Category Archives: CSR

Verhaltenskodizes – Von Corporate Social Responsibility (CSR) zu Compliance Management

KodizesDer Begriff “Compliance” kommt ursprünglich aus der Medizin und sagt aus, ob sich der Patient an die Regeln, die der Arzt vorgibt, hält. In den letzten Jahren sind sogenannte „Compliance Richtlinien“ in Unternehmen in Mode gekommen. Diese enthalten detaillierte Verhaltensregeln für die Beschäftigten, deren Einhaltung mit Disziplinar- und Kontrollmaßnahmen durchgesetzt werden soll. Vielfach werden die Regelungen von einer entfernten Konzernzentrale vorgegeben, ohne die arbeits- und datenschutzrechtlichen Bestimmungen in Österreich zu berücksichtigen.

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der Schandfleck ist wieder da

schandfleckNominierungsaufruf 2013: Schandflecke benennen

Wer

  • eine besonders unverantwortliche Organisation kennt, (z.B. in Bezug auf die ArbeitnehmerInnen-Rechte, die Umwelt, die KundInnen, oder die Gesellschaft insgesamt)
  • diesen Missstand öffentlich aufzeigen möchte,
  • aber sich nicht selbst outen will,

der/die hat noch bis Ende Oktober eine gute Gelegenheit dazu.

Das Netzwerk Soziale Verantwortung sucht das übelste Unternehmen Österreichs!

Über die nominierten Organisationen, Unternehmen und/oder Personen wird dann online abgestimmt, und am Welttag der Sozialen Gerechtigkeit, am 20. Februar, wird der Negativpreis „Schandfleck“ verliehen.

Mehr zum Schandfleck (Nominierungsformular, Infos) findet sich hier

373471_170424129658917_605650196_qVorbild für den „Schandfleck“ ist der Public Eye Award in der Schweiz, der seit 2000 als kritische Gegenveranstaltung zum World Economic Forum in Davos stattfindet und Konzerne auszeichnet, die sich gegenüber Menschen und der Umwelt besonders unverantwortlich verhalten haben.

Ministerien sind uneinig, wer für CSR zuständig ist

Wird CSR zu einem staatlich geförderten Marketinginstrument für Unternehmen?

Die soziale bzw. gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen wächst proportional mit dem Einfluss und der Macht, die ein Unternehmen hat. Eingefordert wird diese Verantwortung von Gewerkschaften und NGOs. „Naming, Shaming, Blaming“ ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit geworden, das dazu geführt hat, dass Unternehmen proaktiv Erklärungen über ihre gesellschaftliche Verantwortung abgeben. Mission Statements, Verhaltenskodizes und Charity Projekte sind Beispiele für CSR-Maßnahmen.

Dass CSR (Corporate Social Responsibility) eigentlich ein Managementansatz für nachhaltiges Wirtschaften sein soll, hat sich noch immer nicht breit durchgesetzt.

Seit zwei Jahren wird in drei Bundesministerien (BMASK, BMLFUW, BMWFJ) an einem CSR-Aktionsplan für Österreich gearbeitet. In dieser Gruppe ist nun ein Streit darüber entbrannt, was in diesem Aktionsplan enthalten sein soll. Die Interessen gehen hier weit auseinander. Laut Sozialministerium (BMASK) ist die Aufgabe der Politik, klare Rahmenbedingungen und Kriterien für CSR vorzugeben, sodass für die KonsumentInnen klar ist, dass CSR drin ist, wenn CSR drauf steht. Watchdog Organisationen, die Fehlentwicklungen von Unternehmen aufzeigen, sollen gefördert werden.

Die Vertreter von Lebensministerium (BMLFUW) und Wirtschaftsministerium (BMWFJ) sehen das anders, sie haben nun einen eigenen Entwurf – ohne Beteiligung des Sozialministeriums – für einen Nationalen Aktionsplan CSR erstellen lassen, der vor allem Förderungen und steuerliche Anreize für unternehmerische CSR-Maßnahmen vorsieht, Berichtspflichten und Benchmarks zum Vergleich und zur Bewertung der Leistungen werden abgelehnt.

Aus diesem Anlass hat die GPA-djp ein Protestschreiben an die zuständigen Bundesminister verschickt.

you can hear the whistle blow…

pfeiferlinnerbetriebliches Whistle-Blowing, wollen wir das?

Das (Ver-)Pfeifen ist gelernten ÖsterreicherInnen nicht allzu fremd. Neu ist, dass es Überlegungen dazu gibt, dieses Melden von unangebrachtem Verhalten in gesetzliche Formen zu gießen.

Fangen wir am Anfang an: Es war einmal in einem Land weit weit weg (weil bei uns würde so etwas nie passieren) ein riesengroßer Energiekonzern und der hieß Enron. Über viele Jahre hinweg wurde der Konzern von gemeinen Leuten bestohlen.  Diese Diebe, das waren die eigenen Manager – und ihre Berater – die alle Dokumente fälschten und so taten, als sei alles in Ordnung. Viele Angestellte hatten jahrelang gewusst, dass das nicht rechtens war, doch wollte keiner etwas davon nach außen dringen lassen, um die Arbeit nicht zu verlieren. So wurde alles nur noch schlimmer und die Diebe nahmen das Geld aus der Kasse, bis schließlich keines mehr da war, der Konzern aufgelöst wurde und viele Menschen ihre Arbeit verloren.

Märchenstunde? Nein, das ist das echte Leben.

Damit so ein Finanzbetrug nicht noch einmal vorkommen sollte, wurde ein Gesetz erlassen. Der vom amerikanischen Kongress 2002 verabschiedete Sarbanes-Oxley-Act (aka SOX) legt fest, dass Unternehmen, deren Wertpapiere an US-amerikanischen Börsen notieren oder gehandelt werden, eine betriebsinterne Stelle haben müssen, bei der anonyme Hinweisgeber Informationen über wirtschaftlich nicht korrektes Verhalten geben können – die Whistle-Blowing-Hotline. Großbritannien folgte diesem Beispiel alsbald. Nun überlegt auch der österreichische Datenschutzrat, ob es nicht ratsam wäre, diese Hotlines in Form eines Gesetzes zu regeln.

Über internationale Konzerne ist das Thema schon länger in die hiesigen Betriebe getragen worden. Das Rechtsverständnis der Datenschutzkommission dazu ist, dass der mit dem Whistle-Blowing  einhergehende Datentransfer in die USA nur dann genehmigt wird, wenn es sich um Vergehen von Vorgesetzten handelt, sollten MitarbeiterInnen angezeigt werden, bleibt der Datensatz bei nationalen Gerichten – immerhin.

Von der „Ethik-Hotline“ bis zur „Vernaderer-Nummer“ 

reichen die Bezeichnungen für die betriebsinternen Ansprechstellen im Falle von nicht-erwünschten Verhalten.  Damit es bei den Ansprechstellen tatsächlich um die Vorbeugung von Finanz-Skandalen geht und nicht darum, unliebsame KollegInnen loszuwerden, weil sie sich vielleicht nicht an die sogenannten „Compliance-Richtlinien“ halten, wären folgende Maßstäbe anzulegen:

  • Beschränkung der Melde-Möglichkeit auf Themen, die tatsächlich etwas mit den Finanzen des Unternehmens zu tun haben und über Bagatellbeträge hinausgehen
  • Whistle-Blowing muss auf freiwilliger Basis erfolgen und darf nicht zu einer Anzeigepflicht mutieren
  • Whistle-Blowing-Hotlines müssen immer mit einer Betriebsvereinbarung geregelt werden
  • der Personenkreis, der angezeigt werden kann, muss eingeschränkt werden auf jene, die tatsächlich Zugang zu finanzrelevanten Informationen haben und die Möglichkeit, sich illegal aus der Unternehmenskasse zu bedienen; zwischen gleichgestellten mittleren und einfachen Angestellten darf es kein Whistle-Blowing geben
  • das Prozedere, wie mit den Informationen zu verfahren ist und welche Folgen eine Meldung bei der Hotline hat, ist im Vorhinein festzulegen, insbesondere die Löschung der Daten muss sichergetellt werden, nachdem sie sich entweder als unrichtig herausgestellt haben oder an die zuständigen Gerichte übermittelt wurden
  • Verpflichtung der Ansprechstelle zur Verschwiegenheit und dazu, die Informationen nur unter bestimmten Bedingungen und nur an die tatsächlich Beteiligten bzw. allfällig zuständige Gerichte weiterzugeben, sowie eine Garantie ihrer Unabhängigkeit
  • ein Schutz der Whistle-Blower (also der HinweisgeberInnen) vor Benachteiligung durch die gegebenen Informationen, Bossing, Verletzung oder gar Entlassung
  • nur in Ausnahmefällen dürfen die Hinweise anonym erfolgen

Wenn das alles passt, dann spricht wenig gegen eine Hotline, bei der die Beschäftigten illegales Verhalten ihrer Vorgesetzten melden können.

Veranstaltung: Managementansätze auf dem Prüfstand

Die im Rahmen des „gesellschaftlichen diskussionsforums“ (gedifo) stattfindende Veranstaltung Managementansätze auf dem Prüfstand – CSR als paradoxer Managementansatz will den Fragen nachgehen,

  • inwiefern Stakeholder-Value-Ansätze tatsächlich eine neue Managementkultur einläuten können;
  • was diesbezüglich vom Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR), also der freiwilligen Selbstverpflichtung der Unternehmen zu gesellschaftspolitisch verantwortlichem Handeln, zu halten ist;
  • und ob hier nur der alte Unternehmenspaternalismus werbewirksam neu eingekleidet wurde.

Termin: Mittwoch, 28. April, 14:30-18:00 Uhr
Ort: ÖGB, Veranstaltungssaal Wilhemine Moik – 1020 Wien Johann-Böhm-Platz 1

Programm
14.30 Uhr Begrüßung
Dwora Stein, Vizepräsidentin der AK Wien

14.45 Uhr Nachhaltigkeitsberichterstattung in Österreich – Zwischen Traum und Wirklichkeit
Ulrich Schönbauer, AK Wien
Petra Kreinecker, Netzwerk Soziale Verantwortung Read more »

CSR – Indikatorenkatalog des NeSoVe

csr-indikatoren

Aus dem aktuellen Newsletter des Netzwerks Soziale Verantwortung:

Im Rahmen eines ExpertInnen-Dialogs mit mehr als 50 TeilnehmerInnen wurde der neu entwickelte NeSoVe-Indikatorenkatalog der österreichischen CSR-Community präsentiert. Mehr als 100 soziale, arbeitsrechtliche, ökonomische und ökologische Kriterien erlauben Unternehmen und Organisationen, ihre CSR-Performance zu messen.

Genauere Informationen sind hier zu finden.

CSR soziologisch

Der homo sociologicus-Blog widmet sich in seinem aktuellsten Beitrag unter dem Titel „CSR – Was ist das, wie geht das, wer macht das?“ dem Thema CSR – „soziologisch gesehen“. Dafür wird einigen grundlegenden Annahmen des CSR-Konzeptes nachgegangen und es finden sich Hinweise darauf, was CSR in Deutschland bringen kann. Zusätzlich wird noch von einem „Best Practice“-Beispiel berichtet. Den Abschluss des Artikels stellt eine kurze Blogschau zum Thema dar, die für weitere Erkundungen zum Thema interessant ist.

Einige inhaltliche Anmerkungen zum Artikel: Read more »

CSR-Seminar für BetriebsrätInnen

Da Image und Öffentlichkeitswahrnehmung für die Unternehmen einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellen, setzen sie seit mittlerweile einigen Jahren gezielt auf das Thema „Corporate Social Responsibility (CSR)“, oder zu Deutsch: Gesellschaftliche bzw. soziale Verantwortung.

Arbeit&Technik berät nicht nur BetriebsrätInnen hinsichtlich des Themas und der Stolpersteine die diesbezüglich in den Unternehmen bestehen. Vertreten durch Eva Angerler ist die GPA-djp auch Vorstandsmitglied des Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe), das als unabhängige Stelle den selbsternannten „sozial verantwortlichen“ Außenauftritt von Unternehmen im Sinne der von der Unternehmenspolitik betroffenen Interessengruppen (Stakeholder) fördert, weiterentwickelt und beobachtet. Dafür hat das Netzwerk unter anderem einen Indikatorenkatalog für soziale Verantwortung erarbeitet, der einen „Bewertungsraster für Organisationen als Gradmesser für ihre soziale Verantwortung“ darstellt.

Auf die Erfahrungen aus der Beratung sowie auf die aus der Tätigkeit des NeSoVe stammende Expertise zum Thema CSR greift auch das Seminarangebot des VÖGB mit dem Seminar „Soziale Verantwortung der Unternehmen – Interventionsmöglichkeiten des Betriebsrates“ zurück.

CSR – Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen

csr Nicht erst durch die aktuellen Entwicklungen im Anschluss an die Krise des Banken- und Finanzmarktsystems und angesichts der bevorstehenden wirtschaftlichen Depression wird deutlich, dass sich Unternehmen kaum bis gar nicht an den gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer geschäftlichen Handelns orientieren. Dass sich die wirtschaftliche Rechnung ausschließlich um „Gewinn oder nicht Gewinn“ dreht, ist hinlänglich bekannt. Umso bedeutender ist es allerdings, die Wirtschaft in ihrem Handeln zu beobachten und intervenierende Strategien der Gegensteuerung auszuloten. Ein prominentes Mittel dafür stellt die sogenannte Corporate Social Responsobility (CSR) dar:

CSR (Corporate Social Responsibility), also die gesellschaftliche und soziale Verantwortung der Unternehmen, wird von den Gewerkschaften als

  • transparente,
  • soziale,
  • ökonomisch und
  • ökologisch nachhaltige Unternehmensführung
  • definiert.

    Weiterführende Informationen zum Thema sowie eine Bestellmöglichkeit unserer Broschüre zum Thema finden Sie hier!