Category Archives: Management

Kennzahlen – Konkurrenz – Kostendruck.

Neue Broschüre zu Zielvereinbarungen und marktorientierter Leistungssteuerung im Betrieb

Zielvereinbarungen bzw. Zielvorgaben führen gemeinsam mit verschiedenen Formen der „indirekten Leistungssteuerung“ immer mehr zur Risikoabwälzung auf die Beschäftigten und zur Konkurrenz untereinander. Kennzahlen und Benchmarks, hohe Renditeerwartungen, Vorgaben pauschaler Produktivitätssteigerungen oder Kostensenkungen sind Beispiele für Elemente der indirekten Steuerung.

Digitale Technologien ermöglichen permanentes Monitoring und Benchmarking der Leistungsergebnisse. Sogenannte „Rankings“ gehören heute in vielen Unternehmen zum Alltag.

Diese Entwicklung fördert eine Entsolidarisierung, die sich auch auf gesellschaftlicher Ebene auswirkt. Allerdings kann die indirekte Steuerung nur so lange funktionieren, als sie den Beschäftigten nicht bewusst wird.

Eine Arbeitsgruppe des BAT hat daher in der vorliegenden Broschüre die neuen Aspekte rund um das Managementinstrument Zielvereinbarung bewertet, angereichert mit zahlreichen Praxisbeispielen.

Die Broschüre soll helfen, das psychologische Konzept der indirekten Steuerung und deren Mechanismen zu durchschauen. Oft wird den Beschäftigten nur das Gefühl vermittelt, beteiligt zu sein. Echte Beteiligung würde bedeuten, Ziele wirklich partnerschaftlich zu vereinbaren und auch die Rahmenbedingungen (Ressourcen, Arbeitsstrukturen, Zeitvorgaben) mitzubestimmen. Die Broschüre bietet Handwerkszeug, um Lösungen gemeinsam mit den Betroffenen zu finden und gewerkschaftliche Solidarität in einer neuen Form zu erarbeiten.

Erhältlich ist die Printausgabe im Servicecenter der GPA-djp unter 050301-301

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Sozial? Digital? oder von beidem ein bisschen?

neue Broschüre zur Personalentwicklung in der digitalen Arbeitswelt 

Bits und Bytes und Algorithmen sind die Grundlage für unsere Kommunikation, unsere Informationsbeschaffung, unser Wissen und mitunter unser Verhalten geworden. Die sogenannte „Digitalisierung“ hat Einzug gehalten in unseren Alltag und unsere Arbeitswelt. Unsere tägliche Arbeit mit den Betriebsrätinnen und Betriebsräten zeigt, dass sich auch beim Thema Personalentwicklung und Weiterbildung durch Digitalisierung einiges ändert.

Eine Arbeitsgruppe des BAT hat beschlossen, sich genauer anzusehen, was derzeit in den Abteilungen mit Personalverantwortung diesbezüglich vor sich geht. Herausgekommen ist eine Broschüre, die Beispiele aus der Arbeitswelt zeigt, rechtliche Fragen zu beantworten sucht, gängige Methoden und Strategien seitens der Geschäftsführung darstellt sowie Handlungsoptionen für den Betriebsrat und die Belegschaft vorschlägt.

Big-Data-Analysen, Profiling und Qualifikationsdatenbanken

Der Einsatz von Big-Data-Analysen kann bei BewerberInnen völlig neue „Eigenschaften“ zu Tage fördern. Durch Profiling (das ist das ausschließlich auf Algorithmen basierende Erstellen von Persönlichkeitsprofilen auf Basis von jeglichem erreichbaren Datenmaterial) von potentiellen Fachkräften können Personalentscheidungen völlig anders ausfallen als zuvor.

Trends bei Personalentscheidungen und Weiterbildung

Diese Broschüre zeichnet die Trends nach, die es in der Personalentwicklung, bei Personalentscheidungen und bei der Weiterbildung gibt. Qualifikationsdatenbanken, Bewerbungstests und Weiterbildungsangebote im Online-Spieldesign und andere Trends werden unter die betriebsrätliche Lupe genommen und es werden zahlreiche Beispiele aus der betrieblichen Praxis dargestellt.

Erhältlich ist die Printausgabe im Servicecenter der GPA-djp unter 050301 – 301.

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Digital, radikal, ideal?

Leere Konferenzräume, weil man ja ohnehin digital zugeschalten werden kann? Ist das die Zukunft der Arbeit? Oder werden uns Roboter mit ihren mitdenkenden Algorithmen gleich ganz ersetzen und wir beziehen alle ein Grundeinkommen?

wer hat morgen Arbeit?

fragten sich Constanze Griessler und Franziska Mayr-Keber 2014 und auf 3SAT wurde das Ergebnis gestern gesendet. Antworten suchen sie mit dem Soziologen Hartmuth Rosa, dem Künstler Niki Passath, der Bloggerin Madeleine Alizadeh, dem Chef der Erstebank Andreas Treichl, dem Personalchef aus der schönen neuen Arbeitswelt von Google Hamburg und noch einigen anderen.

Man könnte meinen, ein Film wie viele andere Dokus, die es in letzter Zeit zur „Digitalisierung der Arbeit“ gab. Aber nein, etwas ist diesmal anders, irgendein Aspekt wird hier ausführlich beleuchtet, der neu in der medialen Darstellung von „Arbeit 4.0“ erscheint, was war das noch mal?

Diesmal ist viel Gewerkschaft dabei! Walter Stern spricht ausführlich über Betriebsratsarbeit  – altersbedingt aus einer Zeit in der unter „industrielle Revolution“ noch das mit den Fließbändern und der Massenproduktion gemeint war und als Arbeitszeitverkürzung noch durchgesetzt werden konnte. Eine  (angebliche) Begebenheit aus der „guten alten“ Zeit, ist allerdings nach wie vor hochaktuell:

Zeigt der Firmenchef eines Autoherstellers dem Gewerkschaftssekretär eine weitgehend automatisierte Werkshalle und fragt: „Sehen sie, die ganze Arbeit kann von nur drei Robotern gemacht werden? Wer wird jetzt ihre Gewerkschaftsbeiträge zahlen?“ Antwortet der Gewerkschafter: „Und wer wird ihre Autos kaufen?“

Ein Film über die Veränderungen der Arbeit:

Historisch, digital, sehenswert!

Spyware in der Schaufensterpuppe

Überwachung kreativ

Eine innovative Form der Überwachung von Arbeitnehmerinnen und Kundinnen hat man sich bei der italienischen Firma Almax ausgedacht: Die Schaufensterpuppe mit Video-Augen; Produktbezeichnung „EyeSee-Manneqin“. Diese speichern nicht nur das Geschehen im Kaufhaus, sondern können auch aktiv Gesichtserkennung betreiben und so Alter, Geschlecht und Ethnie der Anwesenden bestimmen.

Auf diesem Weg soll der Firma ermöglicht werden, ihr Sortiment besser auf die Käuferinnen und Käufer abzustimmen. In der Praxis wurde so – laut Herstellerangaben – bereits Verbesserungen bei der Personalauswahl getroffen. Kommen z.B. vermehrt asiatisch aussehende Menschen ins Geschäft, stellt man ebenso aussehende Mitarbeiterinnen ein. Natürlich würde dies ausschließlich zur besseren Servicierung der Kundinnen und Kunden eingesetzt werden. Dass diese Puppen eine rassistisch motivierte Personalpolitik auslösen könnten, dass die Überwachung der MitarbeiterInnen damit auf der Tagesordnung steht, dass damit sensible Daten zur Auswertung für die Geschäftsführung zugänglich gemacht werden, das wird alles nicht thematisiert.

Um 4.000 EUR ist so ein „EyeSee-Mannequin“-Pupperl zu haben. Wie die Berliner Tageszeitung berichtete, sind es vor allem us-amerikanische Handelsunternehmen, die deren Dienste gerne in Anspruch nehmen und zunehmend interessieren sich deutsche Handelsketten für die Erfindung. Auf der „Insel der Seeligen“ ist eh noch nix exportiert worden – so der Geschäftsführer von Almax auf Anfrage der apa.

PS: Überwachungs-Software für Fortgeschrittene gibt es in Form von Barbies auch im Kinderzimmer:

Quelle: www.quoka.de

 

 

Sozialversicherungsauszug als Bewerbungsschein ?

WGKK

Quelle: wikipedia

Warnung vor zu viel Offenheit

Es wird immer häufiger von BewerberInnen verlangt, einen Versicherungsdatenauszug der Österreichischen Sozialversicherung beizulegen. Dieses Dokument ist einfach zu besorgen und enthält alle bisherigen Versicherungszeiten exakt aufgelistet – folglich wesentlich mehr Information als ein Lebenslauf. Gut für die ArbeitgeberInnen. Gut für die BewerberInnen?

In einem Versicherungsdatenauszug der Sozialversicherung finden sich LÜCKENLOS sämtliche Vordienstzeiten, sämtliche Dienstgeber (auch wenn die für die derzeitige Bewerbung wenig relevant sind), die jeweiligen Jahresbeitragsgrundlagen sowie Zeiten längerer Krankenstände, oder Zeiten der Arbeitslosigkeit. Bekommt der/die ArbeitgeberIn ein solches Dokument, lässt sich damit eine BewerberIn gut durchleuchten.

Sie waren also ein Jahr nicht beschäftigt und im Lebenslauf steht „Sprachaufenthalt in den USA“? Sie waren beim letzten Dienstgeber in Verwendungsgruppe vier eingestuft und hier verlangen sie ein Gehalt, das der Stufe sechs entspricht? Solche und ähnliche Fragen könnten da leicht entstehen.

Auf die Frage, warum das verlangt werde, erhält die interessierte Betriebsrätin mitunter die Antwort: „Wenn die Prüfung von der Gebietskrankenkassa kommt, dann müssen wir das vorlegen können.“

Richard Nowatschek, stellvertretender Leiter der Abteilung Beitragsprüfung in der Wiener Gebietskrankenkasse meint dazu:

Wir von der Gebietskrankenkasse benötigen bei Prüfungen die Vorlage des Datenauszuges durch die Dienstgeberin nicht. Wir haben die Daten ja selber. Natürlich schauen wir bei der Beitragsprüfung, ob richtig eingestuft wurde. Der Nachweis durch die BewerberIn ist an keine besondere Form gebunden, infrage kommen dabei insbesondere Schul-, Hochschul- und Dienstzeugnisse.

Er vermutet als Motiv für dieses Begehren der ArbeitgeberInnen, die Angst vor Nachzahlungen. Als vorauseilender Gehorsam werden da offenbar Argumente gebracht, die so nicht halten.

Richard Nowatschek meint zu den Auswirkungen dieser Praxis:

Ich sehe da die Gefahr, dass die Leute vor-analysiert werden und anhand des Überschusswissens durch die Vorlage des Datenauszuges oft nicht genommen werden. Ich kann nur ausdrücklich davor warnen, einen Auszug vorzulegen.

gibt Richard Nowatschek einen Tipp und die Autorin schließt sich ihm an.

Noch schöner wäre es, wenn die Firmen gar nicht erst die Sozialversicherungsauszüge verlangen würden.

 

eine Prämiere – ein Film

 Work Hard – Play Hard

Quelle: http://www.workhardplayhard-film.de/fotos.htm

Carmen Losmann hat einen zutiefst beunruhigenden Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Bei Auswahl, Motivation und Training der MitarbeiterInnen von Morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. Der Film heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. Der Druck der UnternehmerInnen wird in die Köpfe und Seelen der MitarbeiterInnen verlagert.

Die KulturlotsInnen des ÖGB konnten Premierenkarten für diesen hochaktuellen Film sichern. Die Regisseurin Carmen Losmann wird zu diesem Termin anwesend sein und nach der Vorführung für ein Publikumsgespräch zur Verfügung stehen.

Dieser mehrfach preisgekrönte Film gehört zu den aktuell wichtigsten gesellschaftspolitischen Filmen.

Eine hochinteressante, hellsichtige und beunruhigende Bestandsaufnahme des ‚Kapitalismus als Religion

schreiben die Filmrkitiker in „epd Film“ und „FAZ“. 

Ort: Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien

Termin: Dienstag, 19. Juni 2012, 20.00 Uhr

Die Karten bitte 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen.

Kosten: € 7,50 pro Person

Anmeldung erforderlich unter: Tel.: 01/53444-39251

E-Mail:

kultur@oegb.at

Gesundheitsdaten beim Arbeitgeber?

was Sie schon immer über ihre Gesundheitsdaten wissen wollten, aber nie zu fragen gewagt haben…

Gesundheitsdaten gehören zu den sensiblen Daten und daher nicht zwangsläufig in die Hände des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin. Unter bestimmten Umständen kann es allerdings durchaus gerechtfertigt sein, dass ArbeitgeberInnen über Gesundheitsrisiken bei ArbeitnehmerInnen bescheid wissen.

Einige Daten sind für den Arbeitgeber verpflichtend zu erheben wie beispielsweise der Krankenstand, um ihn der Sozialversicherung zu melden. Da gilt aber, dass nur die Dauer des Krankenstandes und keinesfalls eine ärztliche Diagnose gemeldet werden muss.

Die Fürsorgepflicht der ArbeitgeberInnen ist ein weiterer Grund dafür, dass sie manchmal Gesundheitsdaten der Angestellten erfassen dürfen – oder auch müssen. Wenn beispielsweise eine Gärtnerin eine Birkenpollenallergie hat, wird es im beiderseitigen Interesse sein, sie zur Zeit des Birkenpollenflugs verstärkt im Innendienst einzusetzen. Oder wenn einE KollegIn aus dem Call-Center einen Gehörsturz hatte, wird sie an ihrem eigentlichen Arbeitsplatz eine Zeit lang nicht einsetzbar sein. Es kann also durchaus Sinn machen, Diagnosen von Gesundheitsproblemen an den Arbeitgeber weiterzugeben, auch wenn es sich dabei um sensible Daten handelt.

Ein allgemeines Screening aller MitarbeiterInnen nach sämtlichen möglichen Krankheiten unter dem Titel „Fürsorgepflicht“ ist allerdings nicht zulässig. Die Fürsorgepflicht ist immer an ein bestimmtes Unternehmen und die dort bestehenden Gefahren für die Gesundheit gebunden. Als Richtschnur für die Gültigkeit der Fürsorgepflicht kann folgende Frage dienen:

Ist das Gefährdungspotential in meinem Betrieb höher als in einem anderen Betrieb oder als generell im Leben?

Es wird also nicht gehen, dass in einem Büro von allen Angestellten ein AIDS-Test verlangt wird. Auch ein allgemeines „Krankenstandsmanagement„, das nach Ursachen, wiederholten Krankenständen in der Vergangenheit, „Wiedereinstiegsmotivation“ und Ähnlichem fragt, fällt sicher nicht unter die Fürsorgepflicht.

Sollten derartige Gespsräche zum Standard-Repertoire der Vorgesetzten gehören, so ist der Betriebsrat aufgefordert, das zu unterbinden. (Eine Empfehlung dazu ist auch eine Broschüre der GPA-djp zum Thema Krankenstandsmanagement.)

EinE Betriebsrat/-rätin kann bei allen Verfahren, die Gesundheitsdaten der ArbeitnehmerInnen erfassen, eine Betriebsvereinbarung (BV) verlangen. §96 ArbVG legt fest, dass eine BV abzuschließem ist, wenn die Menschenwürde berührt ist – und das ist bei Gesundheitsdaten so gut wie immer der Fall.

 Ein Buchtipp zum Weiterlesen für juristisch Interessierte wurde von Julia Baier verfasst:

Ermittlung gesundheitsbezogener Daten durch Arbeitgeber

und ist 2012 im ÖGB-Verlag erschienen und ebendort um 29,90 EUR käuflich erwerbbar.

Praxishandbuch Datenschutzrecht

 

zum Wochenausklang fehlt nur noch eine…

Buchrezension

Basierend auf der Erfahrung von zigtausend Beratungsstunden schrieb der Rechtsanwalt Dr. Rainer Knyrim eine Neuauflage (Erstauflage 2003):

Datenschutzrecht, Praxishandbuch für richtiges Registrieren, Verarbeiten, Übermitteln, Zustimmen Outsourcen, Werben uvm

Das Buch enthält eine umfassende Darstellung der betrieblichen Herausforderungen im Datenschutz. Der Autor schafft es, diese Herausforderungen auch für EinsteigerInnen verständlich zu formulieren. Durch seine praxisnahe Schreibweise, die weder zu juristisch noch formalistisch daher kommt, wird der betriebliche Datenschutz ein spannendes und kein abschreckendes Thema.

 Zum Themenkomplex „betrieblicher Datenschutz“  beantwortet dieses Buch zahlreiche Fragen, wobei auch auf die im österreichischen Datenschutzgesetz (DSG 2000) lauernden Fallgruben deutlich aufmerksam gemacht wird.

  • Wie funktioniert das mit der Meldung bei der Datenschutzkommission?
  • Welche Rechte haben die ArbeitnehmerInnen?
  • Informationsrecht und Informationspflicht – wann gilt was?

All das und auch über die reinen juristischen Gegebenheiten hinausgehende Informationen (z.B. zum betrieblichen Datenschutzbeauftragten) bietet die Lektüre. 

Mündigere Mitarbeiter, bestens geschulte Betriebsräte und aufmerksame Kunden sowie erwachte Medien zwingen Betriebe heute, sich mit Datenschutz zu befassen.

schreibt der Autor und beschreibt damit auch gleich die Zielgruppe, an die sich sein Buch richtet.

Was bei dieser Neuaflage des Praxishandbuchs allerdings (neuerlich) nur in Spurenelementen vorhanden ist, ist eine Erwähnung der von ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretungen (Arbeiterkammern und Gewerkschaften) zur Verfügung gestellten Informations-Literatur, Weiterbildungsangebote, Ansprechstellen, Beratungsangebote etc. Diese Informationen finden sich (unter anderem) in diesem Blog.

Bestellungen bei Manz oder im ÖGB-Verlag.

 

Wer viel misst, misst viel Mist

Mit dem Sinn und Unsinn betrieblicher Kennzahlen setzt sich die neue Broschüre der Abteilung Arbeit & Technik auseinander.  Sie hört – gemäß einem weit verbreiteten Motto von betriebswirtschaftlichen ControllerInnen – auf den Namen:

Kannst du’s nicht messen, kannst du’s vergessen

Der Entstehungshintergrund der Broschüre war, dass sich in der Beratungsarbeit immer öfter gezeigt hat, dass strategische Entscheidungen des Managements mit Zahlen „begründet“ werden. Generell wäre dagegen nichts einzuwenden, wenn die Auswirkungen nicht immer zuungunsten der ArbeitnehmerInnen ausgefallen wären und wenn diese Zahlen nicht so schwer nachvollziehbar gewesen wären und sich nicht permanent die Frage gestellt hätte: wo kommen die Zahlen plötzlich her? wer hat diese Zahlen geliefert? In der Praxis hörten BetriebsrätInnen: 

Die Performance in Österreich ist im Vergleich zur Ukraine so stark gesunken – wir müssen leider umstrukturieren.

Das interne Ranking hat ergeben, dass die Kollegin M den Anforderungen nicht mehr gewachsen scheint, weshalb man sich besser trennen sollte.

Das kann einfach kein Zufall mehr sein, dass die Zahlen nie belegen, dass der Arbeitsdruck zu hoch ist und dadurch bewirken, dass z.B. neue MitarbeiterInnen eingestellt werden müssten. Da stimmt etwas mit den mathematischen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nicht.

Die „objektiven Zahlen“ werden herangezogen, um subjektive Auswirkungen zu begründen. In Form von Benchmarks, Kennzahlen-Systemen, eigenen Programmen zur Leistungserfassung der MitarbeiterInnen, etc. kommen innerbetrieblich immer mehr Kennzahlen, gespeichert in immer komplexeren Systemen, zugänglich für immer mehr MitarbeiterInnen (und Vorgesetzte) zum Einsatz.

Im Beirat für Arbeit & Technik wurde darüber mehrmals diskutiert, bis die Idee entstand, diese Entwicklung in einer Broschüre nachzuzeichnen, zu hinterfragen und Alternativen anzubieten. Außerdem werden einzele Kennzahlen-Systeme konkret dargestellt (z.B. Balanced Score Card), kritisch überprüft und auf ihre Möglichkeiten zur innerbetrieblichen Verwendung hin untersucht.

GPA-djp-Mitglieder können die Broschüre von der Homepage downloaden oder unter der Email arbeitundtechnik@gpa-djp.at bestellen.

 

 

Firmen-Laptop oder doch privates tablet?

Diese Frage stellt sich immer häufiger bei der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Arbeit – oder auch außerhalb. Der eigene tablet ist halt doch leichter zu transportieren als der Schlepptop aus der Firma und schneller ist er auch. Das eigene Smartphone hat brauchbarere Apps als das Firmen-Handy, auf das man meist gar nichts raufspielen darf. Der private twitter-account eignet sich hervorragend für die rasche und unbürokratische Kunden-Kommunikation.

Wie der Standard berichtet, hat eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Accenture ergeben, dass 58% der deutschen Angestellten lieber ihre privaten Mittel als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten nutzt, um Arbeitsaufgaben zu erledigen. Weltweit sind es sogar noch mehr ArbeitnehmerInnen, die private Arbeitsmittel bevorzugen, was auf der Plattform von golem.de eine interesante Diskussion ausgelöst hat. Österreich wird sich in Bezug auf Privatnutzung von Arbeitsmitteln vermutlich nicht stark von den deutschen Nachbarn unterscheiden. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Beratungsunternehmen natürlich gerne Gefahren aufzeigt, um KundInnen zu gewinnen, so ist dieser Trend offenbar existent.

die Grenze beruflich-privat verschiebt sich

Stand bislang vor allem die Privatnutzung von Betriebsmitteln im Fokus der Aufmerksamkeit, so sollte sich das rasch ändern, wenn man die Arbeitsrealität nicht aus den Augen verlieren möchte. Es geht also nicht mehr darum, ob das Arbeitshandy privat verwendet werden darf, sondern darum, ob das Privat-Smartphone für Arbeitsaufgaben genutzt werden „darf“.

Aus Sicht der Untenehmen ergibt sich daraus das Problem mit der Datensicherheit, weil die privaten Geräte leichteren Zugriff von außen erlauben – so die Argumentation. Das Sicherheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen beschränkt das Freiheitsbedürfnis bezüglich der Wahl der Arbeitsmittel seitens der ArbeitnehmerInnen. Bei dieser Debatte stehen immer die Technologie und ihre „Sicherheit“ bzw. deren Kosten im Vordergrund. Die Arbeit geht schneller voran, die MitarbeiterInnen sind zufriedener, die Virenattacken sind häufiger und die IT-Abteilung verzweifelt zusehends. Es geht also um das Abwägen zwischen Interessen der Firma und der der ArbeitnehmerInnen.

so what?

Der Einsatz von Technologie kann zu einer win-win-Situation werden, wenn die ArbeitnehmerInnen mit den von ihnen gewünschten Mitteln die vom Arbeitgeber gewünschten Ziele erreichen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Was bei dieser Diskussion außer Acht gelassen wird, ist, dass bei dieser Nutzung von privater IKT für Arbeitszwecke auch „Lose-Situationen“ für ArbeitnehmerInnen entstehen. Rechtlich ist für die Privatmittel keine Haftung vorgesehen. Wer repariert die privat gekauften Arbeitsmittel? Wer zahlt die Zeit, die für ihre Anschaffung und Wartung eingesetzt wird? Welche technischen Kenntnisse muss sich der/die ArbeitnehmerIn privat aneignen und welche werden in vom Arbeitgeber bezahlten Schulungen vermittelt? Ist das Verwenden der privaten Ressourcen und des privaten Wissens ein Darf, ein Kann oder ein Muss? Wo hört Arbeit auf und wo beginnt privat?

Liebe BetriebsinhaberInnen, gebt doch euren MitarbeiterInnen die IKT, die sie verdienen – das ist die wahre win-win-Situation. Dann haben sie Freude an der Arbeit, weil das Verwenden technisch ansprechender Infrastruktur kann durchaus Freude bereiten. Dann arbeiten sie auf dem neuesten technischen Stand. Und dann seid ihr von Viren-Attacken verschont. Und ihr seid verschont von MitarbeiterInnen, die kein Privatleben mehr kennen.

Und last but not least ein überlegenswerter Tipp: Vielleicht doch eine BV statt zur „Privatnutzung von Betriebsmitteln“ zur „Arbeitsnutzung von Privatmitteln“?