Category Archives: Digitalisierung

Digitale Selbstverteidigung – Was kann ich tun?

Epicenter.Works, GPA-djp

Plugins, Software und andere Tipps: Welche Tools sind „sicher“?

Dass Google die eingegebenen Suchbegriffe speichert, sollte mittlerweile den meisten bekannt sein. Aber welche Suchmaschine gibt es, die mich nach einmaliger Sucheingabe von „Juckender Ausschlag“ nicht andauernd mit Werbung für natürliche Behandlungsmöglichkeiten ganz in meiner Nähe und günstigen Online-Apothekenangeboten überhäuft?

WhatsApp sollte man ja nicht verwenden; die nehmen das mit dem Datenschutz nicht so ernst. Aber welche alternativen Messenger gibt es, mit dem ich nicht die Telefonnummern all meiner Kontakte offenbaren muss?

Die ExpertInnen von Epicenter.Works haben sich genau diesen Problemen angenommen und ihr Wissen rund um „sichere“ Software und Plugins auf einem Folder vereint.

sicher kommunizieren – sicher surfen – sichere Daten – sicher im Internet

Worum geht es bei „Digitaler Selbstverteidigung? Es geht um einen selbstbestimmten Umgang mit digitalen Services im Alltag. Aber wie kann ich als UserIn ganz konkret sicherstellen, dass meine Daten nicht gespeichert, (weiter)verwendet und weiterverkauft werden, ohne dass ich das will?

Es gibt viele Tools, die einem/r UserIn dabei helfen können, einen möglichst hohen Grad an Selbstbestimmung und Sicherheit zu erreichen. Es gibt aber auch viele, die nur vorgeben, eine Hilfe zu sein. Dies zu erkennen und diese Unterscheidung treffen zu können, fällt bereit IT-ExpertInnen schwer. Für „normale“ UserInnen – ohne Unterstützung – ist das kaum zu schaffen!

Hier kommen die ExpertInnen von Epicenter.Works in Spiel. Sie bieten auf ihrer Homepage und nun auch auf ein paar Seiten zusammengefasst, eine Sammlung vertrauenswürdiger Tools und grundlegende Anwendungstipps für alle UserInnen:

  • Welches Tool schützt meine Privatsphäre, wenn ich im Web surfe? ≈ Tipp: Privacy Badger.
  • Und welcher Suchmaschine kann ich meine (teils sehr persönlichen) Suchfragen anvertrauen? ≈ Tipp: Startpage.
  • Und wie kann ich der Flut an Werbung und Pop-Ups entgehen, die mir die Sicht auf den Onlineartikel versperren? ≈ Tipp: uBlock Origin.

DasistmeinPasswort#32

Ein gutes und sicheres Passwort gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen. Jene Passwörter, die sich aus dem Geburtsdatum, dem Hochzeitstag oder dem Namen des Haustieres zusammensetzen, sind keine „guten Passwörter“. Aber ein Passwort bestehend aus zufällig aneinandergereihten Buchstaben, mit Nummern und Sonderzeichen vermischt, das auch noch mindestens 7 Stellen haben sollte, kann sich kein Mensch merken.

Muss er auch nicht! Verwende doch einfach Passwortsätze!
Ein einfacher, aber sehr effektiver Tipp, denn um ein Passwort wie beispielsweise „Seitheuteweißichwerdie#1ist!“ entschlüsseln zu können, würde man tausende von Jahren brauchen, wie in diesem Video sehr schön erklärt wird.

Datensicherheit geht jede und jeden etwas an

Der Folder von Epicenter.works (lässt sich hier downloaden) bietet einen ersten Anknüpfungspunkt für alle, die die Herrschaft über ihre eigenen Daten wiedererlangen und auch behalten möchten! Jeder Tipp ist von ExpertInnen geprüft und leicht anwendbar!

Wer weiterführende Informationen bzw. Hilfe benötigt, schaut einfach auf epcienter.works/crypto vorbei.
By the way: Die Liste wird immer wieder aktualisiert und ausgebaut – es zahlt sich aus, immer mal wieder dort vorbeizuschauen!

 

Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann

Foto: Helmut Wolff

Mobile Arbeit bringt Chancen und Risiken: Eine neue Broschüre soll BetriebsrätInnen dabei unterstützen die veränderte Arbeitswelt aktiv mitzugestalten.

Bereits seit einigen Jahren lässt sich ein Vordringen digitaler Technologie in immer weitere gesellschaftliche Bereiche beobachten, was zu tiefgreifenden Veränderungen im privaten und öffentlichen Leben führt. Zunehmend erreicht die Digitalisierung nun auch die Arbeitswelt. Als Folge davon nimmt die Möglichkeit, „mobil“, also abseits fester Arbeitsplätze zu arbeiten, stetig zu.

Mithilfe von Laptops und Smartphones können viele Beschäftigte zu Hause, im Kaffeehaus oder sogar am Sandstrand Anrufe entgegennehmen, E-Mails beantworten, Texte verfassen oder auf andere Weise ihre Arbeitsleistung erbringen. Oft wird ein auf diese Weise mobiles Arbeiten von ArbeitgeberInnen gefördert und auch von den Beschäftigten als angenehm empfunden. Doch wo Wahlfreiheit und Gestaltungsspielraum als Privileg mobiler Arbeit versprochen werden, bleibt zuletzt oft maximale Verfügbarkeit der Beschäftigten übrig.

„Im Sturz durch Raum und Zeit, Richtung Unendlichkeit“

Immer schwerer lassen sich betriebliche und private Räume voneinander trennen, die Grenze zwischen (bezahlter) Arbeitszeit und (unbezahlter) Freizeit lässt sich in vielen Fällen nicht mehr klar ziehen. Die durch die Möglichkeit der mobilen Arbeit gewonnene Freiheit zu einer „Entgrenzung“ von Arbeit, die nun alle Lebensbereiche durchdringt und ein erholsames geistiges „Abschalten“ am Feierabend oder am Wochenende verhindert. Für viele ArbeitnehmerInnen ist es bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, am Sonntagabend – natürlich unbezahlt – rasch ihre E-Mails auf dem Diensthandy zu checken oder eine Powerpoint-Präsentation für den nächsten Termin fertigzustellen. Mit dem so entstehenden Spannungsfeld beschäftigt sich die neue Broschüre der GPA-djp „Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann. Zur Gestaltung mobiler Arbeit“, die in Zusammenarbeit mit engagierten BetriebsrätInnen des Beirates für Arbeit und Technik verfasst wurde und am 13. November 2018 im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert wurde.

„Der Begriff der mobilen Arbeit ist schwer zu fassen und insofern mit jenem der Flexibilität zu vergleichen“, erklärte die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Agnes Streissler-Führer in ihrem Eröffnungsstatement. Zu Recht wünschten sich ArbeitnehmerInnen bewegliche, lockere und undogmatische Formen der Arbeitserbringung, letztlich sei Flexibilität jedoch gegen die Interessen der Beschäftigten gerichtet worden und zu einem Synonym für Deregulierung und Wirtschaftsliberalisierung umgedeutet worden.

„Irgendwie fängt irgendwann, irgendwo die Zukunft“

Es sei somit zentral, die Erscheinungsformen mobiler Arbeit und die damit verbundene Möglichkeit, Autonomie und Gestaltungsmöglichkeiten zu erreichen, mitzugestalten und im Sinne der Beschäftigteninteressen zu interpretieren. Die Zukunft solle daher nicht wie im 80er Jahre-Popsong von Nena „irgendwie, irgendwo und irgendwann“ anfangen, sondern jetzt und heute in den österreichischen Unternehmen, unter Beteiligung der Betriebsräte und der Beschäftigten.

Die Nutzung digitaler Technologie sei heute allgegenwärtig und keine bewusste Entscheidung mehr, schilderten Universitätsprofessor Jörg Flecker und sein Dissertant Dominik Klaus die technologischen Entwicklungen in der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die ArbeitnehmerInnen aus soziologischer Sicht. Ihre besondere Sorge gelte dabei der Gefahr der Entgrenzung – ob durch hohen Arbeitsdruck oder durch die Tendenz zur „Selbstausbeutung“ besonders engagierter Beschäftigter. Flecker und Klaus sprachen sich schon aus gesundheitlicher Sicht dafür aus, Arbeitszeit und Freizeit stärker voneinander abzugrenzen. Je flexibler und mobiler Beschäftigte arbeiten würden, desto gestresster seien sie auch.

Mobile Arbeit müsse rechtlich genau geregelt werden, ist Andrea Komar, die Leiterin der GPA-djp Bundesrechtsabteilung überzeugt. So gebe vielfach bereits das Gesetz Grenzen vor, die es jedoch auch zu achten gelte. Zugleich sei das Thema der mobilen Arbeit jedoch auch eines, das einer Aushandlung zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen bedürfe, teilweise durch einzelvertragliche Regelungen, teilweise durch Betriebsvereinbarungen.

Verena Spitz ist stellvertretende Zentralbetriebsratsvorsitzende bei der BAWAG-PSK und Vorsitzende des Beirates für Arbeit und Technik. Sie berichtete aus ihrer betriebsrätlichen Praxis aber auch von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Nutzung unterschiedlicher Formen mobiler Arbeit. Zwar gebe es einen rechtlichen „Graubereich“, der sich ständig vergrößere, dennoch könne mobile Arbeit angenehmeres und autonomeres Arbeiten ermöglichen. Faire betriebliche Spielregeln seien dabei unerlässlich aber nicht hinreichend. Darüber hinaus müssten ArbeitgeberInnen auch das nötige Vertrauen zu ihren MitarbeiterInnen aufbringen, die dann nicht mehr ständig am Arbeitsplatz greifbar seien.

Faire Arbeit soll kein „Schloss aus Sand“ sein

Das Vordringen mobiler Arbeit ist keine natürliche Entwicklung, sondern kann und muss gesteuert und beeinflusst werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Interessen der Beschäftigten bestmöglich gewahrt und Selbst- oder Fremdausbeutung verhindert werden. Nur dann kann sichergestellt werden, dass der Einsatz mobiler Technologie zu besseren Arbeitsbedingungen führt und das Versprechen der mobilen Arbeit nicht, wie Nena singt, zum „Schloss aus Sand“ wird, das den Beschäftigten zwischen den Fingern zerrinnt.

Die Broschüre der GPA-djp versucht gerade in Bezug auf die sich stellenden rechtlichen Fragen konkrete Antworten zu geben. Sie knüpft an die in der GPA bereits seit 1994 laufende gewerkschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Telearbeit“ an. So werden die arbeits- und sozialrechtliche Grundlagen dessen, was bei unterschiedlichen Formen mobiler Arbeit zu beachten ist, ebenso dargestellt, wie die geltende Rechtslage im Hinblick auf Gesundheitsschutz, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeit- und Leistungskontrolle, sowie den Gebrauch privater Geräte als Arbeitsmittel. Die Broschüre versucht darüber hinaus, das Thema mobile Arbeit aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten: Aus Sicht von ArbeitnehmerInnen, Betriebsräten, Führungskräften und jener der Unternehmensleitung.

Michael Gogola, Isabel Koberwein, Claudia Kral-Bast, Irene Krenn, Fritz Spinka, Verena Spitz, Helmut Wolff: Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann. Zur Gestaltung mobiler Arbeit, 58 Seiten, GPA-djp, Wien 2018.

(Beitrag zunächst erschienen auf KOMPETENZ-online)

Offener Brief zur ePrivacy-Verordnung

Quelle: GPA-djp

Die Ausweitung der europäischen Datenschutzregeln auf elektronische Kommunikation wird dringend benötigt!

Ein offener Brief soll den zuständigen Ministern Hofer und Blümel die Dringlichkeit der Umsetzung klarmachen!

Die Grundrechtsorganisation epicenter.works formulierte einen offenen Brief an die beiden Minister Norbert Hofer und Gernot Blümel. Die Abteilung Arbeit & Technik und die GPA-djp als gesamte Organisation unterstützen die erhobenen Forderungen zur ePrivacy-Verordnung.

5 Forderungen // 15 Organisationen

Gemeinsam mit vielen 14 anderen Organisationen hat auch die GPA-djp den Brief an die Bundesminister Norbert Hofer und Gernot Blümel unterzeichnet und steht damit hinter den darin enthaltenen Forderungen.

Obwohl der Entwurf der Verordnung bereits im Jänner 2017 von der Europäischen Kommission vorgelegte wurde, konnte sich der Europäische Rat noch immer auf keine allgemeine Ausrichtung einigen.

Nicht nur fordern wir gemeinsam mit epicenter.works die Beschleunigung des Prozesses – die ePrivacy-Verordnung wäre ein wichtiger Schritt in die Richtung zu stärkerem Recht auf Privatsphäre jedes Einzelnen / jeder Einzelnen und hinkt der technischen Entwicklung ohnehin schon hinterher – sondern es geht auch darum, Schwachstellen in den derzeitigen Privatsphäre- und Vertraulichkeits-Regeln im Bereich elektronischer Kommunikation zu beseitigen.

Es geht außerdem um:

  • die Schaffung von Rechtssicherheit für jeden (Unternehmen wie Einzelpersonen)
  • den Schutz des Rechts auf Privatsphäre und Vertraulichkeit der Kommunikation
  • das Sichern dieses Schutzes durch technische Gestaltung („privacy by design“) und Voreinstellungen („privacy by default“)
  • Transparenz und die Ermöglichung einer bewussten Entscheidung jedes Nutzers/jeder Nutzerin
  • das Verbot von Tracking-Walls – die Verweigerung des Zugangs zur Website, sollte der Verarbeitung der personenbezogenen Daten über Cookies nicht zugstimmt werden
  • die Zurückerlangung der Kontrolle über die Nutzung der eigenen Daten
  • das Einschränkung von Technologiemonopolen und deren Verwendung von personenbezogenen Daten
  • die Verhinderung von Massenüberwachung und Vorratsdatenspeicherung

Welche Bedeutung der österreichischen Ratspräsidentschaft im Hinblick auf die ePrivacy-VO zukommen könnte, und welche wesentlichen Regelungen dieser Reformvorschlag beinhaltet, lässt sich hier nachlesen.

Das Ziel muss ein Abschluss des umfassenden Prozesses der Schaffung einer europäischen ePrivacy-Verordnung Anfang 2019 sein. Dafür muss die Bundesregierung während der österreichischen Ratspräsidentschaft nun aktiv werden, damit die weiteren Verhandlungen rasch aufgenommen werden können.

Der gesamte Text des Briefes findet sich hier: E-Privacy_Offener Brief

 

Ein Resümee der diesjährigen BAT-Tagung

Quelle: GPA-djp

Digitalisierung mitgestalten – Wie (geht) das?

Die Tagung des Beirats für Arbeit & Technik vom  10.10.2018

 

Im Rahmen der diesjährigen BAT-Tagung haben sich die Mitglieder des Beirats für Arbeit & Technik mit der Frage auseinandergesetzt, wie man als BetriebsrätIn die Digitalisierung im Unternehmen mitgestalten kann. Welche Herausforderungen treten auf? Wie sieht’s mit der Mitbestimmung und das Recht des BR auf Information aus? Welche Schritte kann dieser setzen?

Treffpunkt war bei einem der bekanntesten Jugendstil-Gebäude Wiens: die BAWAG P.S.K. am Georg-Coch-Platz. Nach den Plänen von Otto Wagner erbaut, wurde das mit Steinplatten verzierte Gebäude 1906 eröffnet. Das hinter den Kassensälen befindliche Museum Wagner:Werk konnte in der Mittagspausen besucht werden. Möglicherweise eine der letzten Möglichkeiten, den großen Kassensaal mit den Schaltern aus dunklem Holz, den schönen Glaskacheln am Boden und dem beeindruckenden Glasdach zu besichtigen, da das Gebäude verkauft wurde und die Bawag P.S.K zum neuen Stammsitz am Wiener Hauptbahnhof umziehen wird.

Digi-Check

Zunächst ging es bei der diesjährigen BAT-Tagung um die Digitalisierung in der GPA-djp – genauer gesagt um den Digi-Check der GPA-djp. Die BAT-Mitglieder durften als „Versuchskaninchen“ und TesterInnen noch vor Veröffentlichung dieses Online-Tool für BetriebsrätInnen auf Herz und Nieren testen – was sich die BAT-Mitglieder naturgemäß nicht zweimal sagen ließen.

Das Online-Tool bietet BetriebsrätInnen über die Beantwortung bestimmter Fragen die Möglichkeiten herauszufinden, wo ihre Betriebe in Sachen Digitalisierung im Vergleich zu anderen stehen und wo es möglicherweise noch Verbesserungspotential gibt. Die Ergebnisse können dann mit den dafür besonders geschulten Digi-CheckerInnen der GPA-djp besprochen und gemeinsam Verbesserungsstrategien erarbeitet werden. Ausgerollt wird dieses Tool voraussichtlich Anfang nächsten Jahres.

Rückschau – Prozess – Zukunft

Der Nachmittag stand im Zeichen der persönlichen Erfahrungen mit den Digitalisierungsstrategien und –projekten in den eigenen Unternehmen. In Gruppenarbeiten wurden die bisher umgesetzten Projekte (bspw. Videokonferenz-Tools, elektronische Aktenablagesysteme etc.) und die anstehenden und zukünftigen Pläne besprochen und die Möglichkeiten der Mitgestaltung jedes Einzelnen / jeder Einzelnen diskutiert.

„Wenn ich morgen in meinen Betrieb zurückkehre und dieses Projekt in Umsetzung geht, was brauche ich dazu…?“

Bestimmt im Unternehmen der Algorithmus, ob man ein/e gute/r oder schlechte/r ArbeitnehmerIn ist? Ein Programm überprüft die Arbeit in Echtzeit, wertet die Fehler aus und leitet sie weiter? Umso höher die Fehlerquote, umso zahlreicher die Überprüfungsschleifen? Jeder Klick wird aufgezeichnet und bewertet?

In einem zweiten Schritt ging es darum, sich in der Gruppe für eines dieser zukünftigen Projekte im Bereich der Digitalisierung zu entscheiden und sich konkrete Handlungsschritte zu überlegen, die der/die BRIn bei der Umsetzung benötigen könnte.

Dabei ging es teilweise erstmal darum, überhaupt rechtzeitig über die geplanten Änderungen informiert zu werden. Dann ist für BetriebsrätInnen natürlich die Beschaffung aller relevanten Informationen rund um das Projekt unumgänglich und auch die Befragung von ExpertInnen – bspw. jenen der GPA-djp –  könnte ein wichtiger Schritt sein. Dabei kann auch die Broschüre „Arbeitswelt 4.1.“ eine wichtige Ressource sein. Außerdem ist es wichtig seine MitstreiterInnen (bspw. ZBR) und sein Gegenüber zu kennen und das Gespräch mit diesen zu suchen. Selbstverständlich sind auch KollegInnen zu informieren und das Projekt im Betrieb zu thematisieren. All diese Schritte wurden den ganzen Nachmittag über diskutiert und so mögliche Schritte zur Mitgestaltung bei Digitalisierungsprojekten erarbeitet.

Wie lautet also die Bilanz der diesjährigen BAT-Tagung? Die Digitalisierung geht voran, ob‘s uns gefällt oder nicht – aber wie die digitale Transformation in den Unternehmen von statten geht, da haben die BetriebsrätInnen und die MitarbeiterInnen ordentlich etwas beizutragen und mitzureden!

Die Broschüren zum Weiterlesen

 

Die EU-Urheberrechtsreform

Quelle: Bilderbox

Was Uploadfilter und Linksteuer mit dem freien Internet zu tun haben

Untätigkeit kann man den EU-Institutionen im Hinblick auf datenschutzrelevante Themen wirklich nicht vorwerfen: Erst Anfang September stimmte das EU-Parlament für ein neues europäisches Urheberrecht, durch welches das Internet nachhaltig verändert werden könnte.

Worum geht es?

Schon seit längerem wird auf EU-Ebene eine neue Richtlinie zur Reform des Urheberrechts für Internetinhalte verhandelt. Schon in der Vergangenheit war ein Entwurf der Kommission vom Parlament abgelehnt worden. Am 12. September wurde schließlich ein neuer Anlauf unternehmen – und der Entwurf tatsächlich vom EU-Parlament angenommen.

Inhaltlich umstritten waren im Vorfeld insbesondere die im Entwurf enthaltenen „Uploadfilter“ und die „Linksteuer“. Bei den Regelungen zu „Uploadfiltern“ geht es wesentlich darum, dass Internetplattformen, die hauptsächlich von jenen Inhalten leben, die von den NutzerInnen zur Verfügung gestellt werden, also etwa Youtube oder Facebook, diese Inhalte künftig auf mögliche Urheberrechtsverletzungen überprüfen müssen. Aufgrund der riesigen Datenmengen, die auf derartige Plattformen hochgeladen werden, können Überprüfungen in sinnvoller Weise jedoch nur maschinell erfolgen – eben mittels bestimmter „Filter“, die die hochgeladenen Inhalte scannen und gegebenenfalls sperren. Schon bisher werden solche Filter auf vielen Plattformen eingesetzt, sind jedoch immer wieder auch Ziel von Kritik. So scheinen die Filter nicht immer treffsicher zu sein und zum Teil auch Inhalte zu blocken, die gar nicht gegen Rechte verstoßen. Befürchtet wird, dass die eingesetzten Filter auch künftig etwa Satire oder bloße Zitate nicht als solche erkennen würden. Auch Plattformen, die Informationen frei zugänglich machen, etwa die Online-Enzyklopädie Wikipedia, könnten von den geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen betroffen sein.

Mit der „Linksteuer“ soll hingegen ein EU-weites Leistungsschutzrecht etabliert werden. So soll künftig verhindert werden, dass Artikel im Internet ohne Zustimmung des/der RechteinhaberIn reproduziert werden. Diese Maßnahme richtet sich insbesondere gegen Dienste wie Google News, die systematisch die Inhalte unterschiedlicher Medienplattformen überblicksartig zusammenstellen. So sollen künftig nur noch einzelne Worte aus den entsprechenden Beiträgen in den Links wiedergegeben werden dürfen.

Lob und Kritik

In der öffentlichen Debatte gibt es bislang sehr unterschiedliche Stimmen zum Richtlinienentwurf. Unterstützt wird der Vorstoß insbesondere von Verlagen und traditionellen Medienunternehmen, die in Brüssel offenbar stark für die neuen Regelungen lobbyierten. Doch auch eine lange Liste bekannter MusikerInnen, auch aus Österreich, setzte sich für das neue Urheberrecht ein. Betont wurde dabei, dass auch Künstler und Kreative Anspruch auf den Schutz ihrer Rechte hätten – auch im Internet.

Der deutsche CDU-Politiker und Abgeordnete zum Europäischen Parlament Axel Voss gilt als prominenter Fürsprecher neuer urheberrechtlicher Regelungen in Bezug auf Internetinhalte und trat im Zusammenhang mit dem erneuerten Entwurf der EU-Kommission für eine EU-Urheberrechts-Richtlinie als Berichterstatter auf. Voss freute sich über den Beschluss des Parlaments, konnte anschließend jedoch zunächst gar nicht genau sagen, welche inhaltlichen Punkte nun beschlossen worden waren – bei hunderten Abänderungsanträgen jedoch kaum verwunderlich.

Datenschutz-NGOs wiederum kritisieren die gesetzgeberischen Pläne vehement und sehen die Grundlagen des freien Internets in Gefahr. So könnten die vorgesehen Uploadfilter zur Durchsetzung von Zensurmaßnahmen dienen und die Meinungsfreiheit im Internet einschränken. Die NGO epicenter.works spricht gar von einer „katastrophalen Weichenstellung“ und sieht die geplanten Regelungen als nicht mit den Grundrechten vereinbar an. Die Regelungen würden hauptsächlich die Interessen großer Internetkonzerne wie Google stärken, die ihre Marktmacht künftig noch intensiver ausspielen könnten. Stattdessen wird eine „ausgewogene Lösung“ gefordert, die sowohl auf die Bedürfnisse von KünstlerInnen und RechteinhaberInnen Rücksicht nimmt, als auch das Internet als offene Plattform erhält.

Wie geht es nun weiter?

Der nun erfolgte Beschluss des EU-Parlaments bedeutet lediglich, dass nun der sogenannte „Trilog“ startet. Parlament, Kommission und Rat verhandeln also zu dritt über die Inhalte der neuen Richtlinie, bevor der gesamte Text nochmals dem EU-Parlament zur Abstimmung vorgelegt wird. Bis das neue EU-Urheberrecht wirklich in Kraft tritt, kann es also noch dauern.

Another brick in the wall: Die E-Privacy-VO

Quelle: Bilderbox

Nach dem Inkrafttreten der DSGVO am 25.5.2018 steht bereits das nächste datenschutzrechtliche Großprojekt der EU auf dem Programm: Die E-Privacy-Verordnung.

Die E-Privacy-VO sollte ursprünglich gemeinsam mit der DSGVO in Kraft treten – dazu kam es jedoch nicht, sie steckt nach wie vor im Gesetzgebungsverfahren fest. Während des österreichischen EU-Ratsvorsitzes im zweiten Halbjahr 2018 gewinnt das Thema nun wieder an Brisanz.

Die ursprünglichen Pläne der EU-Kommission

Ursprünglich legte die EU-Kommission bereits im Jänner 2017 einen Verordnungsentwurf vor. Dessen Ziele: ein wirksamerer und besserer Schutz der Privatsphäre und der verarbeiteten personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit der elektronischen Kommunikation. Nach Auffassung der Kommission ist ein „wirksamer Schutz der Vertraulichkeit der Kommunikation unverzichtbar für die Ausübung der Rechte auf freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit sowie andere damit verbundene Rechte wie derjenigen auf Schutz personenbezogener Daten oder auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.“ Die E-Privacy-VO sollte somit die Bestimmungen der mittlerweile in Kraft getretenen DSGVO ergänzen.

Die wesentlichen Regelungsinhalte

Als einen zentralen Punkt legt der Verordnungsentwurf fest, dass die Endgeräte (also etwa Computer oder Smartphone) von InternetnutzerInnen und alle Informationen, die mit diesen Geräten in Verbindung stehen, Teil der Privatsphäre der NutzerInnen sind. Bisher ist es üblich, das Nutzungsverhalten im Internet oder diverse andere Umstände (bis hin zur Größe des Bildschirms, von dem aus gesurft wird), mittels als „Cookies“ bezeichneter Programme nachzuvollziehen und zu überwachen. In dieselbe Richtung geht das „Tracking“ der im Internet surfenden Personen – es wird also erhoben, welche Websites zuvor und welche anschließend aufgerufen werden. Aus der Zusammenschau der so erhobenen Daten lassen sich detaillierte NutzerInnenprofile erstellen. Dafür soll, geht es nach der Kommission, künftig eine Einwilligung der NutzerInnen erforderlich sein. Gemäß dem Grundsatz „Datenschutz durch Technikgestaltung“, der datenschutzfreundliche Grundeinstellungen vorschreibt, müssen derartige Programme, die das Nachvollziehen von Nutzungsverhalten möglich machen, also grundsätzlich deaktiviert sein.

Auch im Bereich der elektronischen Kommunikation, etwa in Bezug auf Dienste wie Whatsapp oder andere Online-Messenger und Telefonieanbieter wie Skype, soll es zu Veränderungen kommen. Daten, die im Zusammenhang mit Online-Kommunikation stehen, auch sogenannte „Meta-Daten“ über die Umstände der Kommunikation, sollen grundsätzlich nur mit Zustimmung der NutzerInnen oder unter ganz bestimmten, eng gefassten Bedingungen verarbeitet werden dürfen, um die Privatsphäre der kommunizierenden Personen effektiv zu schützen. Ein Abgreifen von Daten, die auf den Endgeräten gespeichert sind bzw. ein „Abhören“ oder Erfassen des Inhalts und der Umstände der Unterhaltung wäre somit unzulässig.

Widerstand und Kritik

Gegen die geplante Verordnung laufen insbesondere VerlegerInnen und VertreterInnen der Werbewirtschaft Sturm. Sie befürchten, künftig nicht mehr so zielgerichtet wie bisher im Internet werben zu können und daher Einnahmen zu verlieren. Das ist wohl auch der Grund, warum in Brüssel seit Monaten aggressives Lobbying für abgeschwächte Formulierungen in der Verordnung und von der Werbeindustrie ein „Spiel auf Zeit“ betrieben wird. Dieses wiederum wird von Datenschutz-NGOs wie epicenter works massiv kritisiert. Zwar habe die DSGVO erste Rahmenbedingungen für die Datenverarbeitung geschaffen, die E-Privacy-VO sei jedoch ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu umfassender Privatsphäre im Internet.

Was die österreichische Regierung jetzt tun könnte (und was sie wirklich tut)

Angesichts des stockenden Gesetzgebungsprozesses auf EU-Ebene kommt Österreich während seiner EU-Ratspräsidentschaft nun eine bedeutende Rolle zu. So könnten durch kluge Vermittlung Österreichs Verhandlungsprozesse wieder in Gang und die E-Privacy-VO auf den Weg gebracht werden. Bisher zeichnet sich die österreichische Bundesregierung, im Gleichklang mit großen EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, jedoch nicht durch besonders datenschutzfreundliches Verhalten aus, sondern scheint neben einer Reihe von innerstaatlichen Maßnahmen, wie etwa der mit 1.9.2018 in Kraft tretenden Ausweitung der Höchstarbeitszeitgrenzen, auch in puncto Datenschutz die Wünsche der Industrie erfüllen zu wollen. So wurde erst jüngst vorgeschlagen, die Bestimmungen zum „Datenschutz durch Technikgestaltung“ komplett zu streichen.

Ausblick

Angesichts der umfangreichen Konflikte, die rund um das Thema Datenschutz ausgefochten werden, ist wohl kaum mit einer raschen Beschlussfassung zu rechnen. Es bleibt an dieser Stelle wohl zu hoffen, dass sich die LobbyistInnen und VertreterInnen der großen Verlagshäuser und der Werbeindustrie nicht durchsetzen und ihre Blockadehaltung aufgeben müssen. Erst dann wäre der Weg frei für weitere datenschutzrechtliche Verbesserungen auf EU-Ebene, die angesichts des Grundrechts auf Privatsphäre dringend geboten sind.

Neue Datenschutzregeln in Kalifornien

Quelle: Bilderbox

Die DSGVO wird nun in anderen Teilen der Welt zum Vorbild genommen

In Europa herrschte in den letzten Wochen und Monaten große Aufregung über das Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), deren Entstehungsgeschichte unter anderem auf diesem Blog  intensiv begleitet wurde. So wurden Vorwürfe erhoben, die gesetzlichen Neuerungen, die die DSGVO mit sich brachte, würden große bürokratische Hürden insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen aufstellen.   die Vorteile für Einzelpersonen, die sich nun unmittelbar auf die Bestimmungen der Verordnung berufen und ihre Rechte in Bezug auf den Schutz ihrer personenbezogenen Daten besser durchsetzen können, oftmals weniger diskutiert.

Für stärkeren Datenschutz wurde kampagnisiert…

Inzwischen scheinen die Inhalte der DSGVO jedoch bereits über das Gebiet der Europäischen Union hinaus auszustrahlen. Die Verordnung wird in anderen Teilen der Welt geschätzt und zum Vorbild für ähnliche legislative Maßnahmen genommen. So konstituierte sich in den vergangenen Monaten im US-Bundesstaat Kalifornien eine BürgerInneninitiative und machte sich für ein strengeres Datenschutzrecht auf bundesstaatlicher Ebene stark. Der Auslöser für die Beschäftigung mit dem Thema Datenschutz war der Initiatorin zufolge ein privates Gespräch mit einem Google-Mitarbeiter. Dieser habe eingeräumt, die Menschen würden sich wohl stärker um ihre Privatsphäre sorgen, wenn ihnen bekannt wäre, was Google alles über sie weiß.

Gefordert wurde insbesondere ein Widerspruchsrecht zum Verkauf von NutzerInnendaten durch Technologieunternehmen wie Google oder Facebook an Dritte sowie eine Verantwortlichkeit jener Unternehmen für den Fall von data breaches. Zudem sollte NutzerInnen gegenüber offengelegt werden, welche ihrer Daten verarbeitet und an wen sie verkauft werden. Entsprechend ablehnend reagierten die zu einem Teil auch in Kalifornien ansässigen Technologiekonzerne und starteten unter hohem finanziellem Aufwand eine Gegenkampagne.

…und dieser letztlich auch umgesetzt.

Unter dem Druck der Initiative wurde im vergangenen Juni tatsächlich der California Consumer Privacy Act of 2018  beschlossen und soll mit 2020 in Kraft treten. Mit einer im Vergleich zu den Forderungen der Initiative nicht unwesentlichen Änderung: Unternehmen müssen bloß Auskunft darüber geben, an welche „Kategorie“ von Unternehmen NutzerInnendaten weiterverkauft werden, die EmpfängerInnen der Daten müssen jedoch nicht benannt werden.

Zumindest im Sinne der KonsumentInnen werden ab 2020 in Kalifornien also die Regeln über den Datenschutz gestärkt. Zwar werden die hohen Standards, die von der EU-DSGVO vorgegeben werden, nicht erreicht und insbesondere auch nicht dieselbe Fülle an individuellen Rechten gewährt. Immerhin wird künftig aber auch in Kalifornien für Unternehmen, die mit dem Verkauf von NutzerInnendaten Geschäfte machen, der Rechtfertigungsdruck steigen.

Die Gig Economy wehrt sich

willst du eine Plattform liken… könnt es sein, dass die grad streiken

Den oft millionenschweren Online-Plattformen bläst scharfer Gegenwind von den eigenen Beschäftigten und vom „analogen“ Gewerbe entgegen.

Derzeit werden unzählige Dienstleistungen von sogenannten „Plattformarbeitern/-innen“ angeboten; sie transportieren Personen, stellen Lebensmittel zu, putzen Wohnungen, designen Logos, übersetzen Betriebsanleitungen, fotografieren Geschäftslokale und vieles mehr – und das alles wird über Online-Plattformen abgewickelt. Plattformarbeiter/-innen bieten ihre Dienste nicht in klassischer Weise an. Der Kontakt zwischen Kunde/-in und Arbeiter/-in wird über eine Online-Plattform hergestellt. Dafür kassieren die Plattformen in der Regel hohe Provisionen – die Arbeitenden hingegen erhalten in vielen Fällen sehr niedrige Löhne.

Die Arbeitenden rufen den Streik aus

Die Arbeitsbedingungen der Plattformarbeiter/-innen hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu Protesten geführt. Das ist keineswegs selbstverständlich. Nicht nur, weil das Arbeiten über Online-Plattformen eine sehr junge Form der Leistungserbringung darstellt und daher kaum gewerkschaftliche Organisationsstrukturen zur Unterstützung von Protesten und Kampfmaßnahmen existieren, sondern auch, weil die einzelnen Arbeitenden in vielen Fällen räumlich voneinander getrennt sind und jedeR für sich arbeitet.

Schon im Sommer 2016 streikten in London die Fahrradkuriere/-innen des Zustelldienstes Deliveroo, die von der Plattform als Selbstständige eingestuft werden. Bis Sommer 2016 betrug der Stundenlohn der Deliveroo-Kuriere und Kurierinnen 7 £. Zusätzlich wurde eine Art Prämie von 1 £ pro erfolgter Lieferung ausgezahlt. Nach dem Willen der Plattform sollte der einheitliche Mindestlohn durch eine erhöhte Prämie von 3,75 £ ersetzt werden. Die Einstufung der Fahrrad-Kuriere und -Kurierinnen als Selbstständige und somit auch das Vorenthalten des stündlichen Mindestlohnes ist rechtlich äußerst fragwürdig. Die Kuriere und Kurierinnen konnten durch ihre beharrliche Streiks erreichen, dass sie nun selbst wählen können, nach welchem System sie entlohnt werden wollen.

Bei Deliveroos größter Konkurrenz, dem deutschen Online-Anbieter Foodora, gab es ebenfalls Kampfmaßnahmen der Fahrrad-Boten und Botinnen. Sie  forderten in der italienischen Stadt Turin bessere Arbeitsbedingungen sowie Kostenersatz für die Abnutzung der im Job verwendeten privaten Fahrräder und der Kosten für die Handy-Internettarife. Wie die Deliveroo-KurierInnen in London sollten auch die Foodora-KurierInnen in Turin von einer Bezahlung per Stundenlohn auf eine leistungsbezogene Entlohnung umgestellt werden, die unmittelbar mit der Anzahl der erledigten Aufträge zusammenhing. Anders als in London wurden in Turin jedoch die meisten Forderungen der KurierInnen nicht erfüllt.

Auch das „analoge“ Gewerbe leistet Widerstand

Mit Gegenwind der anderen Art ist Uber konfrontiert. Uber ist das wertvollste Plattformunternehmen weltweit und ein Anbieter von Personenbeförderung. So protestierten Anfang 2017 unzählige Taxilenker/-innen in Rom, Mailand, Neapel, Genua und Turin gegen gesetzliche Bestimmungen, die es Uber-Lenkern/-innen erlauben sollten, ihre Fahrtlizenzen in kleineren Städten billig zu erwerben und anschließend in den großen Städten mit hoher Taxidichte zu verwenden. Darin wurde eine Benachteiligung von Taxi-Lenkern/-innen gegenüber Uber-Fahrern und Fahrerinnen gesehen. Als Reaktion auf die Proteste wurde die Gesetzesinitiative schließlich von der italienischen Regierung verschoben.

Wie geht es weiter?

Plattformökonomie dringt in immer weitere Teile von Gesellschaft und Arbeitsleben vor. Somit sind wohl auch künftig Konflikte um die Rechte von Beschäftigten vorprogrammiert. Dass in vielen Bereichen der Plattformökonomie extrem niedrige Löhne gezahlt werden und schlechte Arbeitsbedingungen herrschen, lässt sich nicht von der Hand weisen. Zugleich zeigen die bisherigen Proteste, dass es sich bei den Plattformarbeitern/-innen um eine besonders schutzwürdige und dennoch – bislang zumindest – gewerkschaftlich kaum vertretene Gruppe von Beschäftigten handelt.

Wer seine/ihre Erfahrungen als Plattform-Arbeiter/-in oder als Betriebsrat/-rätin mit Digitalisierung in einem Projekt des Europäischen Gewerkschaftsbundes einbringen möchte, hat in einer online-Umfrage die Gelegenheit dazu. Auch Vertreter und -Vertreterinnen der Gewerkschaft sind herzlich dazu eingeladen.

Ein Angebot zur Vernetzung zwischen Plattformarbeitenden und Gewerkschaft bietet die internationale Plattform faircrowdwork.

der die oder das Digitalisierung

welches Geschlecht hat die Digitalisierung?

ein Schnelldurchlauf durch den Digitalisierungsdiskurs aus Genderperspektive

Auf den ersten Blick mögen die Vor- und Nachteile der bit- und byte-getriebenen Veränderungen in der Arbeitswelt für alle Menschen gleich sein. JedeR hat Zugang zum gleichen Internet; Roboter unterscheiden nicht, ober einer Frau oder einem Mann zugearbeitet wird. Die Digitalisierung der Arbeitswelt präsentiert sich weitgehend geschlechtsneutral.

Die Forschungsinstitute L&R und ZSI haben sich gemeinsam im Auftrag des Sozialministeriums angesehen, wie viel Schnittmenge derzeit zwischen Digitalisierung und Gender besteht. In drei Teilbereichen, nämlich der Darstellung von Frauen in Bildern und Fachliteratur, der Förderpolitik und den Qualifikationsprofilen, haben sich Nadja Bergmann, Helmut Gassler und Ferdinand Lechner des umfangreichen Themas angenommen.

Um ein Ergebnis von der Studienautorin Nadja Bergmann formuliert, gleich vorweg zu nehmen:

Das gegenseitige Interesse von Frauenforschung und Digitalisierung ist eher Mangelware.

„Je weniger darüber gesprochen wird, umso wirkmächtiger ist die Geschlechterdifferenz.“ (Paula-Irene Villa)

Geschlechterdifferenzen sind mit der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt kleiner geworden. Branchen, in denen derzeit viel automatisiert, standardisiert, also digitalisiert, wird, sind traditionelle Frauenbranchen (Handel, Banken). Die Auswirkungen sind aber nicht direkt der Arbeitsplatzverlust, sondern eine andere Arbeitsgestaltung (standardisierte Arbeitsabläufe), neue Geschäftsmodelle (e-commerce) und auch sozial andere Anforderungen (weniger direktes KundInnenservice).

Die einzige Studie aus Österreich, die es derzeit zu geschlechtsspezifischen Auswirkungen am Arbeitsmarkt gibt, stammt von Julia Bock-Schappelwein (WIFO). Die Arbeiterkammer hat ein Projekt gestartet, das sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung in jenen Berufen beschäftigt, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden.

In der bildlichen Darstellung von Digitalisierung lässt sich ebenfalls eine Verzerrung feststellen. Die dominante Gruppe sind weiße Männer unter 40. Anwender, Entwickler, interessierte Messebesucher, sie alle sind in der Mehrzahl dieser Gruppe zuzuordnen. Einzig im „Live-Science-Labor“ schaffen es auch einige Frauen auf die Bilder. Auch als Anwenderin mit der der augmented-reality-Brille ist sie ein beliebtes Sujet. An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass eine Publikation des ÖGB-Verlags, die sich reich bebildert auf die „Suche nach den Pionieren (sic!) der Industrie 4.0″ begibt, diesbezüglich keine Ausnahmeerscheinung ist.

Frauen werden in dreierlei „Varianten“ wahrgenommen:

  • die „fehlende Frau“, die sich zu wenig auf die sich ihr öffnenden Möglichkeiten stürzt, sich zu wenig bewirbt, sich nicht die passende Ausbildung wählt und daher – leider – nicht vorhanden ist;
  • die „zu fördernde Frau“, der man die richtige Ausbildung schmackhaft machen müsste, der man die richtige Unterstützung (von Männern) angedeihen lassen müsse;
  • und die „gute Frau„, die Multitasking kann, die soziale, vernetzende, organisatorische und feinmotorische Fähigkeiten besitzt, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchte und der versprochen wird sie werde von der derzeitigen Entwicklung profitieren.

Es handelt sich vorwiegend um eine passive oder mangelbehaftete Darstellung von Frauen

Erstaunlich findet die Soziologin Nadja Bergmann, dass in der Fachliteratur die Gegenüberstellung von physischer Kraft und sozialen Kompetenzen und deren  – angeblich – ungleiche Verteilung auf die beiden Geschlechter nach wie vor als Begründung für ungleiche Chancenverteilung am Arbeitsmarkt angeführt wird.

Mir kommt die Debatte bekannt vor; wie die, die in den 1970er Jahren rund um Automatisierung und das Arbeitsvermögen von Frauen geführt wurde.

Gefunden wird eine Genderperspektive dann, wenn es um die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ geht. Theoretisch sollte die Digitalisierung, die Unabhängigkeit von fixem Arbeitsort und fixen Arbeitszeiten erleichtern. De facto nimmt der Druck zu, alles jederzeit und gleichzeitig zu erledigen.

Im österreichischen Forschungsförderungssystem ist die Genderperspektive nur rudimentär berücksichtigt. Die großen Förderprogramme (finanziert von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, FFG, und Austria Wirtschafsservice GesmbH, AWS) unterstützen vorwiegend jene Forschung, die von den Marktführern, den so genannten „frontrunnern“ getätigt wird, und da steht in den seltensten Fällen der Genderaspekt im Vordergrund. Auch „Digitalisierung“ steht selten im Titel, an den konkreten Einreichungen lässt sich aber unschwer erkennen, dass es um ebendiese geht, diagnostiziert Helmut Gassler.

Interessante Ausnahme ist der „Roboterrat„, der unter der Leitung von Prof. Sabine Köszegi (TU Wien) und ihrem acht-köpfigen, inter-disziplinären und inter-nationalen Team, in dem sich auch drei Frauen befinden, Strategien zum Umgang mit Robotern ausgearbeitet werden sollen.

(Fast) jeder Digitalisierungdiskurs dreht sich auch um Bildung und Qualifizierung. Eine Hypothese besagt, Frauen würden mehr von der Digitalisierung profitieren können, hätten sie mehr „digitale Kompetenzen“ (wie auch immer diese konkret definiert sind). Die Debatte um Aus- und Weiterbildung sei jedoch relativ verengt auf den Industriesektor bezogen, stellt Ferdinand Lechner fest. Vor- und nachgelagerte Dienstleistungen bleiben weitgehend unbeachtet.

Der blind-spot Gender geht Hand in Hand mit dem blind-spot in den Qualifikationsanforderungen im Dienstleistungsbereich.

Der Fokus in der Qualifizierung dreht sich um die Adaptierung von Lehrgängen, deren Anreicherung um „digitale Kompetenzen“ (was auch immer man darunter verstehen mag), den Frauenanteil in MINT-Fächern zu erhöhen oder „digitale Kompetenzen“ als vierte Basiskompetenz (neben Lesen Schreiben und Rechnen) bereits in den primären Bildungseinrichtungen zu vermitteln. Eine Kritik am Konzept „digitale Kompetenz“, ein Hinterfragen der Digitalisierungs- und Qualifikationsdebatte aus Genderperspektive oder auch eine Empirie für die Dienstleistungsbrache bleiben da auf der Strecke.

Macht- und Entscheidungsstrukturen werden ausgeblendet zugunsten eines technikgetriebenen Diskurses

Tanja Carstensen beschäftigt sich an der TU Hamburg und der Universität München mit dem Thema Gender und  SocialMedia.  SocialMedia-Netzwerke werden vermehrt von Frauen genutzt, da sie ihrem Kommunikationsverhalten und ihrem Bedürfnissen nach Austausch und Teilhabe entspräche. Mittlerweile ist jedoch auch belegt, dass SocialMediaAktivitäten – besonders wenn sie negative Auswirkungen wie  Hate-Speach zur Folge haben – zu einem gestiegenen Leistungsdruck und psychischer Belastung führen, denen Frauen dann auch in besonderen Maße ausgesetzt sind. Tanja Carstensen kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung keine neuen Antworten auf die alten feministischen Fragen nach der Verteilung, Bezahlung und Gestaltung von Arbeit hat. Zwar hätten die Apologeten der technischen Veränderung Besserung im Sinne der Gleichstellung versprochen; eine empirische Evidenz dafür lässt sich jedoch nicht finden.

Auch Bergmann et al. resümieren, dass die entscheidenden Fragen zur Digitaslisierung aus Geschlechterperspektive – Wie ist die (un-)bezahlte digitalisierte Arbeit verteilt? Wo gibt es Gestaltungsspielräume und für wen? – noch viel zu wenig gestellt und viel zu wenig von der öffentlichen Hand gefördert werden.

Digitalisierung ist Mitgestaltung

Blitzlichter aus einer prominent besetzten Veranstaltung

Das 18. GPA-djp Konzerneforum fand in Kooperation mit dem Beirat für Arbeit & Technik (BAT)  am 12. September statt. Im Veranstaltungs- und Freizeitzentrum der UniCredit am Wiener Kaiserwasser wurde das Thema Digitalisierung von verschiedenen Seiten beleuchtet und hinterfragt.

Dwora Stein hatte in ihrem Eingangsstatement durchaus Verständnis dafür, dass manche das Wort „Digitalisierung“ nicht mehr hören können. Sie definierte Digitalisierung als Instrument um Veränderungen zu bewältigen: „Es geht dabei um neue Geschäftsmodelle, geänderte Arbeitsprozesse, Auswirkungen auf die betriebliche Mitbestimmung und vor allem um Fragen der Verteilung.“

Es muss also aktiv mitgestaltet werden mit gemeinsamer Arbeit und Anstrengung sagt Dwora Stein und zitiert den Erfinder Thomas Edison mit den Worten:

„Genie ist 1 % Inspiration und 99 % Transpiration.“

Jan Krims ließ die Anwesenden an seiner Erfahrung als Unternehmensberater bei Deloitte teilhaben. In der Digitalisierung gehe es auch darum auseinanderzuhalten, was tatsächlich eine Neuerung darstellt, und wo nur eine „neue Verpackung auf grundlegende Probleme“ gestülpt wird, erklärt Krims. Bei vielen Führungskräften führten die Veränderungen entweder zu einer Art Schockstarre, zu überbordendem Aktionismus oder der Hilfesuche bei einem Beratungsunternehmen – was eine Zeit lang sicher sinnvoll sei, auf Dauer die Führungsaufgabe aber nicht abnehmen könne. Im Englischen werde oft von „Dizzyness“ gesprochen, was so viel wie Schwindel oder Taumel bedeutet. Tipps für die Digitalisierung lauten:

  • die Digitalisierung entmystifizieren, zB indem man die neue Sprache lernt
  • von alten Managementinstrumenten verabschieden, das sei in manchen Fällen nur „Business Theater

Agnes Streissler-Führer, Mitglied der Bundesgeschäftsführung der GPA-djp, schlug vor, als einen Umgang mit digitalem Wandel „Experimentierräume“ zu öffnen, in denen über einen längeren Zeitraum Regeln weiterentwickelt und deren Auswirkungen wissenschaftlich evaluiert werden könnten.

Sebastian Sick von der deutschen Hans-Böckler-Stiftung referierte zur Veränderung des Aufsichtsrats in Zeiten der Digitalisierung. Das einzelne Aufsichtsratsmitglied sei dazu gezwungen, sich immer mehr selbst um das Erfassen der Informationen zu kümmern. Mit Echtzeit-Daten befüllte Dashbords und mobile reporting führen zu immer schnelleren und wandlungsfähigeren Entscheidungen.

Die Präsentations-Unterlagen der Referenten und der Referentin stehen für eingeloggte Mitglieder zur Verfügung.

Quelle: GPA-djp

Die Podiumsdiskussion:

(Auf dem Foto von links nach rechts: Sophia Reisecker, Alois Stöger, Verena Spitz, Hans Hubmann, Gerda Höhrhan-Weiguni, Herbert Kepplinger)

Minister Alois Stöger wies in seinem Input darauf hin, dass es einiges zu verbessern gäbe im Arbeitsverfassungsgesetz, ihm aber dafür der Koalitionspartner fehle. Er plädierte für:

  • eine Ausweitung des Betriebsvereinbarungskatalogs; vor allem hinsichtlich neuer technischer Möglichkeiten
  • einen Anspruch der Betriebsrätegremien auf Ressourcen, insbesondere in Form von Personal
  • ungestörte Entscheidungsprozesse, denn Demokratie braucht Zeit

Hans Hubmann, scheidender Vorsitzender des Konzerneforums und Betriebsrat der Energie Steiermark, sieht vor allem gesetzlichen Verbesserungsbedarf dahingehend, dass

  • Bildung am Arbeitsplatz zu einem Recht wird, vor allem hinsichtlich neuer Technologien müssten die ArbeitnehmerInnen geschult werden
  • betriebliche Datenschutzbeauftragte unter Mitwirkung der Betriebsräte bestellt werden
  • ein echtes Verbandsklagerecht in Datenschutzangelegenheiten geschaffen wird

Gerda Höhrhan-Weiguni, Juristin im Bundesrechtsschutz der GPA-djp wies in ihrem Statement darauf hin, dass grundsätzlich gute Mitbestimmungsmöglichkeiten gegeben sind, sie aber zu wenig genutzt würden. Nachdem in der Praxis die Informationsrechte aber mehr als lax gehandhabt würden, ist sie für eine Rechtslage die es ermöglicht, dass

  • Beschlüsse zurückgenommen werden müssen, die unter Missachtung des betriebsrätlichen Informationsrechtes zustande kommen oder zumindest eine einstweilige Verfügung für derartige Beschlüsse und Maßnahmen möglich ist.

Und last but not least war Verena Spitz, Betriebsrätin der Bawag-PSK und Mitglied des Beirats für Arbeit & Technikam Wort und ergänzte, was ihr als Aufsichtsratsmitglied die Arbeit wesentlich erleichtern würde:

  • Sozialpläne in denen das Recht auf Bildung verankert ist
  • gleiche Aus- und Weiterbildung für ALLE Aufsichtsratsmitglieder; derzeit könne sich nämlich der Betriebsrat nicht dieselben Trainerinnen leisten wie die Arbeitgeberseite

Die digitalen Ergebnisse des professionellen Klickens kann man sich hier ansehen.