Category Archives: Forschung

der die oder das Digitalisierung

welches Geschlecht hat die Digitalisierung?

ein Schnelldurchlauf durch den Digitalisierungsdiskurs aus Genderperspektive

Auf den ersten Blick mögen die Vor- und Nachteile der bit- und byte-getriebenen Veränderungen in der Arbeitswelt für alle Menschen gleich sein. JedeR hat Zugang zum gleichen Internet; Roboter unterscheiden nicht, ober einer Frau oder einem Mann zugearbeitet wird. Die Digitalisierung der Arbeitswelt präsentiert sich weitgehend geschlechtsneutral.

Die Forschungsinstitute L&R und ZSI haben sich gemeinsam im Auftrag des Sozialministeriums angesehen, wie viel Schnittmenge derzeit zwischen Digitalisierung und Gender besteht. In drei Teilbereichen, nämlich der Darstellung von Frauen in Bildern und Fachliteratur, der Förderpolitik und den Qualifikationsprofilen, haben sich Nadja Bergmann, Helmut Gassler und Ferdinand Lechner des umfangreichen Themas angenommen.

Um ein Ergebnis von der Studienautorin Nadja Bergmann formuliert, gleich vorweg zu nehmen:

Das gegenseitige Interesse von Frauenforschung und Digitalisierung ist eher Mangelware.

„Je weniger darüber gesprochen wird, umso wirkmächtiger ist die Geschlechterdifferenz.“ (Paula-Irene Villa)

Geschlechterdifferenzen sind mit der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt kleiner geworden. Branchen, in denen derzeit viel automatisiert, standardisiert, also digitalisiert, wird, sind traditionelle Frauenbranchen (Handel, Banken). Die Auswirkungen sind aber nicht direkt der Arbeitsplatzverlust, sondern eine andere Arbeitsgestaltung (standardisierte Arbeitsabläufe), neue Geschäftsmodelle (e-commerce) und auch sozial andere Anforderungen (weniger direktes KundInnenservice).

Die einzige Studie aus Österreich, die es derzeit zu geschlechtsspezifischen Auswirkungen am Arbeitsmarkt gibt, stammt von Julia Bock-Schappelwein (WIFO). Die Arbeiterkammer hat ein Projekt gestartet, das sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung in jenen Berufen beschäftigt, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden.

In der bildlichen Darstellung von Digitalisierung lässt sich ebenfalls eine Verzerrung feststellen. Die dominante Gruppe sind weiße Männer unter 40. Anwender, Entwickler, interessierte Messebesucher, sie alle sind in der Mehrzahl dieser Gruppe zuzuordnen. Einzig im „Live-Science-Labor“ schaffen es auch einige Frauen auf die Bilder. Auch als Anwenderin mit der der augmented-reality-Brille ist sie ein beliebtes Sujet. An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass eine Publikation des ÖGB-Verlags, die sich reich bebildert auf die „Suche nach den Pionieren (sic!) der Industrie 4.0″ begibt, diesbezüglich keine Ausnahmeerscheinung ist.

Frauen werden in dreierlei „Varianten“ wahrgenommen:

  • die „fehlende Frau“, die sich zu wenig auf die sich ihr öffnenden Möglichkeiten stürzt, sich zu wenig bewirbt, sich nicht die passende Ausbildung wählt und daher – leider – nicht vorhanden ist;
  • die „zu fördernde Frau“, der man die richtige Ausbildung schmackhaft machen müsste, der man die richtige Unterstützung (von Männern) angedeihen lassen müsse;
  • und die „gute Frau„, die Multitasking kann, die soziale, vernetzende, organisatorische und feinmotorische Fähigkeiten besitzt, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchte und der versprochen wird sie werde von der derzeitigen Entwicklung profitieren.

Es handelt sich vorwiegend um eine passive oder mangelbehaftete Darstellung von Frauen

Erstaunlich findet die Soziologin Nadja Bergmann, dass in der Fachliteratur die Gegenüberstellung von physischer Kraft und sozialen Kompetenzen und deren  – angeblich – ungleiche Verteilung auf die beiden Geschlechter nach wie vor als Begründung für ungleiche Chancenverteilung am Arbeitsmarkt angeführt wird.

Mir kommt die Debatte bekannt vor; wie die, die in den 1970er Jahren rund um Automatisierung und das Arbeitsvermögen von Frauen geführt wurde.

Gefunden wird eine Genderperspektive dann, wenn es um die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ geht. Theoretisch sollte die Digitalisierung, die Unabhängigkeit von fixem Arbeitsort und fixen Arbeitszeiten erleichtern. De facto nimmt der Druck zu, alles jederzeit und gleichzeitig zu erledigen.

Im österreichischen Forschungsförderungssystem ist die Genderperspektive nur rudimentär berücksichtigt. Die großen Förderprogramme (finanziert von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, FFG, und Austria Wirtschafsservice GesmbH, AWS) unterstützen vorwiegend jene Forschung, die von den Marktführern, den so genannten „frontrunnern“ getätigt wird, und da steht in den seltensten Fällen der Genderaspekt im Vordergrund. Auch „Digitalisierung“ steht selten im Titel, an den konkreten Einreichungen lässt sich aber unschwer erkennen, dass es um ebendiese geht, diagnostiziert Helmut Gassler.

Interessante Ausnahme ist der „Roboterrat„, der unter der Leitung von Prof. Sabine Köszegi (TU Wien) und ihrem acht-köpfigen, inter-disziplinären und inter-nationalen Team, in dem sich auch drei Frauen befinden, Strategien zum Umgang mit Robotern ausgearbeitet werden sollen.

(Fast) jeder Digitalisierungdiskurs dreht sich auch um Bildung und Qualifizierung. Eine Hypothese besagt, Frauen würden mehr von der Digitalisierung profitieren können, hätten sie mehr „digitale Kompetenzen“ (wie auch immer diese konkret definiert sind). Die Debatte um Aus- und Weiterbildung sei jedoch relativ verengt auf den Industriesektor bezogen, stellt Ferdinand Lechner fest. Vor- und nachgelagerte Dienstleistungen bleiben weitgehend unbeachtet.

Der blind-spot Gender geht Hand in Hand mit dem blind-spot in den Qualifikationsanforderungen im Dienstleistungsbereich.

Der Fokus in der Qualifizierung dreht sich um die Adaptierung von Lehrgängen, deren Anreicherung um „digitale Kompetenzen“ (was auch immer man darunter verstehen mag), den Frauenanteil in MINT-Fächern zu erhöhen oder „digitale Kompetenzen“ als vierte Basiskompetenz (neben Lesen Schreiben und Rechnen) bereits in den primären Bildungseinrichtungen zu vermitteln. Eine Kritik am Konzept „digitale Kompetenz“, ein Hinterfragen der Digitalisierungs- und Qualifikationsdebatte aus Genderperspektive oder auch eine Empirie für die Dienstleistungsbrache bleiben da auf der Strecke.

Macht- und Entscheidungsstrukturen werden ausgeblendet zugunsten eines technikgetriebenen Diskurses

Tanja Carstensen beschäftigt sich an der TU Hamburg und der Universität München mit dem Thema Gender und  SocialMedia.  SocialMedia-Netzwerke werden vermehrt von Frauen genutzt, da sie ihrem Kommunikationsverhalten und ihrem Bedürfnissen nach Austausch und Teilhabe entspräche. Mittlerweile ist jedoch auch belegt, dass SocialMediaAktivitäten – besonders wenn sie negative Auswirkungen wie  Hate-Speach zur Folge haben – zu einem gestiegenen Leistungsdruck und psychischer Belastung führen, denen Frauen dann auch in besonderen Maße ausgesetzt sind. Tanja Carstensen kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung keine neuen Antworten auf die alten feministischen Fragen nach der Verteilung, Bezahlung und Gestaltung von Arbeit hat. Zwar hätten die Apologeten der technischen Veränderung Besserung im Sinne der Gleichstellung versprochen; eine empirische Evidenz dafür lässt sich jedoch nicht finden.

Auch Bergmann et al. resümieren, dass die entscheidenden Fragen zur Digitaslisierung aus Geschlechterperspektive – Wie ist die (un-)bezahlte digitalisierte Arbeit verteilt? Wo gibt es Gestaltungsspielräume und für wen? – noch viel zu wenig gestellt und viel zu wenig von der öffentlichen Hand gefördert werden.

Fragen zum betrieblichen Datenschutz und Digitalisierung

jetzt wollen’s alle wissen

Was ist der Schlüssel zu Schutz der Privatsphäre am Arbeitsplatz?

Wer bewacht welchen Schlüssel?

Wie wird im Betrieb, im Betriebsratsbüro und in der Gewerkschaft mit digitalen Themen umgegangen?

Das interessiert immer mehr Menschen. Immer mehr Institutionen wollen daher wissen wie es in der betrieblichen und gewerkschaftlichen Praxis aussieht und starten Projekte zu dem Themenbereich.

Was wäre ein gutes Projekt ohne vorherige Befragung der Betroffenen? Schließlich möchte man ja den Ist-Stand erfassen und so ist der erste Schritt meist eine Umfrage.

Bitte beteiligt euch möglichst zahlreich

Je größer die Beteiligung an den Umfragen, desto besser können Gewerkschaften auch auf die betrieblichen und betriebsrätlichen Anliegen eingehen.

Arbeiterkammer Wien befragt zum Datenschutz im Betriebsratsbüro

Um Erfahrungen aus der Arbeit in Betriebsrat und Personalvertretung zum Thema Datenschutz zu erhalten, führen die GPA-djp und andere Fachgewerkschaften gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien eine online-Befragung von Betriebsratsmitgliedern durch.

Es geht um die betriebsrätliche Praxis im Umgang mit den Daten der Beschäftigten. Welche Daten erhält der Betriebsrat überhaupt vom Arbeitgeber? Wer steht im Betrieb unterstützend zur Seite wenn es Fragen zum Datenschutz gibt? Diese und viele andere Fragen sollen geklärt werden.

Durchgeführt wird die Befragung durch die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA). Die Befragung ist anonym, FORBA hat sich auch vertraglich zur Einhaltung der Bestimmungen des Datenschutzes verpflichtet und einen datenschutzrechtlich einwandfreien Anbieter für die online-Befragung ausgewählt.

Der Zeitaufwand beträgt etwa 10 bis 15 Minuten und die Umfrage wird noch bis Ende Juli online sein. Die online-Befragung findet sich hier.

Der Europäische Gewerkschaftsbund befragt zu den Auswirkungen der Digitalisierung

In der Befragung des EGB geht es um die Beteiligung von Arbeitnehmer/-innen und Gewerkschaften bei der Gestaltung der Digitalisierung. In der Beteiligung liegt nämlich der Schlüssel zu FAIRer Digitalisierung, ist der EGB überzeugt und sammelt daher BestPractise-Beispiele aus allen Ländern, Branchen und Unternehmen. (Es besteht auch die Möglichkeit zur telefonischen Kontaktaufnahmen auf deutsch, falls man die Best-Practise- und andere Erfahrungen nicht in die Tastatur tippen möchte!)

Die internationale Projektgruppe hat im Jänner dazu ihr Feedback gegeben und nun ist die Befragung online.

Der Zeitaufwand ist in etwa 20 Minuten und die Befragung geht noch bis 20. Juni. Hier geht’s zur Umfrage online.

Sommerliches Sammelsurium

tauchenFalls sich in den Büros der werten LeserInnenschaft gerade ein kleines Sommerloch auftun sollte, ist jetzt die ideale Zeit, in all den Dingen „die man sich immer schon einmal anschauen wollte“ zu schmökern. Eine kleine Auswahl an Tipps zum Schmökern rund um die Themen Privatsphäre am Arbeitsplatz und Digitalisierung der Arbeitswelt ist hier zusammengestellt.

eine Literatur-und-Link-Mixtur

Wer bislang immer nur das diffuse Gefühl hatte, dass der private fahrbare Untersatz aus mehr Bestandteilen zusammengesetzt sind, als aus Motor, Karosserie und Lenkrad, bekommt hier eine Bestätigung. Der kurze Infofilm des deutschen Automobilclubs zeigt Autohersteller als Datensammler. Passend zur Reisezeit.

Wer sich für die ganz normale Überwachung in unser aller Alltag interessiert und wissen möchte welche Firmen welche Praktiken betreiben, erhält detailreiche Schilderungen in einer Studie der Arbeiterkammer Wien, die

Wer wissen möchte, wie die Bewertung von Kreditwürdigkeit in Zeiten von Big Data und algorithmenbasiertem Scoring funktioniert, kann sich diese Studie der Arbeiterkammer Wien mit an den Strand nehmen.

Wer gerne den Überblick auf europäischer Ebene hat und wissen möchte, welche Meinung zu Datenschutzthemen in welchen EU-Ländern verbreitet sind, kann sich durch den Eurobarometer 2015 blättern – eignet sich auch gut zur Vorbereitung von Referaten.

Wer sich immer schon gefragt hat, was diese ganzen seltsamen Begriffe im österreichischen Datenschutzgesetz bedeuten, kann im Lexikon des Bundeskanzleramtes nachschlagen.

Für jene, die sich für die ganz reale Arbeitswelt bei Google interessieren, hat der Filmemacher Andrew Norman Wilson eine aufschlussreichen Kurzfilm gedreht – länger ging nicht; er wurde aufgrund seines (verdeckten) Filmprojekts entlassen. Ist bei Google wirklich die schöne neue Arbeitswelt ausgebrochen? Wohl eher nicht – zumindest nicht für die gering qualifizierten ArbeitnehmerInnen.

Viel Spaß mit dem sommerlichen Potpourri!

Das Cybertariat wird erwachsen?

Ursual_HuwsVortrag von Prof. Ursula Huws

Das 21. Jahrhundert ist durch weitreichende Digitalisierung von Information und Kommunikation und damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund wirft Prof. Ursula Huws ein Schlaglicht auf den gegenwertigen Status der globalisierten und digitalisierten kapitalistischen Ökonomie, indem sie unterschiedliche ökonomische, kulturelle und politische Entwicklungen in Verbindung setzt. Fragen veränderter Arbeitsorganisation und neuer sozialer Ungleichheiten werden aufgeworfen. Wie verändern sich Klassenbeziehungen im Sog der Digitalisierung? Entsteht eine neue Klasse, das Cyberteriat?

Zu diesen Fragen hält Prof. Ursula Huws einen Vortrag

Labour in the Global Digital Economy: the Cybertariat comes of Age

(Frei übersetzt: Arbeit in der globalen digitalen Ökonomie, das Cybertariat wird erwachsen.)

Die Vortragssprache ist Englisch.

wann? 9. Juli 2015, 18:00

wo? AK-Wien Bildungszentrum, SR 11 A + 11 B

Grundlage für den Vortrag ist das 2014 erschienene Buch der Professorin für Arbeit und Globalisierung an der Universität Hertfordshire, UK: Labor in the Global Digital Economy: the Cybertariat Comes of Age.

Ursula Huws betreibt auch einen sehr lesenswerten Blog, der sich mit den Entwicklungen am Arbeitsmarkt unter den Gesichtspunkten Gender, Digitalisierung und Globalisierung beschäftigt.

Der Vortrag findet im Rahmen der fünften Marie Jahoda Summer School of Sociology statt (6. – 10 Juli 2015). Unter dem Titel The Global Digital Workplace. New Ways of Working New Forms of Labour tauschen sich DoktorandInnen aus der ganzen Welt über die Digitalisierung von Arbeit aus. Die Summer School ist eine Kooperation der COST-Action IS1202: Dynamics of Virtual Work und der Universtität Wien.

Anmeldungen werden erbeten bis 29. Juni 2015 bei sabine.jovic@akwien.at

Umfrage zu Datenschutz

uni_logounsere Meinung ist gefragt

Die Arbeitsgruppe Rechtsinformatik der Universität Wien am Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung führt derzeit eine Umfrage zum Datenschutz im Internet durch. Die in ganz Europa durchgeführte Befragung möchte herausfinden, welche Meinungen und Verhaltensweisen Menschen in der Europäischen Union gegenüber ihren Daten im Internet entwickelt haben.

Finanziert wird das Forschungsprojekt über das 7. Rahmenprogramm, das diesmal dem Thema RESPECT (Rules Expectations and Security through Privacy-Enhanced Convenient Technlologies) gewidment ist. Die Ergebnisse sollen den EntscheidungsträgerInnen auf EU-Ebene unterbreitet werden und es wird sie dann auch auf diesem Blog zu lesen geben.

Bis 15. März gibt es noch die Gelegenheit, sich daran zu beteiligen – Allerdings werden nur noch TeilnehmerInnen über 55 Jahren benötigt. (Altersdiskriminierung einmal anders.)

 

unbezahlte Überstunden im Vormarsch

24h„Wer hackelt mehr?“

scheint der Leitspruch in vielen Unternehmen zu sein. So genannte „Vertrauensarbeitszeit“, All-In-Verträge, unkontrollierte Gleitzeitmodelle, Projektarbeit und zunehmende Selbstverantwortung für Arbeitsergebnisse führen zu Überstunden, die weder in Geld noch in Freizeit abgegolte werden.

Am 2.12.2013 veröffentlichte das Wirtschaftsforschungsinstitut die neuesten Ergebnisse auf dem Mikrozensus, einer europaweit durchgeführten Statistik zur Erwerbssituation: die Zahl der unbezahlten Überstunden ist hierzulande beunruhigend hoch!

unbezahlte_ueberstunden

Das Wifo führt diese Tendenz vor allem darauf zurück, dass immer mehr das Ergebnis der Arbeit in den Vordergrund gestellt wird und immer weniger die tatsächlich dafür benötigte Arbeitszeit. In der Wiener Zeitung steht dazu:

Vor allem in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit gebe es mehr unbezahlte Überstunden. Das hängt der Studie zufolge mit der Sorge um den Arbeitsplatz zusammen.

Somit werden Überstunden seitens der ArbeitnehmerInnen eher als strukturell erzwungene „Investition“ in die Zukunft gesehen, und weniger als freiwillig und freudig erbrachte Mehrleistung – wie es von Arbeitgeberseite immer wiede gerne dargestellt wird.

Wie auch die GPA-djp immer wieder aufmerksam macht, spielen die immer häufiger vergebenen All-In-Verträge eine große Rolle bei der Zunahme der unbezahlten Überstunden.

All-in-Verträge gestalten und eingrenzen

Die GPA-djp rät, in solchen Verträgen Obergrenzen für zu leistende Mehrarbeits- und Überstunden zu definieren. Für außergewöhnliche Spitzenbelastungen (Nachtarbeit, Wochenendarbeit) empfiehlt sich ein genauer Blick in die jeweiligen Branchenkollektivverträge, um festzustellen, ob die Stunden mit dem richtigen Überstundenteiler berechnet wurden.

Es geht darum, All-in-Verträge auf tatsächliche Managementgehälter zu begrenzen und die weitere Ausdehnung zu unterbinden.

Arbeitgeber hat für den Schutz der Beschäftigten zu sorgen

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz legt fest, dass der Arbeitgeber für den Schutz der Beschäftigten sorgen muss. Dazu zählt definitiv auch der Schutz vor psychischen Erkrankungen, wie Stress und Burnout. Der Arbeitsplatz darf weder physischen noch psychischen Schaden anrichten!winter

fröhliche Weihnachten und arbeiten Sie nicht zu viel!

 

eine kurze Geschichte der Überwachung

buchneulich im Museum

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben eine Entwicklungsgschichte, die eng mit der von Überwachungstechnologie verwoben ist. Am Anfang stand unter anderem das Buch als Speichermedium, doch war es anfangs für privilegierte Schichten reserviert und die Kommunikation im gemeinen Volk erfolgte zum Großteil mittels Bildern oder mündlich. Diese und andere Erkenntnisse erhielt der Beirat für Arbeit & Technik (BAT) von der Kulturvermittlerin Monika Rabovsky bei einer sehr empfehlenswerten Führung durch das Technische Museum Wien.

Die Entwicklungsgeschichte der IKT ist kein linearer kontinuierlicher Strang. Vielmehr gehen viele Stränge nebeneinander her, aneinander vorbei, verbinden sich und entwickeln sich eigenständig weiter. Dennoch sind zwei Grundlinien erkennbar: die Entwicklung von Informationsspeicherung und die von Informationstransport. Zusammengebracht konnten die beiden Entwicklungen dann in der Computertechnologie werden.

Das Maria-Theresien-Denkmal in Wien
Das Maria-Theresien-Denkmal in Wien

Wie es in der österreichischen Geschichte öfter mal vorkommt, hatte auch hier Maria Teresia ihre Hände im Spiel. Mit der Entwicklung des Buchdrucks wurden die Menschen neugierig auf Buchstaben. Die Kaiserin führte die Schulpflicht ein, wodurch ein Großteil der Bevölkerung das Lesen erlernte. Damit ging auch eine Entmachtung der Kirche einher, die bislang die Oberhoheit über das (in Büchern) festgehaltene Wort hatte.Zugleich hatte die Regentin den Wunsch, die Bevölkerung in den engen Grenzen ihrer Geburtsbezirke zu belassen. Dazu mussten die Menschen registriert – also in Büchern gespeichert – und überwacht werden. Wer sich außerhalb der Bezirksgrenzen aufhielt wurde „im Schub“ wieder dahin zurückgebracht, wo die Regentin ihn oder sie haben wollte. Die erste Volkszählung wurde von ihr 1754 angeordnet. Dazu wurde ein Lochkarten-System entwickelt – ein erstes analoges binäres System: Loch oder nicht Loch.

Skizze einer Laterna Magica

Skizze einer Laterna Magica. Quelle: wikipedia

Bei den Bildgebenden Verfahren liegen die Anfänge in der sogenannten „laterna magica“, einer optischen Spielerei mit der Trägheit des Auges. Exakte Bilder wurden vor allem in der Kriegsführung benötigt (z.B. Land- und Stadtkarten). Die erste erhaltene Photographie hatte noch eine Belichtungszeit von acht Stunden. Spätere „Phasenbilder“, also kurz hintereinander aufgenommene, zerstückelt wirkende Bewegungsabläufe dienten in Folge als Grundlage des Taylorismus – jede Bewegung, jeder Ablauf an der Maschine konnte genau in Einzelschritte zerlegt, analysiert und „optimiert“ werden. Ohne Bildgebende Verfahren wäre der Taylorismus nicht denkbar gewesen. Bewegte Drehspielgel wurden seit Beginn der Industrialisierung als „Detektive“ eingesetzt um in den Fabriken die ArbeiterInnen zu überwachen. „Es gab schon alles, nur die Technik hat sich verändert.“ kommentiert Monika Rabovsky.Die erste Bildübertragung gelang 1928. Der Nationalsozialismus bescherte der Photographie zu Fahndungszwecken einen nie gekannten Aufschwung. Die erste massive Bildüberwachung „unliebsamer Objekte“ stammt aus dieser Zeit.

Telegrafenleitungen 1901, Quelle: wikipedia

Telegrafenleitungen 1901, Quelle: wikipedia

Die Technologieentwicklung der Kommunikationsübertragung war noch stärker von militärischen Zwecken beeinflusst. (Und Militärs sind quer durch die Geschichte meist Kontroll- und Überwachungsinstitutionen.) Erste Transport-Dienstleister waren schnelle Reiter. Mit den sogenannte „Balkentelegrafen“, die in Sichtweite auf Hügeln stationiert wurden, war eine verschlüsselte Nachricht von Wien nach Paris einen halben Tag unterwegs. Entlang der Eisenbahnnetze entwickelte sich eine schnelle Transportmöglichkeit für Informationen mittels Morsealphabet. (Eine gute Vernetzung entlang des Eisenbahnnetzes war daher im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ein prägendes Element.)Um 19oo ermöglichte die Telefonie eine rasend schnelle Kommunikation. Das österreichische Telefonnetz umfasste damals 172 TeilnehmerInnen; bis Ende des Zweiten Weltkrieges gab es (insbesondere in Ämtern und großen Büros und Geschäften) 82 Km Rohrpostleistungen.

Univac im Deutschen Museum München. Quelle: wikipedia

Univac im Deutschen Museum München. Quelle: wikipedia

Der erste Computer von 1958 hörte auf den Namen „univac“, benötigte ein beachtliches Ausmaß an Kubikmetern Platz, erzeugte unglaublich viel Wärme und benötigte für eine Stunde Laufzeit 100 Stunden Wartungsarbeit. Die Kombination von Datenspeicherung und Transport gelang erst mit dem Honeywell-Computer 1971. Eigentlich erstaunlich, dass trotz des Ressourcenaufwands weiterhin in diese Technologie investiert wurde und die Nachfahren dieser Riesendinger heute in jede Hosentasche passen, ein Promille des damals benötigten Stromes beanspruchen und dafür unendlich mehr können.

"Das Fräulein vom Amt" Quelle: Deutsches Bundesarchiv

„Das Fräulein vom Amt“ Quelle: Deutsches Bundesarchiv

Die geschlechtsspezifischen Ausprägungen des Themas, wurden bei der Führung nicht unter den Teppich gekehrt. Beispielsweise die Tatsache, dass die technologischen Fortschritte ausschließlich Männern zugeschrieben wurden, weil Frauen schlicht und ergreifend nicht das Recht hatten, ein Patent anzumelden. Telefonie war deshalb so kostengünstig weil das „Fräulein vom Amt“, das den ganzen Tag mit einem fünf Kilo schweren Kopfhörer in einem stickigen Kammer gesessen ist, nur ein Drittel eines Mannes verdiente. Es wurden nur unverheiratete Frauen angestellt, bei Heirat wurden sie entlassen. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit tauchte erstmals das Wort „Stress“ im Arbietsleben auf.

Der BAT hat sich vorgenommen, dieser informativen und viel zu kurzen Führung unbedingt eine zweite folgen zu lassen. Bis dahin begnügen wir uns mit dem Video „the maschine is us“, einer künstlerischen Darstellung der IKT-Entwicklung und der Verwicklung des Menschen darin von Micheal Wesch (geht auch ohne Ton).

Schalt mal ab!

abschalten

Am Montag den 24.7. stellte der Vorsitzende der GPA-djp bei einer Pressekonferenz die neue Studie des IFES vor. Gefragt wurden 403 ArbeitnehmerInnen, wie bei ihnen die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit funktioniert.

Einzelne Ergebnisse:

JedeR Dritte Angestellte führt berufliche Gespräche in der Freizeit. Das Telefonat in der U-Bahn, das Email aus dem Schwimmbad (wenn das Wetter zwischendurch mal danach ist), die SMS von der Couch aus gesendet,… Immer wieder wird die Freizeit von beruflichen Aktivitäten durchbrochen.

JedeR Vierte nutzt für berufliche Telefonate das private Gerät – und zwei Drittel verrechnen diese Gespräche nicht. Gut für ArbeitgeberInnen, die sich damit Kosten sparen. Und zwar nicht nur Telefongebühren, sondern auch noch die dadurch geleistete zusätzliche Arbeitszeit. Auch berufsbezogene Tätigkeiten von zu Hause, auch jene nach Dienstschluss, auch jene die nur ganz kurz dauern, sind nämlich zu bezahlen. Arbeit ist abzugelten – egal wann und wo sie geleistet wird!

JedeR Dritte Angestellte in Österreich hat einen All-In-Vertrag. Diese Arbeitsverträge geben vor, sämtliche Mehr- und Überstunden abzugelten. Doch die Frage stellt sich: Ist im All-In wirklich drin, was drauf steht? Wolfgang Katzian möchte dieser ausufernden All-In-Vergabe einen gesetzlichen Riegel vorschieben:

„All-In-Verträge sollten nur für leitende Angestellte möglich sein.“

Gerhard Klicka, Psychotherapeut, Klinischer- und Gesundheitspsychologe, machte in seinem Beitrag die Zusammenhänge zwischen ständiger Erreichbarkeit und Gesundheit deutlich. Er plädierte für kurze (Pausen) und lange (Urlaub) Erholungsphasen, die die Gesundheit nachweislich fördern.

„Mit einem viertel vollen Tank würde niemand versuchen von Wien nach Salzburg zu fahren. Aber Menschen muten sich das manchmal zu. Man muss aber zwischendurch mal auftanken, sonst gibt es einen Getriebeschaden.“

Die derzeitige Aktionswoche der GPA-djp beschäftigt sich mit dem Thema Entgrenzung. Ein Video, ein Selbsttest (mit Gewinnchance auf ein Wellness-Wochenende), eine Broschüre, etc. stehen zur Verfügung.

Um der permanenten Erreichbarkeit zu entkommen, folgende Tipps:

  • Arbeitszeiten immer aufzeichnen und ihre Abgeltung einfordern!
  • Klare Regelungen einfordern, wann Rufbereitschaft bzw. Reisezeit vorliegen und wie diese abgegolten werden!
  • Das Handy zwischendurch mal abschalten (zB im Urlaub).
  • Evaluierung der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz einfordern: Sicherheitsfachkräfte und/oder das Arbeitsinspektorat hinzuziehen!

Bitte einmal kurz das mobile Gerät abschalten und sich folgenden Satz zu Herzen nehmen:

Niemand muss rund um die Uhr für ArbeitgeberInnen, KollegInnen oder KundInnen erreichbar sein.

Und weils so gut hier her passt und weil die alten Männer auch manchmal recht haben, noch ein Zitat von Francois Marie Voltaire:

In der einen Hälfte des Lebens opfern wir die Gesundheit um Geld zu erwerben, in der anderen opfern wir Geld um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Geld und Gesundheit von dannen.

 

Firmen-Laptop oder doch privates tablet?

Diese Frage stellt sich immer häufiger bei der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Arbeit – oder auch außerhalb. Der eigene tablet ist halt doch leichter zu transportieren als der Schlepptop aus der Firma und schneller ist er auch. Das eigene Smartphone hat brauchbarere Apps als das Firmen-Handy, auf das man meist gar nichts raufspielen darf. Der private twitter-account eignet sich hervorragend für die rasche und unbürokratische Kunden-Kommunikation.

Wie der Standard berichtet, hat eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Accenture ergeben, dass 58% der deutschen Angestellten lieber ihre privaten Mittel als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten nutzt, um Arbeitsaufgaben zu erledigen. Weltweit sind es sogar noch mehr ArbeitnehmerInnen, die private Arbeitsmittel bevorzugen, was auf der Plattform von golem.de eine interesante Diskussion ausgelöst hat. Österreich wird sich in Bezug auf Privatnutzung von Arbeitsmitteln vermutlich nicht stark von den deutschen Nachbarn unterscheiden. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Beratungsunternehmen natürlich gerne Gefahren aufzeigt, um KundInnen zu gewinnen, so ist dieser Trend offenbar existent.

die Grenze beruflich-privat verschiebt sich

Stand bislang vor allem die Privatnutzung von Betriebsmitteln im Fokus der Aufmerksamkeit, so sollte sich das rasch ändern, wenn man die Arbeitsrealität nicht aus den Augen verlieren möchte. Es geht also nicht mehr darum, ob das Arbeitshandy privat verwendet werden darf, sondern darum, ob das Privat-Smartphone für Arbeitsaufgaben genutzt werden „darf“.

Aus Sicht der Untenehmen ergibt sich daraus das Problem mit der Datensicherheit, weil die privaten Geräte leichteren Zugriff von außen erlauben – so die Argumentation. Das Sicherheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen beschränkt das Freiheitsbedürfnis bezüglich der Wahl der Arbeitsmittel seitens der ArbeitnehmerInnen. Bei dieser Debatte stehen immer die Technologie und ihre „Sicherheit“ bzw. deren Kosten im Vordergrund. Die Arbeit geht schneller voran, die MitarbeiterInnen sind zufriedener, die Virenattacken sind häufiger und die IT-Abteilung verzweifelt zusehends. Es geht also um das Abwägen zwischen Interessen der Firma und der der ArbeitnehmerInnen.

so what?

Der Einsatz von Technologie kann zu einer win-win-Situation werden, wenn die ArbeitnehmerInnen mit den von ihnen gewünschten Mitteln die vom Arbeitgeber gewünschten Ziele erreichen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Was bei dieser Diskussion außer Acht gelassen wird, ist, dass bei dieser Nutzung von privater IKT für Arbeitszwecke auch „Lose-Situationen“ für ArbeitnehmerInnen entstehen. Rechtlich ist für die Privatmittel keine Haftung vorgesehen. Wer repariert die privat gekauften Arbeitsmittel? Wer zahlt die Zeit, die für ihre Anschaffung und Wartung eingesetzt wird? Welche technischen Kenntnisse muss sich der/die ArbeitnehmerIn privat aneignen und welche werden in vom Arbeitgeber bezahlten Schulungen vermittelt? Ist das Verwenden der privaten Ressourcen und des privaten Wissens ein Darf, ein Kann oder ein Muss? Wo hört Arbeit auf und wo beginnt privat?

Liebe BetriebsinhaberInnen, gebt doch euren MitarbeiterInnen die IKT, die sie verdienen – das ist die wahre win-win-Situation. Dann haben sie Freude an der Arbeit, weil das Verwenden technisch ansprechender Infrastruktur kann durchaus Freude bereiten. Dann arbeiten sie auf dem neuesten technischen Stand. Und dann seid ihr von Viren-Attacken verschont. Und ihr seid verschont von MitarbeiterInnen, die kein Privatleben mehr kennen.

Und last but not least ein überlegenswerter Tipp: Vielleicht doch eine BV statt zur „Privatnutzung von Betriebsmitteln“ zur „Arbeitsnutzung von Privatmitteln“?

 

Mitbestimmung und Datenschutz in der Arbeitswelt

 

spidbandendlich ist sie da – die Studie zum betrieblichen Datenschutz in Österreich

 

Im Sommer veröffentlichte die Arbeiterkammmer Wien einen Forschungsbericht zu Datenschutz und Mitbestimmung am Arbeitsplatz unter dem Titel „Verwendung personenbezogener Daten und Grenzen betrieblicher Mitbestimmung: Datenschutz in der Arbeitswelt.“ (PDF).

Die Studie wurde von der „Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt“ (kurz: FORBA) im Auftrag der AK Wien durchgeführt. Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier war sowohl bei der Konzeption der Studie mit der Abteilung Arbeit & Technik als auch beim Ausfüllen der online-Umfrage seitens der Angestellten und ihrer BetriebsrätInnen an der Entstehung der Studie beteiligt.

riesenecker

Interview mit dem Studienautor Thomas Riesenecker von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt

Bislang gab es ja zu Thema Datenschutz in Österreich die Eurobarometer-Erhebungen sowie eine GPA-djp-Umfrage des IFES aus dem Jahre 2007. Im heurigen Sommer wurde nun die Studie zu Mitbestimmung und Datenschutz in der Arbeitswelt veröffentlicht. Was wissen wir jetzt mehr als zuvor?

Die zwei Studien, die du angesprochen hast, beleuchten das Thema Datenschutz im Betrieb nur anhand ein paar allgemeiner Fragen. Die vorliegende Studie, die dankenswerter Weise von der Wiener Arbeiterkammer finanziert wurde, bot die Möglichkeit, eine umfassende online-Befragung von BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen durchzuführen und zusätzlich wurden mit ExpertInnen und betroffenen BetriebsrätInnen Interviews geführt. Somit ergibt sich doch ein ganz anderes und vor allem umfassenderes Bild des betrieblichen Datenschutzes. Wir haben im Rahmen dieser Studie auch im Detail nachgefragt, welche Systeme im Einsatz sind und ob diese in einer Betriebsvereinbarung geregelt sind, welche Rolle ArbeitgeberInnen bei der Regelung dieser Systeme spielen und inwieweit der Betriebsrat dieses doch recht komplexe Thema angeht.

Ist der ArbeitnehmerInnen-Datenschutz in Österreich ein wichtiges Thema – aus Sicht der Beschäftigten und ihrer Interessensvertretung?

In Zeit von Wirtschaftskrise und Angst um den eigenen Arbeitsplatz ist der Datenschutz nur ein nachrangiges Thema, so ehrlich muss man sein. Aber technische und organisatorische Entwicklungen bringen das Thema Datenschutz doch immer wieder auf die Tagesordnung. Gerade die Verwendung sozialer Medien wie Facebook wird ja gerade nicht nur auf der betrieblichen Ebene heiß diskutiert. Darüber hinaus wird die Datenverarbeitung immer internationaler: Konzerne besitzen große zentrale Sammlungen an Daten unterschiedlicher Standorte, Betriebe verlagern einzelne Informationen in die „Cloud“ oder Dienstleister betreuen Aufgabengebiete mehrerer Firmenstandorte. Daneben wirft auch der technische Fortschritt immer wieder neue Themen auf. Eines ist zum Beispiel, wie der massive Einsatz von Smartphones nicht nur das Arbeiten verändert, sondern auch die Datensicherheit, weil plötzlich auch über diese Medien Viren in das Unternehmen eingeschleppt werden können oder Beschäftigte eine ganze Reihe an Daten mit sich herumtragen.

Wie würdest du in einer Zeile das Klima in den österreichischen Betrieben zum Thema Datenschutz zusammenfassen?

Da der Datenschutz im Hinblick auf MitarbeiterInnendaten kein zentrales Thema ist, weder eines des Managements noch der betrieblichen Interessenvertretung, kann dies wohl am besten so zusammengefasst werden: Halbwissen verbunden mit großem Respekt vor der Komplexität des Themas. Beim Thema Datenschutz treffen ja zwei verschiedene Aufgabengebiete zusammen: Zum einen die Einhaltung gesetzlicher Verpflichtungen aus der Arbeitsverfassung und dem Datenschutzgesetz, zum anderen möchten Betriebe natürlich gute funktionierende technische Lösungen mit einer ausreichenden Funktionalität anbieten. Und da kann sich jede/r ja nur mal die/den LeiterIn der eigenen IT im Gespräch mit der/dem LeiterIn der Rechtabteilung vorstellen. Bis diese zwei Stellen eine gemeinsame Sprache finden, dauert es doch etwas. Und das dürfte wohl auch eine der großen betrieblicher Herausforderungen sein, eine gemeinsame Sprache zu finden, um das Thema Datenschutz gesamtheitlich anzugehen.

Was würdest du Interessenvertretungen empfehlen, die sich dem Thema innerbetrieblicher Datenschutz erstmals annähern wollen?

Ich denke mal, dass es auf der einen Seite wichtig ist, betriebsinterne ExpertInnen mit ins Boot zu holen, um mal einen Überblick zu erhalten, vor welchen betrieblichen Fragestellungen man eigentlich steht. Und andererseits macht es immer Sinn, auch auf Seite der ArbeitgeberInnen nach Verbündeten zu suchen, denn Datenschutz betrifft ja Schutz der Daten von MitarbeiterInnen und KundInnen.

Was sind die größten Hindernisse bei der korrekten Verwendung von ArbeitnehmerInnen-Daten im Betrieb? Worauf müsste sich also ein Betriebsrat / eine Personalvertretung gefasst machen?

Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass BetriebsrätInnen mit einer Vielzahl an verschiedenen Informations- und Kommunikationssystemen konfrontiert sind und da ist eine klare Planung des Abarbeitens der verschiedenen Themen nicht immer leicht. Vor allem auch deshalb, und da möchte ich vielen ArbeitgeberInnen keine Absicht unterstellen, deren Informationspolitik gegenüber dem Betriebsrat, ich sag mal, ausbaufähig ist und somit die Beschaffung von aussagekräftiger Information schon mal Zeit braucht. Denn oft wissen auch ArbeitgeberInnen nicht, welche technischen Beschreibungen im Unternehmen aufliegen.

Es braucht jedenfalls einen langen Atem, Überzeugungskraft und, was ich für besonders wichtig erachte, das Schaffung von betrieblichem Fachwissens innerhalb des Betriebsrates. Hier können Gewerkschaften und Arbeiterkammer über das Angebot von spezifischen Weiterbildungen, das Veröffentlichen von Broschüren zum Thema oder Beratung eine gute Unterstützung für Betriebsräte sein.

Welche Rolle kann denn eine Interessensvertretung im Datenschutz überhaupt spielen? Ich meine, macht es einen Unterschied, ob’s im Betrieb einen Betriebsrat / eine Betriebsrätin gibt oder nicht?

Betriebe ohne Betriebsrat haben es generell schwerer, denn wer kann dort das „mahnende Gewissen“ sein, und gerade die Verhandlung von Betriebsvereinbarungen wirft doch gerade die zentralen Fragen auf, welche Daten erfasst, welche Auswertungen stattfinden oder wer Zugriff auf Daten hat. Ohne Vereinbarung bleibt das ja oft im Dunkeln.

 Gab es ein Ergebnis, das dich persönlich überrascht hat?

Es gab wirklich einen Punkt, der mich überrascht hat. Wie schon angeführt, haben wir nachgefragt, welche konkreten Systeme nach Wissen der BetriebsrätInnen im Einsatz sind und wo es Betriebsvereinbarungen gibt. Was in diesem Zusammenhang doch erstaunlich war, ist, dass selbst in knapp einem Fünftel der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten keine einzige Betriebsvereinbarung zur Verwendung personenbezogener Daten vorzufinden war. Und das dürfte wohl nicht daran liegen, dass es nichts zu kritisieren und somit zu regeln gäbe.

Ich danke für das Interview – und für die Studie, die ja doch „Licht ins Dunkel“ der innerbetrieblichen Datenschutz-(Un-)Kultur bringt.