Tag Archives: Wolfgang Katzian

wird die Mitbestimmung abgeschafft?

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mögliche Auswirkung der EU-Datenschutz-Grundverordnung

Die Verhandlungen rund um die Datenschutzgrundverordnung sind im Juli 2015 – nachdem der Europäische Rat seine Stellungnahme abgegeben hat –  in die nächste Runde gegangen. Die relevanten Kapitel zum Beschäftigten-Datenschutz kommen nun im September und Oktober 2015 in den Trilog-Verhandlungen zwischen den drei wichtigsten Europäischen Institutionen – Kommission, Parlament und Rat – auf den Verhandlungstisch. EU-Insider meinen, die Verhandlungen könnten noch heuer abgeschlossen werden.

„Was? Die verhandeln noch immer?“ könnte sich da so mancheR denken und die Gesetzeswerdung zieht sich wahrlich seit 2012 – selbst für europäische Maßstäbe – in ungewöhnliche Länge. Am 17. März 2014 wurde beispielsweise auch in diesem Blog die Kristallkugel ausgepackt: „Die Trilog-Gespräche zwischen Kommission, Parlament und Rat sollen im Juni 2014 starten.“ Tatsächlich schreiben wir bekanntlich 2015. Sowohl die Dauer des Verhandlungsprozesses, als auch das – selbst für Brüsseler Verhältnisse – intensive Lobbying (wie hier berichtet) sowie die vielfältigen Unklarheiten in den jeweiligen Entwürfen zeigen, dass es sich hier um ein gewaltiges Gesetzesvorhaben handelt. Unklar ist in den Entwürfen von Kommission, Parlament und Rat z.B. nach wie vor wie das Vorgehen bei Rechtsstreits, die mehrere Mitgliedstaaten betreffen, aussehen soll (Stichwort: one-stop-shop). Sich bei einem derart weitreichenden Gesetzesvorhaben genau anzusehen, welche Auswirkungen es haben könnte, nimmt eben auch Zeit in Anspruch.

Die Länge der Verhandlungen birgt immerhin einen Vorteil in sich; die Gelegenheit, die gewerkschaftliche Position noch deutlicher zu machen. Eine Gelegenheit dazu wurde zum Beispiel am 15. 9. 2015 im ÖGB-Haus in Brüssel wahrgenommen, wo Wolfgang Katzian in seiner Rede zur digitalen Agenda auch auf den Zusammenhang zur Datenschutzgrundverordnung hinwies: wenn immer mehr Daten im Arbeitsleben gespeichert, verknüpft, ausgewertet werden, dann wachsen auch die Begehrlichkeiten der ArbeitgeberInnen und dann müssen die ArbeitnehmerInnen besser geschützt werden. Die derzeitigen Entwürfe machen eine Interpretation möglich, bei der in datenschutzrechtlichen Angelegenheiten nur mehr einE DatenschutzbeauftragteR in der Konzernzentrale irgendwo in Europa zuständig wäre.

Aber für den Schutz der ArbeitnehmerInnendaten sind vor allem Mitbestimmungsrechte entscheidend. Das können Zustimmungs- bzw. Vetorechte der einzelnen Beschäftigten gegenüber Datenverarbeitungen, aber vor allem auch Zustimmungs- bzw. Vetorechte von BetriebsrätInnen sein. Nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen zur Datenschutzgrundverordnung wären diese Mitbestimmungsrechte in ihrer Substanz in ganz Europa extrem gefährdet – eine Verschlechterung, die wir sicherlich nicht zulassen und mit allen Mitteln bekämpfen werden!

sagte Wolfgang Katzian, wie in einer Presseaussendung zu lesen ist. Die zwei dringlichsten Forderungen der österreichischen Interessenvertretung lauten daher

Mitbestimmung auf nationaler Ebene regeln + one-stop-shop an nationales Arbeitsrecht binden.

Das Recht auf Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen-Vertretung muss als einer der Grundwerte der Europäischen Union aufrecht erhalten werden.

Sommerzeit – Datenschutzzeit

Die Novelle des Datenschutzgesetzes ante portas: Licht und Schatten

 Wie schon vor zwei Jahren,wird wieder im Sommer das Datenschutzgesetz (DSG) geändert. Zum Entwurf der Novelle das Positive vorab: Der/Die Datenschutzbeauftragte (DSB) wird damit zur Realität der österreichischen Arbeitswelt.

„Mit der Einführung des freiwilligen betrieblichen Datenschutzbeauftragten nimmt eine langjährige Forderung der GPA-djp jetzt konkrete Formen an“, so Wolfgang Katzian von der GPA-djp

Da lohnt es sich, genauer hinzusehen. Also weitere Eckpunkte: 

(Die gesamte GPA-djp-Stellungnahme zur DSG-Novelle sowie die parlamentarischen Unterlagen sollen auch nicht verschwiegen werden.)

 1. Die Einrichtung eines/einer Datenschutzbeauftragten 

  • Positiv: Die Funktion eines/einer DSB wird geschaffen.
  • Weniger positiv: Es handelt sich um eine freiwillige Funktion.
  • Wesentliche Neuerung: Ist ein/eine DSB bestellt, entfällt die Meldepflicht beim Datenverarbeitungsregister (DVR). Dies stellt sicher einen Anreiz für seine/ihre Bestellung dar. Anzumerken ist aber, dass eine unabhängige Behörde wie die Datenschutzkommission (DSK) wohl mehr Durchsetzungsrecht als ein/eine innerbetriebliche/r DSB hat.

Die konkrete Ausgestaltung des/der DSB ist großteils durchaus im Sinne der ArbeitnehmerInnen – etwa durch

  • Weisungsungebundenheit,
  • Kündigungsschutz,
  • vorgegebene Mindestaus- und Weiterbildungszeiten,
  • Kundmachungspflicht gegenüber der DSK
  • Mindestfunktionsperiode.

 Ganz klar ist die Ausgestaltung des/der DSB trotzdem noch nicht, ungeklärte Fragen sind etwa folgende:

– Wie viel Zeit wird dem/der DSB für ihre Tätigkeit zur Verfügung stehen – konkret: wird die Funktion auch als Vollbeschäftigung möglich sein?

– Wird die Einsetzung des/der DSB unter verpflichtender Einbeziehung des Betriebsrats erfolgen?

 2. Entfall der Vorab-Kontrolle

 Die Vorab-Kontrolle, d.h. die Genehmigung durch die Datenschutzkommission (DSK), soll in einigen Punkten entfallen.

– Hauptkritikpunkt dabei ist, dass die Vorab-Kontrolle der DSK zur Aufnahme sensibler Daten durch die ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen ersetzt werden soll. ArbeitnehmerInnen sollen also individuell und tatsächlich nur scheinbar „freiwillig“ einer Aufnahme ihrer sensiblen Daten ohne vorige Genehmigung zustimmen.

– Der Entfall der Vorab-Kontrolle gilt auch für die Video-Überwachung. In der Folge wäre für diese ohnehin recht beliebte Form der Überwachung ein Wildwuchs zu befürchten.

– Auch im Fall von strafrechtlich relevanten Daten ist geplant, die Vorab-Kontrolle aufzuheben. Das ist ebenfalls äußerst kritisch zu betrachten, da der rechtmäßige Zweck von Datenermittlungen oft nicht ersichtlich ist und daher nicht auch noch (zusätzlich) erleichtert werden soll. 

 3. Ausweitung der Standardanwendungen 

Ferner ist eine Ausweitung der Standardanwendungen geplant. Mit der damit einhergehenden Meldefreiheit wird ein/eine DSB natürlich überflüssig. Standardanwendungen sollten daher tunlichst nicht ausgedehnt werden, was insbesondere für Datenübermittlung in Konzernen gilt. 

FAZIT

ein lachendes und ein weinendes Auge

Datenschutzbrunch am 24.April 2012

Die neue europäische Datenschutzverordnung

großer Wurf oder Mogelpackung? Was bringt´s für die Arbeitswelt?

Anlässlich der aktuellen Diskussionen um eine neue Datenschutz-Verordnung, laden GPA-djp und AK Wien zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

In den frühen Vormittagsstunden des 24. April 2012 können sich die p.t. TeilnehmerInnen bei Referaten aus Brüssel, Berlin und Wien informieren. Im Anschluss an die Kaffeepause wird es Gelegenheit geben, sich mit den ReferentInnen und weiteren Gästen im Rahmen einer Podiumsdiskussion  mit den Für und Wider der neuen Verordnung auseinanderzusetzen.

wir proudly begrüßen:

  • die Abgeeordnete zum Europäischen Parlament, Evelyn Regner, die darüber berichten wird, wie die neue Verordnung im Parlament diskutiert wird
  • die Juristin und Datenschutz-Expertin Kerstin Jerchel von ver.di, die uns den Diskussionsstand in Deutschland näher bringen wird,
  • die Juristin und Datenschutz-Expertin Gerda Heilegger von der AK Wien, die die Auswirkungen des Verordnung auf ArbeitnehmerInnen in Österreich beleuchten wird,
  • den Abgeordneten im Europäischen Parlement, Joe Weidenholzer, der gleichzeitig auch Mitglied in dem EU-Ausschuss ist, dem die neue Verordnung zugewiesen wurde (LIBE),
  • den Betriebsratsvorsitzenden Helmut Wolff von Siemens Enterprise Communications, der die betriebliche Praxis beleuchten wird,
  • die Rechtsanwältin Renate Riedl aus der Anwaltskanzlei Preslmayr, die Erfahrungswerte aus Perspektive der Geschäftsführung in die Diskussion einbringt, 
  • und als Eröffnungsredner Wolfgang Katzian, den Vorsitzenden der GPA-djp.

wann?     Dienstag, 24. April 2012, 10.00 bis 13.00 Uhr
wo?     AK Bildungszentrum, Großer Saal, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Anmeldung bitte per E-Mail: andreas.stoeger@akwien.at oder per good old Telefon unter der Nummer: 01/501 65 – 2421

(bitte bis 16. April anmelden – der Saal hat eine beschränkte Anzahl an Sitzplätzen und die am Podium sind auch schon alle besetzt)

Auf dein Kommen freut sich die Autorin dieses Beitrags und Moderatorin der Podiumsdiskussion (aka Dr. Datenschutz).