Category Archives: Datenschutz

Das ideale Weihnachtsgeschenk

…unter dem Weihnachtsbaum des Betriebsrats…

…sollte dieses Werk heuer keinesfalls fehlen!

Was die Autorin dieses Blogs so macht, wenn sie gerade keine Blog-Artikel schreibt, nicht zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) referiert, Betriebsvereinbarungen begutachtet oder zum Beschäftigtendatenschutz berät?

Sie schreibt gemeinsam mit Datenschutz-Experten ( Andreas Krisch und Thomas Riesenecker-Caba) und Kolleg_innen aus den (Länder-)Arbeiterkammern (wie Martina Chlestil und Nina Rothenender) und anderen Fachgewerkschaften (wie Susi Haslinger) Beiträge zu Fachpublikationen wie dieser:

Beschäftigtendatenschutz, Handbuch für die betriebliche Praxis

Von der Grundsatzfrage „Wozu das alles?“ bis hin zu detaillierten rechtlichen Fragen, was denn nun tatsächlich die Aufgaben eines/einer betrieblichen Datenschutzbeauftragten sind, wird in diesem Band auf alles eingegangen, was mit dem Beschäftigtendatenschutz in Zusammenhang steht. Ob es um eine Betriebsvereinbarung, den Datentransfer zur Konzernmutter in einem Nicht-EU-Mitgliedsland oder die Frage der Bußgelder geht, der Ratgeber gibt umfassend darüber Auskunft, was sich durch die neue Rechtslage ändern wird – und was beim Alten bleibt. Einschlägige Rechtsprechung ist ebenso enthalten wie die häufigsten technischen Systeme und deren datenschutzrechtliche Tücken. Am politischen Werdegang der europäischen Gesetzgebung Interessierte kommen ebenso auf ihre Rechnung, wie juristisch ambitionierte oder IT-affine Leser_innen.

Kurzum:

eine Leseempfehlung

für datenschützende Betriebsräte und Betriebsrätinnen, betriebliche Datenschutzbeauftragte und alle, die wissen wollen, was die neue Rechtslage für ArbeitnehmerInnen bringt. Hier geht’s zur Bestellung.

darf ein Keylogger am Arbeitsplatz installiert werden?

das deutsche Bundesarbeitsgericht sagt: NEIN!

Ein Arbeitnehmer hatte binnen vier Monaten drei Stunden damit verbracht (hauptsächlich in den Pausen) ein Computerspiel zu programmieren und kleine Verwaltungsarbeiten für eine andere Firma zu erledigen. Zugegeben, eine Pflichtverletzung, aber eine, die die sofortige Kündigung rechtfertigt?

Der Gekündigte ging vor Gericht. Das Ar­beits­ge­richt in Her­ne gab dem Kläger recht (Ur­teil vom 14.10.2015, 6 Ca 1789/15). Der Arbeitgeber ging zur nächsten Instanz. Das Landesarbeitsgericht in Hamm war zwar der Meinung, dass durch das Verhalten des Arbeitnehmers die Arbeitspflicht verletzt worden sei, nicht jedoch eine Kündigung gerechtfertigt. Der Arbeitgeber ging zur nächste Instanz. Am Bundesarbeitsgericht in Erfurt wurde im Juli 2017 der Fall abermals verhandelt. (Hier ein genauer Bericht.)

Stein des Anstoßes war vor allem die Art und Weise wie die „Beweise“ erhoben worden waren: Auf dem Rechner der Mitarbeiter war ein Überwachungsinstrument, ein so genannter „Keylogger“, installiert worden. Die Software konnte sämtliche Tätigkeiten des Arbeitnehmers mit protokollieren(zB wurden Tastaturanschläge ausgewertet und Screenshots gemacht). Mitgeteilt wurde das den Arbeitnehmern nur ganz allgemein ohne dass konkrete Verdachtsmomente vorgelegen hätten. Der Arbeitnehmer wurde für sein Verhalten auch nicht abgemahnt. Die Überwachung wurde dazu verwendet, den Programmierer zu beschuldigen, sich in der Arbeitszeit mit privaten Angelegenheiten auf dem Computer des Arbeitgebers zu betätigen und ihn daraufhin zu kündigen.

Das Bundesarbeitsgericht sah das so:

„Jeder soll selbst über die Preisgabe persönlicher Daten entscheiden können. Dieses Recht gilt natürlich auch im Betrieb“

Zwar könne es Situationen geben, in denen Keylogger ausnahmsweise eingesetzt werden dürften (zB bei konkretem Verdacht auf schwerwiegende Dienstpflichverletzungen bei vorheriger Information), aber nicht flächendeckend und ohne Begründung.

Nachdem die deutsche Betriebsverfassung und die österreichische Arbeitsverfassung in weiten Teilen sehr ähnlich sind, ist anzunehmen, dass das Urteile auch in Österreich so ausfallen würde.

Jedenfalls aber ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gültig, das besagt, das heimliche umfassende Überwachung mittels Keylogger eine Verletzung der Menschenwürde ist. (Näheres in diesem Beitrag)

Privatchat am Arbeitsplatz darf nicht gänzlich verboten werden

Man darf nicht nicht kommunizieren dürfen

richtungweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Am 5.September 2017 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zugunsten von Herrn Barbulescu, der entlassen worden war. Entlassungsgrund: er hatte entgegen der Anordnung seines Arbeitgebers mit seiner Verlobten und seinem Bruder privat kommuniziert.

Der dazu verwendete Messenger-Dienst war zwar auf Geheiß des Arbeitgebers installiert worden, um so besser Kundenkontakte pflegen zu können, allerdings mit dem klaren Hinweise, dass Privatnutzung zu unterlassen sei. Der Software-Entwickler Bogdan Barbulescu hatte das betriebsinterne Reglement offenbar nicht befolgt und ausgiebig mit Verlobter und Bruder gechattet – 45 Seiten legte der Arbeitgeber nach einer Woche dem rumänischen Gericht vor.

Sowohl das Rumänische Gericht vor dem Babulescou gegen die Entlassung klagte (im Juni 2007), als auch die kleine Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (im Jänner 2016) gaben dem Arbeitgeber recht. Die Verwendung von Betriebsmitteln dürfe per Weisung festgelegt werden, eine Missachtung einer solchen Weisung führe nun mal zu einer Entlassung, so die Logik dahinter.

Nun hat sich der Senat im Juni 2016 abermals mit dem Fall befasst und kam zu einem anderen Schluss:

an employer’s instructions cannot reduce private social life in the workplace to Zero“

Wie es dazu kam? Der Europäische Gewerkschaftsbund und die französische Datenschutzbehörde CNIL hatten eine Neuaufnahme gefordert. Die Überwachung auf der die Entlassung fußt, müsse verhältnismäßig sein, die Überwachten müssten informiert werden und insgesamt handle es sich sehr wohl um eine Verletzung der Privatsphäre, die durch Artikel acht der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt ist.

Zum Stolperstein für den Arbeitgeber wurde der von ihm eingesetzte Keylogger, mit dem sämtliche Korrespondenz des Arbeitnehmers mitprotokolliert worden war. Dadurch ist der Arbeitnehmer aber einer permanenten Überwachung ausgesetzt, von der er zuvor nicht einmal informiert worden war.

Heimliche Überwachung geht gar nicht

ArbeitnehmerInnen müssten über die Tatsache sowie den Grund einer Überwachung informiert werden, urteilte der EGMR. Es muss das gelindeste Mittel der Überwachung gewählt werden.

Außerdem beanstandete der Gerichtshof, dass ein absolutes Verbot der Privatnutzung ausgesprochen worden war. Das sei ein Eingriff in die Privatsphäre. Ein Verbot dürfe nur so weit gehen, als es unbedingt erforderlich sei, so der EGMR.

und wie ist das mit der Privaten Kommunikation in Österreich?

Wer sich bei der GPA-djp erkundigt, wird die Auskunft bekommen, dass die Privatsphäre an der Bürotüre und am Werkstor nicht abgegeben wird, dass private Emails vom Arbeitgeber also nicht gelesen werden dürfen. Sobald er/sie erkennt, dass es sich um private Kommunikation handelt, darf er/ sie nicht mehr weiterlesen.

So sieht es auch der EGMR, der europaweit die Judikatur diesbezüglich vergleicht. In seiner Urteilsschrift steht zu lesen, dass ArbeitgeberInnen in Österreich zwar die als „privat“ gekennzeichnete Kommunikation der ArbeitnehmerInnen kontrollieren dürften, ohne allerdings auf den Inhalt zugreifen zu dürfen:

In, Austria, Denmark, Finland, France, Germany, Greece, Italy, Portugal and Sweden, employers may monitor emails marked by employees as “private”, without being permitted to access their content. In Luxembourg employers may not open emails that are either marked as “private” or are manifestly of a private nature. The Czech Republic, Italy and Slovenia, as well as the Republic of Moldova to a certain extent, also limit the extent to which employers may monitor their employees’ communications, according to whether the communications are professional or personal in nature. In Germany and Portugal, once it has been established that a message is private, the employer must stop reading it.

Somit gibt es nun neben dem Arbeitsverfassungsgesetz einen weiteren triftigen Grund, warum man die private Nutzung von Kommunikationsmitteln in einer Betriebsvereinbarung regeln muss.

Datenschutzanpassungsgesetz wurde beschlossen

Vor- und Nachteile des Datenschutzanpassungsgesetzes (DSAG)

Entgegen den Befürchtungen, dass in dieser Legislaturperiode kein Datenschutzgesetz mehr zustande kommen wird, hat der Nationalrat am Donnerstag 29.6.2017 die Anpassung an die Datenschutzgrundverordnung der EU beschlossen.

Viele Regelungen sind in der Europäischen Datenschutzgrundverordnung ohnehin festgelegt und können von den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht mehr abgeändert werden. Sogenannte „Öffnungsklauseln“ ermöglichen aber spezielle Regelungen auf nationaler Ebene. Einige Öffnungsklauseln wurden nun vom österreichischen Gesetzgeber genutzt, andere nicht.

Die gute Nachricht:

Die betriebsrätliche Mitbestimmung (das Arbeitsverfassungsgesetz) ist abgesichert. Damit gilt in  Sachen Beschäftigtendatenschutz das Arbeitsverfassungsgesetz 1:1.

Die Videoüberwachung zum Zweck der MitarbeiterInnenkontrolle ist weiterhin untersagt.

Die schlechte Nachricht:

Es wird kein Verbandsklagerecht geben, wie es zB im Konsumentenschutz besteht. Zwar haben Vereine und NGOs aufgrund der Europäischen Grundverordnung das Recht im Namen von einzelnen Betroffenen eine Klage einzureichen, ohne die Bereitschaft von Einzelnen ihre Datenschutzrechte einzuklagen ist dies jedoch nicht möglich. Das heißt, Arbeiterkammern oder Gewerkschaften können nicht – wie beispielsweise im Konsumentenschutz – von sich aus gegen einen Missstand klagen, sondern immer nur im Namen von direkt Betroffenen.

Es wurde verabsäumt, zusätzlich zum Arbeitsverfassungsgesetz spezifische Regelungen zum Beschäftigtendatenschutz einzuführen oder die Bestellung des betrieblichen Datenschutzbeauftragten genauer zu regeln.

Dass der Gesetzgebungsprozess letztendlich überhastet abgelaufen ist und die zahlreichen Stellungnahmen aufgrund des kurzfristigen Beschlusses von Abänderungsanträgen im zuständigen Verfassungsausschuss nicht mehr genau durchgearbeitet werden konnten, soll nicht verschwiegen werden. Allerdings ist die Anpassung nun seit über einem Jahr fällig und eine weitere Verzögerung hätte vermutlich nicht unbedingt zu Verbesserungen geführt.

österreichischer Gesetzesentwurf zur europäischen Grundverordnung liegt vor

aber wann wird das Datenschutz-Anpassungsgesetz tatsächlich verabschiedet?

Der Entwurf aus dem Bundeskanzleramt zum Datenschutz-Anpassungsgesetz liegt im Parlament. Nach einem Jahr voll Abwägung, Abwarten und Anpassen gibt es nun einen Gesetzesentwurf zum Datenschutz. Fraglich ist ob das „freie Spiel der Kräfte“ noch diese Legislaturperiode das Spiel beenden wird können.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung steht vor der Tür; am 25. Mai 2018 wird sie in Kraft treten. Sie enthält neben einer Vereinheitlichung im EU-Raum auch einiges an nationalen Gestaltungsmöglichkeiten für die Mitgliedsstaaten, so genannte „Öffnungsklauseln“. Für ArbeitnehmerInnen interessant sind dabei vor allem die Öffnungsklauseln zum Datenschutz im Beschäftigungskontext, zur Verbandsklage und zur Bestellung eines betrieblichen Datenschutzbeauftragten.

Mitbestimmung bleibt

Erfreulich ist, dass im Gesetzesentwurf ausdrücklich festgehalten ist, dass die betriebsrätlichen Rechte aus dem Arbeitsverfassungsrecht unbestritten sind. Diese Feststellung besteht seit dem ersten österreichischen Datenschutzgesetz, das 1978 das Licht der Welt erblickte. Diese Bestimmung illegalisiert die leider weit verbreitete Praxis, den BetriebsrätInnen zustehende Informationen mit Hinweis auf den „Datenschutz“ vorzuenthalten.

keine Videoüberwachung der Beschäftigten zur Kontrolle

Erfreulich ist auch, dass im Gesetzesentwurf des Bundeskanzleramtes eine Video- und akustische Überwachung zur Mitarbeiterkontrolle verboten ist. Diese Bestimmung findet sich seit der Novelle 2010 im österreichischen Datenschutzgesetz. Diese Klarstellung wurde wohl erforderlich weil derartiges immer öfter praktiziert wurde.

kollektive Klage möglich

Erfreulich ist außerdem, dass Betroffene sich nun von Vereinen/ Organisation gemeinsam vertreten lassen können, wenn sie ihre Datenschutzrechte verletzt sehen. Diese Verbandsklagerecht gibt es zB im Konsumentenschutz schon seit langem.

Leider wurden ArbeitnehmerInnenvertretungen nicht per se als datenschutzrelevante Vereine definiert (was im Zuge einer Öffnungsklausel aber möglich gewesen wäre) und haben auch nicht das Recht erhalten von sich aus – also ohne Initiative von Betroffenen – gerichtlich aktiv zu werden. Die GPA-djp fordert daher im Sinne der fairen Arbeitsverhältnisse, dass überbetriebliche Interessenvertretungen ihre Mitglieder (mit oder ohne aktiven Auftrag) in Datenschutzangelegenheiten vertreten dürfen.

Es darf vermutet, werden dass das Datenschutz-Anpassungsgesetz ohne den Einsatz von Kammern und Gewerkschaften weitaus weniger günstige Regelungen zum Schutz der ArbeitnehmerInnen enthalten würde.

Die wichtigsten Forderungen zum ArbeitnehmerInnen-Datenschutz sind enthalten

Dass zahlreiche Öffnungsklauseln – darunter die zur Bestellung des/ der betrieblichen Datenschutzbeauftragten –  in der nationalen Gesetzgebung nicht näher festgelegt wurden, erklärt man in den Erläuterungen damit, dass diese nicht dem allgemeinen Datenschutz zuzurechnen sein, sondern es sich dabei um spezielle Themen handelt. Diese müsse man allenfalls in den jeweils entsprechenden „Materiengesetzen“ (wie sie in der Juristerei genannt werden)  festlegen. Sprich: der Datenschutz für die ArbeitnehmerInnen müsste demnach ins Arbeitsrecht fallen.

Ob sich eine Verabschiedung des Datenschutz-Anpassungsgesetztes noch diese – aufgrund der bevorstehenden Neu-Wahlen nicht mehr sehr langen – Legislaturperiode ausgeht, bleibt abzuwarten.

Am 23. Juni endet die Begutachtungsfrist. Bis dahin können noch Stellungnahmen abgegeben werden. Genutzt wurde diese Gelegenheit bislang von Unternehmen wie A1 und ÖBB, Organisationen wie dem Städtebund, dem Verband der Markt- und Meinungsforscher und der Rechtsanwaltskammer und auch Einzelpersonen wie dem renommierten Datenschützer Prof. Dietmar Jahnel.

Fragen zum betrieblichen Datenschutz und Digitalisierung

jetzt wollen’s alle wissen

Was ist der Schlüssel zu Schutz der Privatsphäre am Arbeitsplatz?

Wer bewacht welchen Schlüssel?

Wie wird im Betrieb, im Betriebsratsbüro und in der Gewerkschaft mit digitalen Themen umgegangen?

Das interessiert immer mehr Menschen. Immer mehr Institutionen wollen daher wissen wie es in der betrieblichen und gewerkschaftlichen Praxis aussieht und starten Projekte zu dem Themenbereich.

Was wäre ein gutes Projekt ohne vorherige Befragung der Betroffenen? Schließlich möchte man ja den Ist-Stand erfassen und so ist der erste Schritt meist eine Umfrage.

Bitte beteiligt euch möglichst zahlreich

Je größer die Beteiligung an den Umfragen, desto besser können Gewerkschaften auch auf die betrieblichen und betriebsrätlichen Anliegen eingehen.

Arbeiterkammer Wien befragt zum Datenschutz im Betriebsratsbüro

Um Erfahrungen aus der Arbeit in Betriebsrat und Personalvertretung zum Thema Datenschutz zu erhalten, führen die GPA-djp und andere Fachgewerkschaften gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien eine online-Befragung von Betriebsratsmitgliedern durch.

Es geht um die betriebsrätliche Praxis im Umgang mit den Daten der Beschäftigten. Welche Daten erhält der Betriebsrat überhaupt vom Arbeitgeber? Wer steht im Betrieb unterstützend zur Seite wenn es Fragen zum Datenschutz gibt? Diese und viele andere Fragen sollen geklärt werden.

Durchgeführt wird die Befragung durch die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA). Die Befragung ist anonym, FORBA hat sich auch vertraglich zur Einhaltung der Bestimmungen des Datenschutzes verpflichtet und einen datenschutzrechtlich einwandfreien Anbieter für die online-Befragung ausgewählt.

Der Zeitaufwand beträgt etwa 10 bis 15 Minuten und die Umfrage wird noch bis Ende Juli online sein. Die online-Befragung findet sich hier.

Der Europäische Gewerkschaftsbund befragt zu den Auswirkungen der Digitalisierung

In der Befragung des EGB geht es um die Beteiligung von Arbeitnehmer/-innen und Gewerkschaften bei der Gestaltung der Digitalisierung. In der Beteiligung liegt nämlich der Schlüssel zu FAIRer Digitalisierung, ist der EGB überzeugt und sammelt daher BestPractise-Beispiele aus allen Ländern, Branchen und Unternehmen. (Es besteht auch die Möglichkeit zur telefonischen Kontaktaufnahmen auf deutsch, falls man die Best-Practise- und andere Erfahrungen nicht in die Tastatur tippen möchte!)

Die internationale Projektgruppe hat im Jänner dazu ihr Feedback gegeben und nun ist die Befragung online.

Der Zeitaufwand ist in etwa 20 Minuten und die Befragung geht noch bis 20. Juni. Hier geht’s zur Umfrage online.

betrieblicher Datenschutz – altes Fass oder neuer Wein?

ein Veranstaltungsrückblick

Unter dem Titel „neue Technologien – neuer rechtlicher  Rahmen – neue Lösungen“ fand am 13. März im Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien eine Veranstaltung statt. Über 250 BetriebsrätInnen wollten sich die Ausführungen zu technologischen Veränderungen sowie der Datenschutzgrundverordnung und ihren voraussichtlichen Auswirkungen nicht entgehen lassen.

Rudi Kaske und Dwora Stein eröffneteN

an dem sonnigen Frühlingsnachmittag. Kaske betonte in seiner Rede, dass die Technik zunehmend komplexer werde und somit digitale Kompetenzen bei allen Betroffenen erfordere. Es gehe darum den digitalen Wandel zu gestalten und mitzubestimmen, sodass immer der Mensch die zentrale Figur ist.

Dwora Stein, die Geschäftsführerin der GPA-djp, nahm in ihrem Eingangsstatement vor allem die betriebliche Ebene in den Fokus. Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind mit ihrer fachlichen Expertise, ihrer sozialen Kompetenzen und ihre internationalen Vernetzung gefordert um ihre rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Gewerkschaft stellt ihnen Hintergrundinformationen und Beratung zur Verfügung und den Einsatz dafür, die rechtlichen Rahmenbedingungen im Sinne der ArbeitnehmerInnen-Mitbestimmung zu gestalten.

Thomas Riesenecker erklärte technischen Wandel

Der Geschäftsführer der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt stellte die wesentlichen Veränderungen der digitalen Arbeitswelt dar und stellte dabei in Frage, ob es sich tatsächlich um eine „Revolution“ handelte und nicht vielmehr um eine Weiterentwicklung auf Basis bereits bestehender Technologien.

Insbesondere die Sensorik habe die Möglichkeiten der Maschinen verändert. Sie könnten nun miteinander (auch ohne direkte Intervention von Menschen) interagieren. Das sogenannte „Internet der Dinge“ (IoT) ist nun in der Robotik, der Fahrzeugtechnik und diversen anderen Anwendungsgebieten Thema.

Martina Chlestil stellte die derzeitige Rechtslage (DSG) und Clara Fritsch die kommende (DSGVO) dar

In einer Doppelkonference wurden die wesentlichen, für betrieblichen Datenschutz relevanten Gesetzesänderungen, die mit dem In-Kraft-treten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 schlagend werden, vorgestellt:

  • das öffentliche Datenverarbeitungsregister wird zu einem innerbetrieblichen Verfahrensverzeichnis
  • der betriebliche Datenschutzbeauftragte wird – für bestimmte Unternehmen – verbindlich
  • die Mitbestimmungsrechte nach dem ArbVG bleiben erhalten

Matthias Schmidl beschrieb die Aufgaben der Datenschutzbehörde

Die Datenschutzbehörde, deren stellvertretender Leiter Matthias Schmidl ist, erhält mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zusätzliche Aufgaben und neue Vorgaben, wie Prozesse abzuwickeln sind.

  • die Behörde wird in Abstimmung mit den anderen europäischen Behörden eine „Blacklist“ und eine „Whitelist“ erstellen, die angibt, welche Datenverwendungen eine Risikofolgenabschätzung benötigen – und welche nicht
  • die Behörde wird Geldbußen  – in Koordination mit den anderen europäischen Datenschutzbehörden – festlegen und verhängen
  • die Behörde wird – wie bisher auch – Ansprechstelle für Beschwerden sein

Nach einer kurzen Stärkung bei Kaffee und Kuchen, nahmen drei Betriebsräte und drei GewerkschaftssekretärInnen auf den roten Sesseln am Podium Platz und erzählten aus ihrem Umgang mit Technik im Betrieb.

Kollege Magnus von der Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien stellte dar, wie ein Dokumentationssystem legal, aber trotzdem zum Nachteil der KollegInnen verwendet werden kann, indem daraus errechnet wird, wie viele Prozent der eingeladenen KlientInnen tatsächlich kommen. Auf dieser Basis werden mehr KlientInnen eingeladen, als Termine zur Verfügung stehen (Überbuchung), was aufgrund des gesteigerten Arbeitsdrucks zu Konflikten zwischen den verschiedenen Berufsgruppen führt. Gemeinsam mit der zuständigen Fachgewerkschaft GPA-djp arbeitet man nun an einer Betriebsvereinbarung zu dem System. Eva Angerler strich in ihrem Statement heraus, dass es bei Technik im Unternehmen immer um drei Säulen geht

  • einen rechtlichen Rahmen zu schaffen mittels Betriebsvereinbarung
  • einen Datenschutz durch Technik zu gewährleisten
  • und eine Betriebskultur, die Datenschutz-Bewusstsein im täglichen Miteinander lebbar macht.

Kollege Szalay beschrieb wie Wien Energie versuchte, ein elektronisches Fahrtenbuch einzuführen und auf Initiative der Betriebsrates ein solches mehrere Jahre nicht der Fall war – so lange bis es eine den Wünschen der ArbeitnehmerInnen entsprechende Betriebsvereinbarung dazu gab. Andreas Schlitzer aus der Pro-Ge hat dabei die rechtliche Beratungsarbeit geleistet.

Auch bei den ÖBB-BCC stellt die Digitalisierung ein wesentliches Thema dar. Ein so wesentliches, dass man gemeinsam mit dem Ministerium, der Forba und der Gewerkschaft vida ein eigenes Projekt dazu auf die Beine gestellt hat. „Und ihr werdet es nicht glauben“ sagte der Betriebsrat Josef Brenner „was das geändert hat, dass wir einmal nicht den Entwicklungen hinten nach gelaufen sind, sondern als Betriebsrat aktiv begonnen haben, ein eigenes Projekt dazu aufzusetzen.“

Alle Präsentationen und Handouts zur Veranstaltung finden sich hier.

Alles kann natürlich in einem Nachmittag nicht besprochen, diskutiert und gelöst werden. Wenn nun Interesse entstanden sein soll, freuen sich Arbeiterkammer und Fachgewerkschaften; zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Digitalisierung und der neuen Gesetzeslage wenden sie sich vertrauensvoll an ihre Interessenvertretung oder ihre Fachgewerkschaft.

neue Technologien? – neuer rechtlicher Rahmen – neue Lösungen?

Foto: Clara Fritsch CC

Veranstaltung zum betrieblichen Datenschutz

Ihr seid euch nicht ganz sicher, was in nächster Zeit datenschutzrechtlich und technisch auf euch im Betrieb zukommt? aber ihr seid euch sicher, dass etwas auf euch zukommt?

Dann kommt am 13. März 2017 um 13 Uhr ins Bildungszentrum der AK Wien

Rudi Kaske und Dwora Stein begrüßen und

Arbeiterkammer Wien und Fachgewerkschaften laden herzlich ein

gemeinsam mit den Vortragenden über das Bevorstehende zu diskutieren.

werden im ersten Teil über technische und rechtliche Rahmenbedingungen des betrieblichen Beschäftigtendatenschutzes berichten und im Anschluss für eure Fragen zur Verfügung stehen.

Der zweite Teil des Nachmittags ist dem gewerkschaftlichen Dialog gewidmet; Betriebsräte und VertreterInnen der jeweiligen Fachgewerkschaften werden aus ihrem Arbeitsalltag erzählen und sich mit dem Publikum austauschen. Erzählen werden die Betriebsräte

Wer noch neugierig ist und die ganze Einladung lesen möchte

Anmeldungen bis 3.3. bei sabine.jovic@akwien.at

wir freuen uns auf spannende Diskussionen moderiert von Sonja Fischbauer

digitale Grundrechte

wo gibt’s denn so was?

in der EU – vielleicht, hoffentlich bald

Warum geht’s hier in letzter Zeit eigentlich ständig um Europa?

Weil Daten grenzüberschreitend unterwegs sind, weil mit europaweit einheitlichen Grundsätzen und Regelungen Datenverwendungen einfacher rechtlich zu beurteilen und damit einzuschränken sind und weil ein einheitlicher Wirtschaftsraum auch einen einheitlichen Sozial- und Schutzraum verlangt.

Einige EU-BürgerInnen haben sich daher in den letzten Monaten mit Menschenrechten im digitalen Zeitalter auseinandergesetzt und stellten am 30. November die Charta der digitalen Grundrechte der Öffentlichkeit vor. Die Charta beinhaltet Grundsätze, wie im Zeitalter von Big Data, Robotik, künstlicher Intelligenz und Massenüberwachung das Menschenrecht auf Datenschutz zu erhalten ist. Hier ein kleiner Auszug:

  •  Die Verwendung von automatisierten Verfahren darf nicht dazu führen, dass Menschen vom Zugang zu Gütern, Dienstleistungen oder von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Dies gilt insbesondere im Bereich Gesundheit, Schutz vor elementaren Lebensrisiken, Recht auf Arbeit, Recht auf Wohnen, Recht auf Bewegungsfreiheit und bei Justiz und Polizei.
  • Eine anlasslose Massenüberwachung findet nicht statt.
  • Eine Zensur findet nicht statt.
  • Profiling durch staatliche Stellen oder Private ist nur auf gesetzlicher Grundlage zulässig.
  • Die Kriterien automatisierter Entscheidungen sind offenzulegen.
  • Ethisch-normative Entscheidungen können nur von Menschen getroffen werden.
  • Jeder hat das Recht, über seine Daten selbst zu bestimmen.
  • Jeder hat ein Recht auf Verschlüsselung seiner Daten.
  • Das Recht, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen, darf nicht an den Zugang zu digitalen Medien gebunden werden.
  • Jeder hat das Recht auf eine nicht-personalisierte Nutzung digitaler Angebote.

Die Charta verdient sich viele viele Unterzeichnerinnen – auch wenn das Kapitel zum ThemaArbeitausbaufähig ist. Hier würde ein explizites Verbot heimlicher Überwachung ebenso wie ein Verbot bezüglich dem Erstellen „Schwarzer Listen“ oder der übermäßigen Leistungs- und Verhaltenskontrolle die digitale Grundrechte-Charta noch wesentlich aufwerten.

Ein wenig schräg ist auch, dass gerade eine Stiftung der Zeitung „die Zeit“ hier federführend an der Erarbeitung der Charta beteiligt ist, wo doch auf ihrer online-Variante fleißig weitergeleitet wird (siehe AK: „kommerzielle digitale Überwachung im Alltag„, S. 64.).

Mitmachen Dennoch erwünscht

Beteiligen an der Forderung, die Charta der digitalen Grundrechte in EU-Recht aufzunehmen, kann sich jeder und jede ab jetzt und hier.

Einige der Formulieren finden sich bereits in der Europäischen Datenschutzgrundverordnung , die ja im Mai 2018 in Kraft tritt; damit werden europaweit einheitliche Regeln geschaffen (zB muss eine Einwilligung zur Datenverwendung eindeutig erfolgen und die Betroffenen müssen informiert werden).

Datenschutz am Arbeitsplatz kann man regeln – muss aber nicht

Für den Beschäftigten-Datenschutz kann sich jedes EU-Land eigene, spezielle gesetzliche Vorgaben schaffen (sog. Öffnungsklausel). Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen bleiben gültig und können auch den Beschäftigten-Datenschutz regeln.

Die deutsche Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, kündigt im „Weißbuch Arbeit 4.0“ einige Vorhaben zum Beschäftigtendatenschutz an:

  • Erhalt der Regelungen zum betrieblichen Datenschutz,
  • Datenschutz-Index für Betriebe
  • interdisziplinärer ExpertInnen-Beirat aus ArbeitsrechtlerInnen, ArbeitsmedizinerInnen, ITlerInnen, betrieblichen Praktikerinnen und SozialpartnerInnen, der den Bestand betrieblicher DS-Regelungen aufnimmt, regelmäßig evaluiert und an die technologischen Entwicklungen anpasst.

Sobald sich etwas Konkretes in Österreich dazu tun, wird in diesem Blog berichtet; versprochen!

Risikoabschätzung betrieblicher Datenanwendungen

umfrageworkitpngwie schaut’s aus bei dir im Betrieb?

die work@IT will’s wissen

Die Interessengemeinschaft für Menschen in IT-Berufen der GPA-djp möchte in einer kurzen Umfrage herausfinden, ob eine neue Regelung in der Europäischen Datenschutzgrundverordnung betrieblich genutzt werden kann.

Es handelt sich dabei um die sogenannte „Datenschutz-Folgenabschätzung„. Der gemäß müssen Unternehmen ab 2018 bei der umfangreichen Verwendung von besonders schützenswerten Daten (d.h. biometrische Daten, Daten über ethnische Zugehörigkeit, politische Meinung, Gewerkschaftszugehörigkeit, sexuelle Orientierung, etc.) vorab untersuchen, welche Auswirkungen eine solche Datenverwendung haben kann. Aber auch bei einer erheblichen Beeinträchtigung der Persönlichkeit oder bei  systematischer Überwachung öffentlich zugänglicher Bereiche muss eine solche Folgenabschätzung vorab durchgeführt werden.

Wann sollte das bei dir im Betrieb statt finden?

Deine Meinung und deine Expertise sind hier und jetzt gefragt.