen, weil sie als Personalverantwortliche dort nach Informationen über – zukünftige oder derzeitige – MitarbeiterInnen suchen oder weil sie als BewerberInnen durchleuchtet werden.

Was genau die Unternehmen im Social-Media-Wald suchen, wissen sie allerdings selbst nicht so genau. Dazu meint Dr. Gerhard Laga, Leiter des E-Centers der WKO, in einer Aussendung der WKO:

Bei allem Eifer, den Österreichs Unternehmen in sozialen Medien an den Tag legen – bei der Frage nach dem Nutzen dieser Bemühungen herrscht teilweise noch Orientierungslosigkeit. So sehen 41 Prozent der befragten Unternehmer den Nutzen ihres Engagements für ihr Geschäft nicht konkret.

WKÖ-Generalsekretär Herwig Höllinger schlägt bei der Pressekonferenz zu den Studienergebnissen den Unternehmen im Umgang mit Web 2.0 vor:

Unternehmer, die in Social Media einsteigen wollen, sollten sich zunächst überlegen, welche Ziele sie mit der Nutzung sozialer Netzwerke verfolgen und erst danach ihre Mitarbeiter schrittweise in diese Aktivitäten einbeziehen.

Immerhin 22% der Unternehmen, die Social Media nutzen, regeln die Verwendung in eigenen Guidelines. Wir als ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretung würden uns wünschen, dass solche Guidelines in Kooperation mit der Belegschaft und dem Betriebsrat / der Betriebsrätin erstellt werden. Damit sind viele Vorteile verbunden:

  • Es können so deren Erfahrungen mit Social Media – die bisweilen reicher sind als die der Geschäftsführung – mit einfließen. Das bestehende Wissen der Beschäftigten wird so sinnvoll genutzt.
  • Die Akzeptanz und damit Einhaltung der Richtlinien ist vermutlich größer, weil sich Beschäftigte mit den von ihnen erarbeiteten Inhalten identifizieren.
  • Die Dos und Don’ts in Sozialen Netzwerken werden abgestimmt auf die betriebliche Notwendigkeit von denen, die direkt davon betroffen sind.

Anregungen, wie solche Guidelines / Richtlinien / Corporate Binding Rules / Social Media Policies aussehen können, finden sich in diesem Blog unter: „Guidelines statt Gesetze„, „Regelungserfordernisse“ oder auch in der Broschüre „ver[www]irrt, vernetzt verraten„.

Viel Erfolg beim Aushandeln von entsprechenden Guidelines und Betriebsvereinbarungen (denn Social Media ist ein „System zur Ermittlung, Verarbeitung und Übermittlung von  personenbezogenen Daten“ und ist somit nach §96a Arbeitsverfassungsgesetz mitbestimmungspflichtig).

sicher surfen

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verschiedene Materialien zum Umgang mit dem Internet 

Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich ein kurzes Quiz veröffentlicht, das die Internet-Surf-Kenntnisse abfragt. Natürlich ist es etwas Deutschland-lastig und natürlich bedeutet die volle Punktezahl genauso wenig ein Internet-Genie zu sein, wie 0 Punkte bedeuten ein geistiges Internet-Nackerbatzel zu sein. Als kurzer Check kann es auf jeden Fall nützlich sein.

Für Jugendliche ist das FragespielSafer Internet“ gut geeignet, um auf die Gefahren bei Online-Spielen aufmerksam zu machen.

Das Bundesministeriums für Unterricht und Kunst hat 2010 einige Broschüren herausgegeben, die sich an die Zielgruppen SeniorInnen, Lehrende, Eltern sowie Kinder und Jugendliche wenden. Ein Überblick dazu ist unter http://www.saferinternet.at/ zu finden.

Zwei Hefte sollen hier extra angeführt werden, weil sie für Internet-NutzerInnen aller Altersstufen lesenswert sind. In Layout und Sprache wendet sich  Safer Surfing  eindeutig an Kinder und Jugendliche, inhaltlich ist der Text aber genauso für ArbeitnehmerInnen interessant.

An LehrerInnen richtet sich die Broschüre erst denken, dann klicken. Auch hier kann getrost davon ausgegangen werden, dass der Inhalt nicht nur im schulischen Zusammenhang relevant ist, sondern auch beim arbeitsplatzbezogenen und privaten Surfen.

 

Guidelines statt Gesetze?

wie sich die Unternehmen das mit dem Web 2.0 vorstellen

Quelle: Bilderbox

Quelle: Bilderbox

Immer mehr Unternehmen haben Web 2.0-Anwendungen (z.B.: Blog, Facebook, Flikr, Twitter, Wiki, Xing, Youtube)  als Marketing-Strategie entdeckt. Laut einer Umfrage in Deutschland sollen es bereits drei Viertel der Betriebe sein, wo das Web 2.0 als bedeutendes Instrument betrachtet wird. 

Die Produkte und Dienstleistungen wirken durch Auftritte in diversen Web 2.0-Foren authentischer, unverfälschter, weil die Inhalte von den NutzerInnen kreiert wurden und nicht von der Marketingabteilung. Da nur ein lebendiges, transparentes, aktuelles Web 2.0 seine Wirkung tut, kann es keine aufwendige one-(wo)man-show mehr sein, die langfristig konzipiert, von mehreren Hierarchieebenen abgesegnet und dann mit aufwendigem Layout der Öffentlichkeit präsentiert wird. Web 2.0 funktioniert anders, braucht viele AutorInnen, schnelle und persönlich gefärbte Beiträge.

Mittels Web 2.0 kann ein direkter, quasi privater Zugang zu den (potentiellen) KundInnen geschaffen werden.

Dass diejenigen, die das Web 2.0 im Unternehmen mit Inhalt füllen, mitunter auch die sind, die im Unternehmen arbeiten, also vom Unternehmen abhängig sind, sieht man ja nicht. Die Web 2.0-Charakterisitka tragen dazu bei, dass es mittels Gesetzgebung nicht leicht zu fassen ist (namen- und zahllose AutorInnen, schnelle Änderungen). Dazu kommt, dass auch die technischen Features mancher Web 2.o-Anbieter permanent erneuert werden.

(Kürzlich wurde beispielsweise eine Facebook-Gruppe gegründet, bei der die Mitglieder per klick nicht lediglich eingeladen wurden, sondern per klick gleich als Gruppenmitglieder von Dritten hinzugefügt wurden – eine eher bedenkliche Form der Gruppengründung).

Firmen sind also dazu übergegangen, Richtlinien für die  Nutzung solcher sozialen Netzwerke zu schaffen; das Unternehmen darf nicht negativ beurteilt werden, bestimmte Begriffe dürfen nicht verwendet werden, man solle sich doch bitte freiwillig an der Kommunikation im Web 2.0 beteiligen, etc.

Sind die MitarbeiterInnen im firmeneigenen sozialen Netzwerk (gefangen), gilt es auf folgende Themen besonders zu achten:

  • Habe ich Nachteile, wenn ich mich an dem Sozialen Netzwerk nicht beteiligen möchte? (z.B. weil ich schon einmal Mobbing-Erfahrungen gemacht habe und daher mit halb-Privaten Mitteilungen vorsichtig bin)
  • Werden die Daten in irgendeiner Form ausgewertet? (z.B. wie oft beteiligt sich jemand? sind die Beiträge der Einzelnen enthusiastisch lobend oder eher kritisch hinterfragend?)
  • Kann ich einmal befüllten Content auch wieder löschen? Wenn ich beispielsweise meine Meinung geändert habe, ich bestimmte Dinge doch nicht veröffentlicht haben will?

Wenn nun aber die Firmenleitung von ihrer Seite einschlägige Verhaltenskodizes, Richtlinien, Guidelines oder wie auch immer das Schriftwerk genannt wird, erlässt, dann kommt es vor, dass die oben gestellten Fragen nur ungenügent beantwortet sind. Die ArbeitnehmerInnen-Seite hat dann das Nachsehen und muss einseitig diktierte Vorgehensweisen akzeptieren. Nein – muss sie nicht.

Es ist ratsam, sich in den Prozess der Verhaltensregelung einzuklinken und ArbeitnehmerInnen-freundliche Nutzungsbedingungen fürs Web 2.0 zu vereinbaren. Das Arbeitsverfassungsgesetz enthält Paragraphen, aufgrund derer die Mitbestimmung der Betriebsräte durchgesetzt werden kann (§§ 96 Abs 1 Z 1 und 3, 96a Abs 1 sowie 97 Abs 1 Z 1 ArbVG).

vernetzt, ver[www]irrt, verraten? Web 2.0 in der Arbeitswelt – ein Überblick für BetriebsrätInnen

vernetzt verwirrt verraten In einer Neuerscheinung im Rahmen der Reihe GUTE ARBEIT widmen wir uns dem medialen Strukturwandel, der mit der Weiterentwicklung des Internets zum sogenannten Web 2.0 bzw. in Richtung Social Media stattfindet. Im Fokus der Broschüre stehen dabei die Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation, die Gestaltung von Arbeitsprozessen, die Kommunikation im Unternehmen etc. sowie die daraus folgenden Konsequenzen für ArbeitnehmerInnen und die Möglichkeiten für den Betriebsrat, hier mitzugestalten.

Internet: Herausforderung für BetriebsrätInnen Read more »

Beste betriebsrätliche Kommunikation

bestkom 2010

Betriebliche Mitbestimmung und Kommunikation

Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung an Unternehmensprozessen sowie zur akiven Mitbestimmung im Betrieb sind Schlüsselfaktoren GUTER ARBEIT, deren bestmögliche Erfüllung in modernen Unternehmen vorausgesetzt werden sollte.

Das offizielle Organ der betrieblichen Mitbestimmung ist der Betriebsrat (bzw. die Personalvertretung), der die Interessen der ArbeitnehmerInnen vertritt. Im Rahmen seiner Funktion erfüllt er eine Reihe von Aufgaben, unter anderem als Ansprechpartner für ArbeitnehmerInnen sowie als Verhandlungspartner für ArbeitgeberInnen. Um die Aufgaben der betrieblichen Mitbestimmung gut und umfassend erfüllen zu können, ist – wie in allen anderen Bereichen auch – Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Durch Information und Kommunikation präsent zu sein, fördert die Transparenz und kann bei angemessenen Kommunikationsweisen bzw. -formen das Vetrauen in die Belegschaftsvertretung stärken. Das zeigt sich nicht zuletzt vehement in Krisensituationen.

„Das Wesen guter Kommunikation ist, dass es um mehr geht als um Information geben. Dass BetriebsrätInnen ihren Leuten sagen, was Sache ist, ist zu wenig. In der Krise ist es nicht genug, nur zu informieren, sondern es ist notwendig, zu kommunizieren. Das heißt, nicht nur Information zu geben, sondern auch Information zu nehmen.“ (Willi Mernyi: Erfolgreiche Krisenkommunikation. Die Krise als BR-Team meistern. In: Unternehmenskrise. Krisen erkennen. Krisen analysieren. Krisen bewältigen. Wien ÖGB-Verlag 2009, S. 65.)

Doch auch über Krisensituationen hinaus darf und sollte davon ausgegangen werden, dass möglichst breit angelegte und offene Kommunikation zum Erfolg der betriebsrätlichen Arbeit maßgeblich beiträgt. Dabei ist natürlich stets auch der strategische Aspekt von Kommunikationsprozessen zu beachten.

Auszeichnung für die beste betriebsrätliche Kommunikation (bbK)

Eine Initiative von ÖGB und AK Wien

bbk10 Teaser Zur Gestaltung von Kommunikationsprozessen stehen nicht nur eine Reihe von Medien, sondern auch vielfältige interaktive, persönliche Mittel zur Verfügung. Klassische Beispiele, die zur Zeit ihrer Entstehung das besondere Innovationspotenzial der betriebsrätlichen Kommunikation veranschaulichten, sind die Betriebsversammlung und die Betriebsratszeitung.

Doch Betriebsräte müssen hinsichtlich Information und Kommunikation ebenso mit der Zeit gehen, wie dies bei anderen InteressenvertreterInnen, VerantwortungsträgerInnen etc. der Fall ist – und sie tun dies auch. Um gelungene Initiativen und Gestaltungsprozesse ins Rampenlicht zu rücken, haben ÖGB und AK Wien die Auszeichnung „Beste betriebsrätliche Kommunikation (bbK)“ ins Leben gerufen und 2009 zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung soll

„betriebsrätliche Arbeit auf anschauliche Weise ‚vor den Vorhang‘ holen. Herausragende betriebsrätliche Kommunikation, die voll von Ideen und klaren Absichten, kreativen Ansätzen und hoher Einsatzbereitschaft ist. Gute Konzepte und beispielhafte Umsetzungen der täglichen Betriebsratsarbeit.“

Der bbk10 steht unter dem Themenschwerpunkt „Betriebsratskommunikation X.0“ und widmet sich den Möglichkeiten, die die neuen sozialen Medien („Web 2.0“, „Social Media“) für die Betriebsratsarbeit bieten.

Einsendeschluss für Einreichungen ist der 17. Oktober 2010!

Weitere Informationen: