Category Archives: Social Media

Sammelklage gegen Facebook

142090_Richterhammer_eines_Richters_bei_GerichtDer Initiator von „Europe versus Facebook“ Max Schrems, hat Anfang August beim zuständigen Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen eine umfangreiche Klage gegen die irische Tochter („Facebook Ireland Ltd“) des us-amerikanischen Unternehmens eingebracht. Parallel dazu erging ein Aufruf an die Facebook-UserInnen sich der Klage anzuschließen, um dieser mehr Gewicht zu verleihen und den öffentlichen Druck auf Facebook zu verstärken. Das Ergebnis ist beachtlich: 25.000 Facebook-NutzerInnen aus über 100 Ländern haben ihre Ansprüche im Rahmen der Sammelklage abgetreten, weitere 35.000 sind für den Fall einer weiteren Klagausdehnung registriert. Diese Klage hat sich somit zur größten Datenschutz-Sammelklage in Europa entwickelt.

weiterlesen…

Richtigstellung in der „Sozialschmarotzer“-Debatte

italien

Wer ist hier SozailschmarotzerIn?

„sage mir, wo du bist und ich sage dir, ob du krank bist“

So ähnlich stellt sich das die Wirtschaftskammer scheinbar vor, wenn sie ArbeitnehmerInnen sinngemäß des „Sozialschmarotzertums“ bezichtigt. Wie einige Tagesmedien berichtet haben, wurde ein oberösterreichischer Arbeitnehmer nach einem Facebook-Eintrag, in dem er „Bin in Italien auf Urlaub“ postete, gekündigt. Die mediale Berichterstattung mit den Zitaten der Wirtschaftskammer erweckte dabei den Eindruck, als würde der Mann seine Krankheit nur vortäuschen und sich ungerechtfertigter Weise Sozialleistungen „erschleichen“.

Die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse prüfte mit dem Ergebnis:

Der Krankenstand erwies sich als berechtigt. Zudem hat sich der Versicherte an die Krankenordnung gehalten: Aufgrund des Krankheitsbildes war ein Ortswechsel im Krankenstand zulässig – das Ansuchen wurde daher vom behandelnden Facharzt des Patienten und auch vom Chefarzt der OÖGKK bewilligt. Ebenso hat sich der Versicherte ordnungsgemäß nach seinem Ortswechsel wieder zurück gemeldet. Generell gilt: Abhängig vom diagnostizierten Krankheitsbild bedeutet ein Krankenstand nicht automatisch Bettruhe. So dürfte – zum Beispiel – ein Opernsänger mit Stimmbandentzündung im Krankenstand durchaus wandern gehen. Allerdings müsste er sämtliche Tätigkeiten unterlassen, die eine Heilung seiner Krankheit, wegen der er arbeitsunfähig ist, behindern. Er dürfte also nicht laut schreien oder singen. Ähnlich differenziert ist z.B. auch bei den Krankheitsbildern Bandscheibenvorfall, Krebs oder Depression vorzugehen.“

Der Präsident der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse stellte die Zahlen klar:

In nur 0,09 Prozent aller Krankenstandsfälle kam es zu einer Verwarnung. Das ist verschwindend wenig und die Kontrollen der Krankenkassen funktionieren.“

Viel problematischer in Zusammenhang mit Krankmeldungen sei das Vorgehen mancher Leiharbeits-Firmen in Oberösterreich, fand AK-Präsident Kalliauer. Die melden ihre Mitarbeiter ab, wenn diese erkranken und wenn sie gesund sind, wieder an. Das bedeutet: nix mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Diese Praxis schädigt die Krankenkassen finanziell wohl weit mehr, als kranke Menschen, die auf Urlaub fahren – die schädigen nämlich gar niemanden. Ob sie zu Hause krank sind oder in Italien macht für die Kasse finanziell keinen Unterschied.

Dass es Erkrankungen gibt, die durchaus mit einem Auslandsaufenthalt kompatibel sind (hat die Frisörin aufgrund der vielen Chemikalien ein Kontaktekzem auf den Händen zugezogen, kann sie trotzdem eine Radtour nach Ungarn machen),

dass es Umstände gibt, unter denen ein Aufenthalt am Meer zur Genesung beiträgt (hatte die Call-Center-Angestellte eine Kehlkopfoperation, kann die feuchte Meeresluft durchaus zu einer Besserung führen),

dass es Krankheitsbilder gibt, bei denen das Arbeiten zwar nicht möglich ist, Freizeitaktivitäten außerhalb des heimatlichen Wohnung aber sehr wohl (hat sich der Monteur im Außendienst das Bein gebrochen, kann er zwar nicht Auto fahren aber trotzdem ins Kino gehen/humpeln),

…das alles scheint sich noch nicht bis zur oberösterreichischen Wirtschaftskammer herunmgesprochen zu haben.

Welcher Aufenthaltsort am besten zur möglichst baldigen Genesung geeignet ist, hängt vor allem von der ärztlichen Expertise und dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt bzw. Ärztin und PatientIn ab. Eine Bevormundung durch die Oberösterreichische Wirtschaftskammer ist verzichtbar. Sollten sie sich ernsthaft Sorgen um Missbrauch sozialer Leistungen machen,  wäre es hilfreich , wenn die WKÖ ihre Mitglieder dazu anhält, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall richtig zu gewährleisten.

 

Betriebsrat wegen Beleidigung auf facebook entlassen

roteSocke„schön sprechen“ ist die Devise

auch auf facebook und auch für BetriebsrätInnen

Erstmals hat ein Oberlandesgericht ein Urteil bezüglich Verwendung von Social Media gefällt. Die Beschimpfungung der Geschäftsführung auf facebook kam einem Betriebsrat teuer zu stehen. Darum merke: das „A***“-Wort hat auf der Pinwand  nichts verloren – und an anderen öffentlichen und halböffentlichen Plätzen auch nicht.

Worum gehts: ein Betriebsrat stellt das Photo seiner Ehrung auf sein facebook-Profil. Ein anderer Betriebsrat „bemitleidet“ ihn, weil er auf dem Photo von lauter „roten Socken“ (sprich: Mitgliedern der Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen) umgeben ist. Der geehrte Betriebsrat mahnt zur Höflichkeit. Der postende Betriebsrat kommt erst richtig in Fahrt und verwendet dabei das „A***“-Wort. Die Geschäftsführung entlässt ihn. Das Arbeits- und Sozialgericht bestätigt, dass diese Entlassung gerechtfertigt war. Selbst das Oberlandesgericht Linz folgte diesem Urteil, wie der Standard berichtet. Bleibt noch abzuwarten, wie der Oberste Gerichtshof entscheiden wird.

In der Urteilsbegründung wird die Beschimpfung als „grob beleidigend“ und „erhebliche  Ehrverletzung“ gewertet, auch wenn der Schreiber (laut der Zeitung „Aktuelles Recht zum Dienstverhältnis„) dachte:

der Kreis der Freunde des Zeugen HH aus dem ‚blauen Bereich‘ werde seine Äußerungen als ‚eher lustig oder witzig‘ empfinden.

Vielleicht haben die das eh witzig gefunden, aber das Gericht jedenfalls nicht. Der Entlassene Betriebsrat rechtfertigte sich, dass er die Geschäftsführung nicht persönlich kenne und daher auch nicht persönlich gemeint hätte. Aber auch wenn das Betriebsratsmitglied die Geschäftsführung nicht persönlich kenne und auch nicht direkt mit ihm verhandle, könne das kein Freibrief für Beleidigungen sein, begründete das Gericht sein Urteil. Letztendlich kam das Gericht zu dem Schluss, dass eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat nicht mehr zu erwarten sei, was dann letztendlich auch die Entlassung rechtfertige.

socken2Keine persönlichen Beleidigungen – das ist mit der freien Meinungsäußerung nicht gemeint.

Don’t fight against men in red tight.

 

Diskussion zum europäischen ArbeitnehmerInnen-Datenschutz

gläserne Angestellte – Privatsphäre und Datenschutz am Arbeitsplatz

Am 17. Oktober diskutierten Tanja Buzek vom ÖGB und Cornelia Ernst von der LINKEN in der Reihe „Europa alternativ – live aus dem Europäischen Parlament„.

Was enthält die neue EU-Grundverordnung für ArbeitnehmerInnen? sind die Daten von Beschäftigen ausreichend geschützt? wie weit ist der Prozess der Gesetzgebung? wie steht es um den Datenschutz in Nicht-EU-Ländern? Diese und noch viel mehr Fragen wurden unter der Moderation von Eric Bonse aufgeriffen.Ein Mitschnitt des Gesprächs Live aus dem EU-Parlament: Der gläserne Angestellte – Teil 1

Aus dem Chat wollte man von den Diskutantinnen wissen, ob es nicht schlauer sei, angesichts der technischen Möglichkeiten von Web 2.0 und der gelebten Praxis von öffentlicher zur-Schau-Stellung höchstpersönlicher Informationen, sich diesen Gegebenheiten einfach zu stellen und nicht alles übermäßig zu regulieren. Eine andere Wortmeldung aus dem Chatroom war dafür, dass alle alle bespitzeln und plädierte dafür, die Chefs auch zu überwachen und so ein Gleichgewicht an persönlichen Informationen über das Gegenüber herzustellen. Live aus dem EU-Parlament kann auch dieser Teil der Diskussion gesehen werden: Der gläserne Angestellte – Teil 2

Anmerkung der Blog-Redaktion: bitte die Chef-Überwachung nicht zu Hause ausprobieren – außer es wurde von der Datenschutzkommission genehmigt 😉

Facebook-Schnüffelei – Gefahr einer Epidemie?

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

knochen1Die Anamnese

Zu den krankengeschichtlichen Hintergründen des „Patienten“ kann Folgendes festgehalten werden: In einem österreichischen Betrieb richtet der Betriebsrat eine firmeninterne Facebook-Gruppe ein. Diese soll die Kommunikation zwischen den Beschäftigten fördern, dem Gedankenaustausch dienen, Informationen des Betriebsrats unter die MitarbeiterInnen bringen, etc.

Als vorbeugende Maßnahme, getreu dem medizinischen Grundsatz „Vorsorge ist besser als Heilen“ wurde die Gruppe so eingerichtet, dass nur tatsächlich im Betrieb Angestellte sich beteiligen konnten. Die SystemadministratorInnen schalteten ausschließlich jene Personen frei, deren Beschäftigtenstatus sie zuvor festgestellt hatten.

Die Symptome

In diesem Fall ist „Symptom“ genau der richtige Ausdruck, weil es eben keine sichtbaren Beschwerden gibt, niemand offensichtlich verletzt wurde und keine „Spuren von Gewaltanwendung“ zu sehen waren.

Was war geschehen? In der Gruppe wurde über die neuen Öffnungszeiten in den Filialen des Österreichweit tätigen Unternehmens diskutiert. Dabei postete ein Angestellter: „Prinzipiell hätt’ ich ja nix dagegen, aber ich würd’s noch besser verstehen, wenn um die Uhrzeit wenigstens Kunden kommen würden.“

Bald darauf hatte er ein Gespräch mit seinem direkten Vorgesetzten, dass er derartige Kommentare besser unterlassen solle. Der Vorgesetzte war selbst gar nicht in der Gruppe beteiligt – dessen Vorgesetzter schon und dieser hatte scheinbar den Auftrag erteilt, den Mitarbeiter in die Schranken zu verweisen.

Die Auswirkungen

In der Facebook-Gruppe wird über dieses Thema nur mehr in Andeutungen geschrieben, um dem betroffenen Kollegen nicht noch mehr Probleme zu bereiten.

Der Betriebsrat wird jedoch – sobald die Gelegenheit günstig ist – dieses Thema auf den Tisch bringen.

Es kann nicht sein, dass in unserem Betrieb sachliche Kritik einfach abgedreht wird – noch dazu wenn sie eh nur in einer geschlossenen Gruppe geäußert wurde, wo Kunden gar nicht mitlesen können!

stellt eine Betriebsrätin klar.

Epidemie-Prophylaxe

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass auch bei allen Sicherheitsvorkehrungen und Präventionstechniken (es gibt in dem Betrieb sowohl eine Social-Media-Richtlinie als auch eine Betriebsvereinbarung zu Email und Internet und dazu noch einen sehr engagierten Betriebsrat), immer noch die handelnden Personen in die Pflicht genommen werden müssen.

Was hier grassiert, ist – in den Worten der Betriebsrätin:

vorauseilender Gehorsam von Sandwich-Führungskräften.

Zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung dieser Volkskrankheit ist es notwendig, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Der Impfstoff steckt in der Entwicklungsphase.

Maulkorb oder Meinungsfreiheit?

wenn der Chef dich surfen lässt

Dr. Datenschutz berichtet aus der Praxis

 In manchen Firmen werden MitarbeiterInnen entlassen, weil sie während der Arbeitszeit in sozialen Netzwerken unterwegs sind. In anderen Firmen werden MitarbeiterInnen dazu aufgefordert in der Arbeitszeit – und nach Möglichkeit doch bitte auch darüber hinaus – in Social Media aktiv zu sein.

die Beschwerden

Ein Betriebsrat lässt seinem Ärger freien Lauf: „Stell dir vor, dieser Junior-Chef will, dass wir jetzt alle ins Facebook gehen. Da schreibt der einfach so Guidelines, schickt die an alle aus und wir sollen jetzt für unsere Firma Werbung machen im Netz. Schau dir diese Guidelines bitte durch. Ich möchte wissen: geht das so einfach?“

Bei der konkreteren Durchsicht des Papiers finden sich interessante Wünsche:

  • Die MitarbeiterInnen sollen die vorliegenden Richtlinien in ihren privaten Social-Media-Netzwerken beachten. Also bei den Postings auf der Fußballvereins-Page bitte schön auf die unternehmensinternen Richtlinien achten?
  • Die Beiträge sollen aktuell, freundlich und in einem persönlichen Schreibstil abgefasst sein, der sich eindeutig von dem der Presseabteilung unterscheidet. Über Politik oder Religion soll nicht gepostet werden. Also bitte keine Postings auf Seiten von politischen Parteien oder gar der Gewerkschaft, weil das hat ja mit der Arbeit nichts zu tun?

das Symptomatische

Viele Betriebe sind mit eigenen Auftritten in Social Media Netzwerken präsent. So wie die Homepage mittlerweile Standard für die meisten Betriebe ist, so versucht jeder Betrieb, der „am Puls der Zeit“ sein möchte, einen eigenen Social-Media-Auftritt. Eine eigene Beratungs-Nische hat sich gebildet, die zum Social-Media-Auftritt berät und diesen für andere Firmen konzipiert. Man verspricht sich von Social Media näher an den KundInnen und GeschäftspartnerInnen zu sein, neue Vertriebskanäle zu erschließen, eine neue Zielgruppe anzusprechen, eine stärkere KundInnenbindung, u.s.w.. Werden genug Anreize gesetzt (z.B. Gewinnspiele, Gratis-Bons,…) funktioniert das auch ganz gut und es können jede Menge Zugriffe auf diese Plattformen verzeichnet werden.

die Medikation

Die Verwendung von Social Media berührt mehrere mitbestimmungspflichtige Punkte:

  • ERSTENS: Kontrollmaßnahme, die die Menschenwürde berührt nach § 96 ArbVG
  •  AUßERDEM: System zur automationsunterstützten Erfassung personenbezogener Daten nach §96a ArbVG
  • UND EVENTUELL: Benutzung von Betriebsmitteln nach §97 ArbVG

und ist daher mit einer Betriebsvereinbarung zu regeln – sinnvoller Weise in Verbindung mit der BV zu Email- und Internetnutzung. Da bei Social-Media-Anwendungen die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem sehr unscharf gezogen sind, müssen hier eigene Regelungen geschaffen werden. 

Oberster Grundsatz: die Beteiligung am Web 2.0 für MitarbeiterInnen, deren Arbeitsvertrag keine Medienarbeit umfasst, ist freiwillig. Falls sich jemand dazu bereit erklärt,

empfiehlt Dr. Datenschutz folgende Punkte mittels BV zu klären:

  • welche Web 2.0-Kanäle sollen bespielt werden? vom Unternehmen eigerichtete oder private Plattformen?
  • wieviel soll gepostet werden? wieviel Arbeitszeit soll/darf ins Web 2.0 gesteckt werden?
  • was geschieht, wenn diese Arbeitsaufgabe nicht mehr erfüllt werden sollen? wem „gehören“ die ganzen AbonenntInnen / Follower / FreundInnen / etc. wenn z.B. der Arbeitsplatz gewechselt wird?
  • welche Gegenleistung gibt es dafür? (und da ist nicht nur ein feuchter Händedruck gemeint)

Das sind nur einige Fragen, die geklärt gehören, bevor sich MitarbeiterInnen im Interesse des/der Arbeitgebers/-in in Social Media betätigen. Dr. Datenschutz sagt:

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Social Media lesen sie die Betriebsvereinbarung und fragen sie ihreN BetriebsrätIn und/oder ihre Gewerkschaft.

 

Kündigung wegen Eintrag auf Facebook

Eine Kellnerin aus dem Wiener Seminarhotel Strudlhof bekam eine saftige Rechnung serviert. Sie wurde wegen eines facebook-Eintrags gekündigt – den sie wohl gemerkt nicht einmal selbst verfasst hatte. In dem Eintrag forderte ein Kollege den Geschäftsführer namentlich auf: „ihr könnt mich mal“.

Wie der Kurier berichtete, war die Kellnerin der Geschäftsführung schon länger nicht genehm. Wer einen Entlassungsgrund suchet, der findet – am schnellsten offenbar in sozialen Netzwerken. Dass dieser Entlassungsgrund hält, ist allerdings mehr als fraglich, da die Entlassene zum Zeitpunkt des Postings nicht einmal online war. (Vielleicht werden ArbeitnehmerInnen ja demnächst verpflichtet, regelmäßig während der Arbeit ihre sozialen Netzwerke zu checken, ob dort nix Schlechtes über den Chef oder die Firma gepostet wird…)

Dass der Entlassungsgrund für den Verfasser des Eintrags hält, ist allerdings schon wahrscheinlicher, weil er darin a) namentlich die Geschäftsführung nennt  und das b) in einem beleidigenden Ton. Und das ist niemals ratsam – schon gar nicht, wenn man das eine „befreundete“ Person lesen lässt, die es dem Vorgesetzten brühwarm weitererzählt.

(Kurze Bemerkung am Rande: das Seminarhotel befindet sich nicht mehr im Besitz des ÖGB, auch wenn der und die Teilgewerkschaften nach wie vor ganz gerne Seminarräume dort buchen. Wie im Standard nachzulesen ist, besitzt eine österreichisch-russische Eigentümergemeinschaft seit 2010 den Betrieb.)

Wie bereits in diesem Blog erwähnt, ist es also nicht ratsam Vorgesetzte zu beleidigen – und es sollte für ArbeitgeberInnen nicht ratsam sein, Angestellte wegen derartigen Vorwürfen zu entlassen! 

Prost! Mahlzeit!

 

google und der Datenschutz

 – geht das zusammen?

Der Internet-Riese Google – mitunter auch als DAS wichtigste Unternehmen der Welt betitelt – hat sich mit Anfang März neue Richtlinien verpasst. Mit dieser neuen privacy policy sollen Daten aus allen google-Anwendungen (z.B. gogglemaps, google+, googlenews, …) miteinander vernetzt werden.

Kostprobe gefällig?

Am 1. März 2012 haben wir unsere Datenschutzerklärung und unsere Nutzungsbedingungen geändert. Die mehr als 60 verschiedenen Datenschutzbestimmungen für die unterschiedlichen Google-Produkte wurden durch eine zentrale, kompaktere und verständlichere Version ersetzt. Wir möchten Ihnen eine unkomplizierte und intuitive Nutzung der Google-Produkte bieten.

Ganz intuitiv werden dann auch die persönlichen Angaben aus allen google-Anwendungen miteinander verknüpft – „maßgeschneidert“ sozusagen. Diese neuen „Datenschutzbestimmungen“ widersprechen laut einem Gutachten der französischen Datenschutzbehörde, das von der Artikel-29-Datenschutzgruppe angeregt wurde, der (noch) geltenden europäischen Datenschutzrichtlinie.

Auch das österreichische Datenschutzgesetz versteht unter „eindeutiger Zustimmungserklärung für den konkreten Einzelfall“ oder „Datensparsamkeit“ und „Daten dürfen nur für eindeutige Zwecke verwendet werden“ etwas anderes, als in den neuen google-Bestimmungen enthalten ist.

Die NGO „Qintessenz“ empfiehlt daher beim Googeln:

Fünf einfache Schritte zu mehr Privatsphäre :

1. Im Google Konto einloggen

2. Auf https://www.google.com/history gehen

3. „Webprotokoll ist aktiviert.“ auf „pausieren“ klicken

4. Auf „Gesamtes Webprotokoll entfernen“ klicken

5. Bestätigen „Webprotokoll wurde angehalten.“

Auch bei abgeschalteter Webhistory werden von Google weiter Daten über uns Nutzer gesammelt. Diese werden jedoch nicht mit anderen Diensten verknüpft und müssen nach 18 Monaten teilweise anonymisiert werden.

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, soll es an dieser Stelle nochmals ins Gedächtnis gerufen werden:

Auch andere Anbieter haben schöne Suchmaschinen. 

 

Firmen-Laptop oder doch privates tablet?

Diese Frage stellt sich immer häufiger bei der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Arbeit – oder auch außerhalb. Der eigene tablet ist halt doch leichter zu transportieren als der Schlepptop aus der Firma und schneller ist er auch. Das eigene Smartphone hat brauchbarere Apps als das Firmen-Handy, auf das man meist gar nichts raufspielen darf. Der private twitter-account eignet sich hervorragend für die rasche und unbürokratische Kunden-Kommunikation.

Wie der Standard berichtet, hat eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Accenture ergeben, dass 58% der deutschen Angestellten lieber ihre privaten Mittel als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten nutzt, um Arbeitsaufgaben zu erledigen. Weltweit sind es sogar noch mehr ArbeitnehmerInnen, die private Arbeitsmittel bevorzugen, was auf der Plattform von golem.de eine interesante Diskussion ausgelöst hat. Österreich wird sich in Bezug auf Privatnutzung von Arbeitsmitteln vermutlich nicht stark von den deutschen Nachbarn unterscheiden. Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Beratungsunternehmen natürlich gerne Gefahren aufzeigt, um KundInnen zu gewinnen, so ist dieser Trend offenbar existent.

die Grenze beruflich-privat verschiebt sich

Stand bislang vor allem die Privatnutzung von Betriebsmitteln im Fokus der Aufmerksamkeit, so sollte sich das rasch ändern, wenn man die Arbeitsrealität nicht aus den Augen verlieren möchte. Es geht also nicht mehr darum, ob das Arbeitshandy privat verwendet werden darf, sondern darum, ob das Privat-Smartphone für Arbeitsaufgaben genutzt werden „darf“.

Aus Sicht der Untenehmen ergibt sich daraus das Problem mit der Datensicherheit, weil die privaten Geräte leichteren Zugriff von außen erlauben – so die Argumentation. Das Sicherheitsbedürfnis der ArbeitgeberInnen beschränkt das Freiheitsbedürfnis bezüglich der Wahl der Arbeitsmittel seitens der ArbeitnehmerInnen. Bei dieser Debatte stehen immer die Technologie und ihre „Sicherheit“ bzw. deren Kosten im Vordergrund. Die Arbeit geht schneller voran, die MitarbeiterInnen sind zufriedener, die Virenattacken sind häufiger und die IT-Abteilung verzweifelt zusehends. Es geht also um das Abwägen zwischen Interessen der Firma und der der ArbeitnehmerInnen.

so what?

Der Einsatz von Technologie kann zu einer win-win-Situation werden, wenn die ArbeitnehmerInnen mit den von ihnen gewünschten Mitteln die vom Arbeitgeber gewünschten Ziele erreichen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Was bei dieser Diskussion außer Acht gelassen wird, ist, dass bei dieser Nutzung von privater IKT für Arbeitszwecke auch „Lose-Situationen“ für ArbeitnehmerInnen entstehen. Rechtlich ist für die Privatmittel keine Haftung vorgesehen. Wer repariert die privat gekauften Arbeitsmittel? Wer zahlt die Zeit, die für ihre Anschaffung und Wartung eingesetzt wird? Welche technischen Kenntnisse muss sich der/die ArbeitnehmerIn privat aneignen und welche werden in vom Arbeitgeber bezahlten Schulungen vermittelt? Ist das Verwenden der privaten Ressourcen und des privaten Wissens ein Darf, ein Kann oder ein Muss? Wo hört Arbeit auf und wo beginnt privat?

Liebe BetriebsinhaberInnen, gebt doch euren MitarbeiterInnen die IKT, die sie verdienen – das ist die wahre win-win-Situation. Dann haben sie Freude an der Arbeit, weil das Verwenden technisch ansprechender Infrastruktur kann durchaus Freude bereiten. Dann arbeiten sie auf dem neuesten technischen Stand. Und dann seid ihr von Viren-Attacken verschont. Und ihr seid verschont von MitarbeiterInnen, die kein Privatleben mehr kennen.

Und last but not least ein überlegenswerter Tipp: Vielleicht doch eine BV statt zur „Privatnutzung von Betriebsmitteln“ zur „Arbeitsnutzung von Privatmitteln“?

 

# sbsm camp, die Zweite

sbsmcamp-Logowie bereits in diesem Blog angekündigt, findet

von 19. – 20. Oktober

DAS sbsm CAMP

im Catamaran, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien

 statt.

Hier noch ein paar Tipps, welche Veranstaltungen rund um das Thema

wie vertragen sich Social Media und mein Arbeitsplatz?

auf Interesse der p.t. Blog-LeserInnen stoßen könnten: 

 

  • Clara Fritsch (Abteilung Arbeit und Technik) bietet einen Workshop zum Thema „beim Surfen am Arbeitsplatz baden gegangen?“ In der Arbeitszeit per Social Media kommunizieren – das kann gut gehen, muss aber nicht. Je nachdem, wie offen innerhalb des Unternehmen mit Social Media umgegangen wird. Im schlimmsten Fall kann es zu Kündigungen kommen. Daher wird es in diesem Workshop unter anderem um die rechtlichen Rahmenbedingungen gehen, was ArbeitnehmerInnen und deren VertreterInnen tun und lassen sollten in den unendlichen Weiten der Social Media. Ich möchte weiters mit euch über die strategischen Möglichkeiten und Grenzen von Social Media in der Arbeitswelt diskutieren und Wege finden, wie die Verwendung von Social Media in der betrieblichen Praxis gewinnbringend eingesetzt werden kann.
    max. TeilnehmerInnen-Zahl: 12 Personen, Anmeldung unter
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 13:00 – 16:00

 

  • Eva Angerler (Abteilung Arbeit & Technik, GPA-djp) und Karl Schönswetter (Trainer und Blogger) bieten einen Workshop zum Thema: „Betriebsrat als Demokratiewerkstätte„. Man beschäftigt sich hier mit der Frage, inwieweit ein demokratisches Element wie der Betriebsrat/die Betriebsrätin in einem undemokratischen hierarchisch strukturierten Ganzen Einfluss nehmen kann. Demokratische Potentiale nutzen, Zivilcourage lernen und alle möglichen Informationskanäle nutzen sind Möglichkeiten in diese Richtung.
    Anmeldung erforderlich.
    Zeit: Donnerstag 20.Oktober 2011 10:00 – 13:00

 

  •  Die Wiener Interessengemeinschaft der Beschäftigten in der IT in der GPA-djp lädt zur Podiumsdiskussion „Arbeitsplatz 2.0 – quo vadis? Potentielle Veränderungen in der Arbeitswelt von morgen“. Als DiskutantInnen zugesagt haben bereits Verena Spitz (BAWAG P.S.K. und Beirat „Arbeit und Technik“ der GPA-djp), Sandra Steiner (Siemens und work@IT), Luca Hammer (Blogger, Publizist), Martin Rennhofer (IBM) und Christian Voigt (Autor, Aktivist). Ingo Heeb (Beko und work@IT) wird moderieren.