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über Scoring, Tracking, Profiling und Big Data

IMG_20150610_103513völlig subjektive und total verkürzte Eindrücke von der ver.di-Digitalisierungskonferenz in Berlin

IMG_20150610_140554Frank Bsirkse stellt in seinem Eingangsstatement fest, dass Software zunehmend Entscheidungen im Arbeits- und Alltagsleben strukturiert, prognostiziert und schlussendlich auch trifft. Das soll die Unternehmensleitung unterstützen – und in späterer Folge auch ersetzen, wie den Busfahrer?

Für mich ist die Vorstellung, einen Tarifvertrag mit einem Computeralgorithmus zu verhandeln wenig verlockend.

An das Rednerpult trat nach der deutschen Bundesministerin für Arbeit, Andrea Nahlens, auch Günther Öttinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Nahlens sah die zukünftigen Problemlagen vor allem bei gering Qualifizierten, die in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mehr Schritt halten könnten. Für eine Qualifizierungsoffensive macht sich auch Öttinger im Namen der EU-Kommission stark; sie ist eine wesentliche Säule der EU-Strategie „Digitale Agenda“.

Auf einem spannend besetzten Podium mit Vertreterinnen von Kunst, Wissenschaft und Politik beschäftigte man sich mit neuen Technologien in der Arbeitswelt. Frank Bsirkse und Annette Mühlberg hörten aufmerksam zu (siehe Bild).

IMG_20150610_162828Ich bin da echt kritisch bei dem Hype mit der Weiterbildung. Es gibt kein „Update 4.0“ für Beschäftigte. Welche Weiterbildung soll das denn sein? (Kristoffer Gansing, Transmediale)

Es braucht extremst partizipative Gestaltung der technischen Systeme durch die Beschäftigten. Die Fähigkeit mit dem Wandel umzugehen, ist bei den Beschäftigten vorhanden. Die können das. Die machen das ja ständig. Was fehlt, ist die Fähigkeit der Unternehmen, echte Partizipation zuzulassen. (Sabine Pfeiffer von der Uni Hohenheim)

Es herrscht eine „Totalisierung des Zählbaren“. Taxiunternehmen ohne Taxis, Hotelketten ohne Hotelbetten, etcetera brechen in die Branche ein und erzielen unglaubliche Marktwerte. (Lothar Schröder, ver.di-Bundesvorstand)

Rund um das Thema Scoring diskutierten am nächsten Vormittag eine hochkarätige Expertenrunde auf dem Podium. Die automatisierte Reihung und Beurteilung von Personen nimmt in den verschiedensten Lebensbereichen immer mehr zu. Egal ob bei Mieten, Flugbuchungen, Internetshopping oder bei der Kfz-Versicherung; die Anwendungsgebiete scheinen unbegrenzt.

Scoring für Werbung ist lästig, aber erträglich. Schluss ist, wenn Wahlmöglichkeiten beschnitten werden oder im schlimmeren Fall nur mehr zu teureren Konditionen zur Verfügung stehen oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr!

benennt Klaus Müller, Vorsitzender der Verbraucherzentrale die Problematik.

Der Politikwissenschaftler Ben Wagner von der Forschungsstelle Internet und Menschenrechte an der Europa-Universität Frankfurt/Oder beobachtet:

Die Teilhabe wird für arme Menschen immer schwieriger, weil sie sich erst nackig machen müssen, bevor sie eine Leistung bekommen. Wer sich zum Beispiel in den USA von seiner Krankenversicherung tracken lässt, zahlt weniger ein.

Thilo Weichert, der Leiter der Datenschutzbehörde Schleswig-Holstein, schließlich bringt die Individualisierung auf den Punkt:

Es werden immer weniger gesellschaftliche Risiken versichert, sondern ein individueller Vertrag zwischen einem privaten Anbieter und einer Privatperson abgeschlossen. Da steuert dann ein privates Unternehmen das Verhalten von Individuen und sagt, was gut und was schlecht für sie ist. Das führt zur Selbstzensur. Da geht der kollektive Schutz verloren!

Ein anderes Podium erkundete die gewerkschaftlichen Bemühungen auf europäischer Ebene für mehr Mitbestimmung, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung in Zeiten der Digitalisierung.

Danke an Tanja Buzek von ver.di für das Photo

Im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen versucht die EU-Kommission immer mehr zu liberalisieren. Das kann man seit Jahren gut beobachten. (Jan Willem Goudriaan, Generalsekretär Europäischer Gewerkschaftsverband)

Seitens der EU-Kommission wird nur mehr auf den Wettbewerb und die Marktliberalisierung geschaut – die Arbeitsbedingungen, die die Digitalisierung auslöst, gehen da unter. (Oliver Röthig, UNI Europa)

Es kann nicht sein, dass die persönliche Einwilligung zu Datenverwendungen aller Art die Verwendung legitimiert.  Im Arbeitsverhältnis wird man selten wirklich freiwillig zustimmen. Das führt die Grundrechte ad absurdum. (Clara Fritsch, GPA-djp)

Also sind wir uns doch ehrlich, die Lobbyschlacht um die Datenschutzgrundverordnung haben die Unternehmenslobbyisten schon gewonnen. (Constanze Kurz, Chaos Computer Club)

Hier noch ein paar wenige der vielen Forderungen, die Frank Bsirkse am Ende der zwei Tage zusammenfasste:

„Wo wir gemeinsam weiter daran arbeiten müssen“

passendes Wandbild im Workshop-Raum

  • Ein Verbot von Gesundheitstracking im Arbeitsverhältnis und eine Festlegung, was öffentlichen Krankenkassen beim Gesundheitstracking erlaubt sein soll und was nicht
  • Ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit in der Arbeitszeit
  • soziale Absicherung von Crowdworkern
  • Digitalisierungsdividende, zB indem die durch die neuen Technologien frei gewordene Arbeitszeit an die Arbeitnehmerinnen weitergegeben wird
  • Vorrang für Anonymität  – vor allem bei der Nutzung von öffentlichen Diensten im Netz
  • europaweite offene standardisierte Schnittstellen  – insbesondere für öffentliche Dienstleistungen

Und es gibt sogar ein Gesetz, das in Österreich schon gilt und ver.di – noch erfolglos – fordert: Die Bildungskarenz, damit Arbeitnehmerinnen sich bei aufrechtem Arbeitsverhältnis auf die Erfordernisse der digitalisierten Arbeitswelt einstellen können.

 

 

 

 

Das Cybertariat wird erwachsen?

Ursual_HuwsVortrag von Prof. Ursula Huws

Das 21. Jahrhundert ist durch weitreichende Digitalisierung von Information und Kommunikation und damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund wirft Prof. Ursula Huws ein Schlaglicht auf den gegenwertigen Status der globalisierten und digitalisierten kapitalistischen Ökonomie, indem sie unterschiedliche ökonomische, kulturelle und politische Entwicklungen in Verbindung setzt. Fragen veränderter Arbeitsorganisation und neuer sozialer Ungleichheiten werden aufgeworfen. Wie verändern sich Klassenbeziehungen im Sog der Digitalisierung? Entsteht eine neue Klasse, das Cyberteriat?

Zu diesen Fragen hält Prof. Ursula Huws einen Vortrag

Labour in the Global Digital Economy: the Cybertariat comes of Age

(Frei übersetzt: Arbeit in der globalen digitalen Ökonomie, das Cybertariat wird erwachsen.)

Die Vortragssprache ist Englisch.

wann? 9. Juli 2015, 18:00

wo? AK-Wien Bildungszentrum, SR 11 A + 11 B

Grundlage für den Vortrag ist das 2014 erschienene Buch der Professorin für Arbeit und Globalisierung an der Universität Hertfordshire, UK: Labor in the Global Digital Economy: the Cybertariat Comes of Age.

Ursula Huws betreibt auch einen sehr lesenswerten Blog, der sich mit den Entwicklungen am Arbeitsmarkt unter den Gesichtspunkten Gender, Digitalisierung und Globalisierung beschäftigt.

Der Vortrag findet im Rahmen der fünften Marie Jahoda Summer School of Sociology statt (6. – 10 Juli 2015). Unter dem Titel The Global Digital Workplace. New Ways of Working New Forms of Labour tauschen sich DoktorandInnen aus der ganzen Welt über die Digitalisierung von Arbeit aus. Die Summer School ist eine Kooperation der COST-Action IS1202: Dynamics of Virtual Work und der Universtität Wien.

Anmeldungen werden erbeten bis 29. Juni 2015 bei sabine.jovic@akwien.at

Veranstaltung des AKVorrat

Anlässlich des Jahrestages des EuGH-Urteils, mit dem die Vorratsdatenspeicherungs-RL aufgehoben wurde, macht der AKVorrat eine Veranstaltung mit dem Titel „Noch (k)ein Grund zum Feiern“, bei der einerseits vergangene Erfolge (wie zB das EuGH- sowie das darauf aufbauende VfGH-Urteil) gefeiert, und andererseits über aktuelle Aktivitäten der Organisation für mehr Grundrechtsschutz im Internet informiert werden soll.

Hier die Veranstaltungseinladung.

 

Diskussion zu Datenschutz und Überwachung

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Diskussionsgruppe für Kurz-Entschlossene im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes

Die Universität Wien, genauer gesagt die Arbeitsgruppe Rechtsinformatik am Juridicum, arbeitet derzeit an einem Projekt zur persönlicher Wahrnehmung von Datenschutz und Überwachung – vorrangig im öffentlichen Raum aber nicht nur.

Wer Zeit und Lust hat, ist eingeladen, seine / ihre Meinung in einer bunt zusammengestellten Gruppe zu diskutieren. Um alle möglichen Perspektiven dabei anzudecken, wäre es schön, wenn dabei auch eure Sicht als ArbeitnehmerInnen vorkommen würde – und eine kleine Aufwandsentschädigung wird auch gezahlt.

Termine: Montag, 02.06.2014 – Altersgruppe: 45+ Jahre, 18:15,

Mittwoch, 04.06.2014 – Altersgruppe: 18-24 Jahre, 18:15

Ort: Sitzungszimmer des Dekanats am Juridicum (Schottenbastei 10-16, 2. Stock; A-1010 Wien).

Bei Interesse meldet euch beim Projekt-Koordinator Janos Böszörmenyi (janos.boeszoermenyi@univie.ac.at).

Viel Spaß beim Diskutieren

 

Grundrechte in Gefahr

Grundrechte_Dwora_SteinNachlese der Veranstaltung

Dwora Stein begrüßte mit einem Kurzüberblick über die derzeitge Lage der Grundrechte und stellte fest, dass sowohl Rechtsetzung als auch Rechtsprechung den technischen und ökonomischen Gegebenheiten hinterherhinken. Nur starke, demokratisch legitimierte Institutionen wie ein Betriebsrat oder das Europäische Parlament können diesen Entwicklungen etwas entgegen setzen.

Grundrechte_Herta-Däubler-GmelinHerta Däubler-Gmelin referierte über die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die zu einer immer stärkeren Einschränkung der Grundrechte beitrugen (zB „Anti-Terror-Gesetzgebung“) und stellte fest, dass es KEIN Supergrundrecht geben könne. Schon allein die Tatsache, dass ein Grundrecht mehr Wert sein solle als ein anderes, widerspreche dem Gedanken der Grundrechtsgesetze.

Thomas Stiegmaier stellte (in Vertretung von Evelyn Regner) die europäische Gesetzgebung der letzten Legislaturperiode dar und vermittelte die Anstrengungen im Beschäftigungsausschuss, den zunehmenden Einschnitten in ArbeitnehmerInnenrechte entgegenzuwirken (zB Troika mit ihrem Austeritätskurs).

Joe Weidenholzer gab einen umfassenden Einblick in die Aktivitäten des Europäischen Parlaments; Massenüberwachung, Spionage und Datentracking im großen Stil könne und wolle er als Europa-Parlamentarier nicht hinnehmen. Erfreulich sei daher der soeben im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten vorgestellte Bericht, der streng mit den us-amerikanischen Spionageaktivitäten ins Gericht geht.

Gerhard Kunnert vom Bundeskanzleramt verwehrte sich in seinem Vortrag gegen den Vorwurf der Verzögerungstaktik seitens des EU-Rates und legte dar, aufgrund welcher Kritikpunkte in der derzeit geplanten Datenschutz-Grundverordnung, der Europäische Rat Bedenken hat, dem Gesetzesentwurf in dieser Form zuzustimmen. So werden das One-Stop-Prinzip schon alleine aufgrund der Sprachenvielfalt nicht funktionieren.

(c)datadealer.com CC-BY-SA

(c)datadealer.com CC-BY-SA

Nach einer kurzen Mittagspause war der Saal abermals gut gefüllt und Wolfie Christl vom Datadealer gewährte dem Publikum unterhaltsame Einblicke in die umfassenden Überwachungsmöglichkeiten im Netz. Die quantified-Self-Bewegung mit ihrer Vermessung von Körperfunktionen wurde ebenso dargestellt wie die schier ungaublichen Möglichkeiten des personenbezogenen Datentrackings seitens eigens dafür gegründeter Unternehmen (zB Axion). Auch wenn er kein Jurist, Abgeordneter oder ehemalige deutsche Ministerin ist (wie er in seinen Begrüßungsworten feststellte) so hatte er doch einiges zu sagen.

Walter Peissl vom Institut für Technikfolgenabschätzung vermittelte eine Innenansicht von Apps und was sie alles  – durchaus mit unserer tatkräftigen Hilfe – auf unseren Smartphones mitlesen. Wer Android Apps verwendet könnte diese vorher mit dem Clueful Privacy Advisor auf Datenschutzfreundlichkeit testen.

Andreas Krisch von AKVorrat stellte anhand der Europäischen Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung den steinigen Weg derjenigen dar, die auf einer Einhaltung der Grundrechte bestehen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden folgende Hauptanliegen unserer Gäste formuliert:

Joe Weidenholzer:

Niemand würde Autos ohne Bremsen produzieren und genauso brauchen wir eine Datenschutz-Bremse für die Technik. Auch ein Unterrichtsprinzip Datenschutz, das auf spielerische Weise die Techniknutzung lehrt, könnte viel weiterbringen.

Herta Däubler Gmelin:

Eine öffentliche Diskussion wäre mir ein Herzenswunsch sowie technische Vorgaben, die auf politischen Absprachen beruhen.

Gerhard Kunnert:

Ein stärkerer emanzipatorischer Geist in der Bevölkerung wäre gut.

Wolfie Christl:

Eine kritische Netzkultur muss dem Staat auch etwas wert sein und besser finanziert werden.

Andreas Krisch:

Datenschutz soll dazu dienen Vertrauen der Bevölkerung in die Techniknutzung zu schaffen. Die Erkenntnis, dass Datenschutz einen Sicherheits- und einen Wirtschaftsfaktor darstellt, soll sich breit durchsetzen. Das wäre eine win-win-Situation auch für die Grundrechte.

Walter Peissl:

Vergehen gegen den Datenschutz und die Grundrechte tun leider niemandem direkt weh – das sollte sich ändern. Datenschutz-Missbrauch sollte jetzt weh tun und nicht erst in 10 Jahren. Dass die Gesellschaft endlich aufwacht, wäre mir ein großes Anliegen.

Zum Nachlesen für alle, die sich nicht alles gemerkt haben oder leider nicht kommen konnten, gibt es hier die Unterlagen von Andreas Krisch, Walter Peissl, Evelyn Regner, Gerhard Kunnert und Joe Weidenholzer.

Grundrechte im Netz von Ökonomie und Politik

netzwenn das Netz und das, was sich darin verfängt, immer unübersichtlicher werden…

Grundrechte geraten immer stärker unter Beschuss von unternehmerischen, staatlichen oder geheimdienstlichen Interessen. Das Bedürfnis der Einzelnen, ihre Grundrechte auf Privatsphäre, Datenschutz oder freie Meinungsäußerung zu schützen, nimmt gleichzeitig zu. Um diesen Zwiespalt öffentlich zu diskutieren, über die aktuellen Entwicklungen in Europa zu informieren und mögliche Zukunftsszenarien zu kreieren, laden GPA-djp und AK Wien zu einem Datenschutztag ins Bildungszentrum in der Theresianumgasse ein.

Dazu haben wir InsiderInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen rund um den Datenschutz eingeladen:

  • die ehemalige deutsche Justizministerin, Herta Däubler-Gmelin wird die Widersprüche zwischen Verfassung und Spionage erörtern,
  • Evelyn Regner und Joe Weidenholzer aus dem EU-Parlament werden über die dortigen Entwicklungen in Sachen ArbeitnehmerInnenrechte und digital agenda berichten,
  • Gerhard Kunnert aus dem Bundeskanzleramt wird die perspektive aus der EU-Ratsarbeitsgruppe darstellen,
  • Wolfie Christl vom „Datadealer“ wird die vielfältigen Möglichkeiten der ArbeitnehmerInnen-Kontrolle im Netz  (z.B. per Recruitainment) vorstellen,
  • Walter Peissl vom Institut für Technikfolgenabschätzung wird die Möglichkeiten der ökonomischen Verwertbarkeit von Geodaten aufdecken,
  • und last but not least wird , Andreas Krisch von mk/sult, kürzlich nominiertes Mitglied im Datenschutzrat, uns die neuesten Entwicklungen zur Vorratsdatenspeicherung näher bringen.

Wer dann noch nicht genug hat, ist herzlich zur Podiumsdiskussion eingeladen,

am 9. Jänner 2014 von 9:00 bis 16:30

im großen Sall des AK-Bildungszentrums in der
Theresianumgasse 14-18, 1040 Wien.

Um Anmeldung wird per Email gebeten unter: veranstaltungen.ks@akwien.at

Wer sich gerne eine Einladung ausdrucken möchte, kann das hier.

PS: Wenn eine Person, mit der sie noch nie zuvor zu tun hatten, plötzlich weiß, wo sie sind, dann liegt das an der „Datenschutzbestimmung“ ihres neuen App.

was von Alfred Dallinger übrig blieb…

Quelle: ÖGB-Archiv

Quelle: ÖGB-Archiv

Festakt zum 25. Todestag
von Alfred Dallinger

Am 27. Februar 2014, um 9.30 Uhr findet im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Stubenring 1, 1010 Wien, eine Gedenkveranstaltung an den Gewerkschafter und politischen Visionär Alfred Dallinger statt.

Alfred Dallinger war 15 Jahre lang Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten und von 1980 bis zu seinem Unfalltod 1989 amtierender Bundesminister für Arbeit und Soziales. Zu seinen wichtigsten politischen Forderungen gehörten die Arbeitszeitverkürzung auf eine 35-30-Stunden-Woche und die Einführung einer Wertschöpfungsabgabe.

Am Blog für Arbeit und Technik soll aber insbesondere auf Dallingers Engagement für die Humanisierung der Arbeit und die frühzeitige Auseinandersetzung mit den Veränderungen in der Arbeitswelt durch neue Technologien hingewiesen werden. Dallinger hat damit wesentlich dazu beigetragen, die Grundlagen für die Mitbestimmung des Betriebsrates an technischen Systemen im Betrieb und der Sicherstellung von Datenschutz am Arbeitsplatz zu schaffen, was mit der ArbVG-Novelle 1986 umgesetzt wurde.

Folgendes Statement Dallingers in diesem Zusammenhang erscheint heute aktueller denn je:

Schutzmechanismen sind nicht als defensive Strategie zur Verhinderung einer Weiterentwicklung der technologischen Innovation anzusehen, sondern als Norm für die Vermenschlichung der Technik, denn nur wenn der Mensch und seine Arbeit den gleichen Stellenwert wie das Kapital oder Profitinteressen haben, kann die Zukunft der gesamten Gesellschaft human und demokratisch gestaltet werden.

(Alfred Dallinger, am 14. Februar 1985)

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung werden ein Film und ein Buch zur Person Alfred Dallinger präsentiert, und anschließend wird in drei Diskussionsrunden über die Bedeutung Dallingers für die Gegenwart diskutiert.

Um Anmeldung per E-Mail unter kommunikation@bmask.gv.at wird gebeten.

 

der Schandfleck ist wieder da

schandfleckNominierungsaufruf 2013: Schandflecke benennen

Wer

  • eine besonders unverantwortliche Organisation kennt, (z.B. in Bezug auf die ArbeitnehmerInnen-Rechte, die Umwelt, die KundInnen, oder die Gesellschaft insgesamt)
  • diesen Missstand öffentlich aufzeigen möchte,
  • aber sich nicht selbst outen will,

der/die hat noch bis Ende Oktober eine gute Gelegenheit dazu.

Das Netzwerk Soziale Verantwortung sucht das übelste Unternehmen Österreichs!

Über die nominierten Organisationen, Unternehmen und/oder Personen wird dann online abgestimmt, und am Welttag der Sozialen Gerechtigkeit, am 20. Februar, wird der Negativpreis „Schandfleck“ verliehen.

Mehr zum Schandfleck (Nominierungsformular, Infos) findet sich hier

373471_170424129658917_605650196_qVorbild für den „Schandfleck“ ist der Public Eye Award in der Schweiz, der seit 2000 als kritische Gegenveranstaltung zum World Economic Forum in Davos stattfindet und Konzerne auszeichnet, die sich gegenüber Menschen und der Umwelt besonders unverantwortlich verhalten haben.

eine kurze Geschichte der Überwachung

buchneulich im Museum

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben eine Entwicklungsgschichte, die eng mit der von Überwachungstechnologie verwoben ist. Am Anfang stand unter anderem das Buch als Speichermedium, doch war es anfangs für privilegierte Schichten reserviert und die Kommunikation im gemeinen Volk erfolgte zum Großteil mittels Bildern oder mündlich. Diese und andere Erkenntnisse erhielt der Beirat für Arbeit & Technik (BAT) von der Kulturvermittlerin Monika Rabovsky bei einer sehr empfehlenswerten Führung durch das Technische Museum Wien.

Die Entwicklungsgeschichte der IKT ist kein linearer kontinuierlicher Strang. Vielmehr gehen viele Stränge nebeneinander her, aneinander vorbei, verbinden sich und entwickeln sich eigenständig weiter. Dennoch sind zwei Grundlinien erkennbar: die Entwicklung von Informationsspeicherung und die von Informationstransport. Zusammengebracht konnten die beiden Entwicklungen dann in der Computertechnologie werden.

Das Maria-Theresien-Denkmal in Wien
Das Maria-Theresien-Denkmal in Wien

Wie es in der österreichischen Geschichte öfter mal vorkommt, hatte auch hier Maria Teresia ihre Hände im Spiel. Mit der Entwicklung des Buchdrucks wurden die Menschen neugierig auf Buchstaben. Die Kaiserin führte die Schulpflicht ein, wodurch ein Großteil der Bevölkerung das Lesen erlernte. Damit ging auch eine Entmachtung der Kirche einher, die bislang die Oberhoheit über das (in Büchern) festgehaltene Wort hatte.Zugleich hatte die Regentin den Wunsch, die Bevölkerung in den engen Grenzen ihrer Geburtsbezirke zu belassen. Dazu mussten die Menschen registriert – also in Büchern gespeichert – und überwacht werden. Wer sich außerhalb der Bezirksgrenzen aufhielt wurde „im Schub“ wieder dahin zurückgebracht, wo die Regentin ihn oder sie haben wollte. Die erste Volkszählung wurde von ihr 1754 angeordnet. Dazu wurde ein Lochkarten-System entwickelt – ein erstes analoges binäres System: Loch oder nicht Loch.

Skizze einer Laterna Magica

Skizze einer Laterna Magica. Quelle: wikipedia

Bei den Bildgebenden Verfahren liegen die Anfänge in der sogenannten „laterna magica“, einer optischen Spielerei mit der Trägheit des Auges. Exakte Bilder wurden vor allem in der Kriegsführung benötigt (z.B. Land- und Stadtkarten). Die erste erhaltene Photographie hatte noch eine Belichtungszeit von acht Stunden. Spätere „Phasenbilder“, also kurz hintereinander aufgenommene, zerstückelt wirkende Bewegungsabläufe dienten in Folge als Grundlage des Taylorismus – jede Bewegung, jeder Ablauf an der Maschine konnte genau in Einzelschritte zerlegt, analysiert und „optimiert“ werden. Ohne Bildgebende Verfahren wäre der Taylorismus nicht denkbar gewesen. Bewegte Drehspielgel wurden seit Beginn der Industrialisierung als „Detektive“ eingesetzt um in den Fabriken die ArbeiterInnen zu überwachen. „Es gab schon alles, nur die Technik hat sich verändert.“ kommentiert Monika Rabovsky.Die erste Bildübertragung gelang 1928. Der Nationalsozialismus bescherte der Photographie zu Fahndungszwecken einen nie gekannten Aufschwung. Die erste massive Bildüberwachung „unliebsamer Objekte“ stammt aus dieser Zeit.

Telegrafenleitungen 1901, Quelle: wikipedia

Telegrafenleitungen 1901, Quelle: wikipedia

Die Technologieentwicklung der Kommunikationsübertragung war noch stärker von militärischen Zwecken beeinflusst. (Und Militärs sind quer durch die Geschichte meist Kontroll- und Überwachungsinstitutionen.) Erste Transport-Dienstleister waren schnelle Reiter. Mit den sogenannte „Balkentelegrafen“, die in Sichtweite auf Hügeln stationiert wurden, war eine verschlüsselte Nachricht von Wien nach Paris einen halben Tag unterwegs. Entlang der Eisenbahnnetze entwickelte sich eine schnelle Transportmöglichkeit für Informationen mittels Morsealphabet. (Eine gute Vernetzung entlang des Eisenbahnnetzes war daher im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ein prägendes Element.)Um 19oo ermöglichte die Telefonie eine rasend schnelle Kommunikation. Das österreichische Telefonnetz umfasste damals 172 TeilnehmerInnen; bis Ende des Zweiten Weltkrieges gab es (insbesondere in Ämtern und großen Büros und Geschäften) 82 Km Rohrpostleistungen.

Univac im Deutschen Museum München. Quelle: wikipedia

Univac im Deutschen Museum München. Quelle: wikipedia

Der erste Computer von 1958 hörte auf den Namen „univac“, benötigte ein beachtliches Ausmaß an Kubikmetern Platz, erzeugte unglaublich viel Wärme und benötigte für eine Stunde Laufzeit 100 Stunden Wartungsarbeit. Die Kombination von Datenspeicherung und Transport gelang erst mit dem Honeywell-Computer 1971. Eigentlich erstaunlich, dass trotz des Ressourcenaufwands weiterhin in diese Technologie investiert wurde und die Nachfahren dieser Riesendinger heute in jede Hosentasche passen, ein Promille des damals benötigten Stromes beanspruchen und dafür unendlich mehr können.

"Das Fräulein vom Amt" Quelle: Deutsches Bundesarchiv

„Das Fräulein vom Amt“ Quelle: Deutsches Bundesarchiv

Die geschlechtsspezifischen Ausprägungen des Themas, wurden bei der Führung nicht unter den Teppich gekehrt. Beispielsweise die Tatsache, dass die technologischen Fortschritte ausschließlich Männern zugeschrieben wurden, weil Frauen schlicht und ergreifend nicht das Recht hatten, ein Patent anzumelden. Telefonie war deshalb so kostengünstig weil das „Fräulein vom Amt“, das den ganzen Tag mit einem fünf Kilo schweren Kopfhörer in einem stickigen Kammer gesessen ist, nur ein Drittel eines Mannes verdiente. Es wurden nur unverheiratete Frauen angestellt, bei Heirat wurden sie entlassen. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit tauchte erstmals das Wort „Stress“ im Arbietsleben auf.

Der BAT hat sich vorgenommen, dieser informativen und viel zu kurzen Führung unbedingt eine zweite folgen zu lassen. Bis dahin begnügen wir uns mit dem Video „the maschine is us“, einer künstlerischen Darstellung der IKT-Entwicklung und der Verwicklung des Menschen darin von Micheal Wesch (geht auch ohne Ton).

Leistungsschau der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt

thu-40010241arbeiten kann ihre Gesundheit gefährden

Damit es nicht so weit kommt, bietet die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) einige konkrete Leistungen in der Betreuung und Beratung an und diese präsentiert sie demnächst bei einer Veranstaltung.

wer immer schon wissen wollte, wie das mit der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz funktionieren soll,

wer sich immer schon gefragt hat, wie dieses „Krankenstandsmanagement“ bzw. die Wiedereingliederung nach längeren Krankenständen im Betrieb gehandhabt werden soll,

wer wissen will, wie es mit den Zahlen zu Berufsunfällen und Berufskrankheiten in Österreich wirklich aussieht,

sollte sich folgende Veranstaltung am Montag 29. April 2013 nicht entgehen lassen:

Leistungsschau der AUVA zur Prävention von arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen

im ÖGB-Catamaran, 1020 Wien, Johann-Böhm-Platz 1,

von 9.00 bis 16.30 Uhr

Anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten wird die AUVA bei Infoständen und ExpertInnenvorträgen rund um das Thema arbeitsbedingte Gesundheitsgefährungen einen Tag lang zeigen, was sie kann.

Wer sich nur bestimmte Vorträge anhören möchte, kann sichim genauen Programm der von AUVA, AK und ÖGB veranstalteten Leistungsschau das Passende auswählen.

Anmeldung sind bis spätestens Donnerstag 18. April 2013 an Kollegin Claudia Leeb (ÖGB Sozialpolitik) per Fax an +43 1 53444-100467 oder E-Mail sozialpolitik@oegb.at zu senden.